Review: Indie mit Potenzial – Giant Rooks bringen die Scheune zum Bersten (26.02.2018, Dresden)

Giant Rooks (Foto: Torsten Arndt bs! 2018)

Erst einmal ein paar unterkühlte Fakten: ein Montag Abend in der Dresdner Neustadt, -13 Grad, vor der Scheune Dresden eine gut 30 m lange Schlange am Einlass. Das bedeutet: Anstehen und Arschbacken zusammenkneifen, nicht jammern und hoffen, dass zum einen sich der Einlass sputet und zum anderen, dass das Konzert erwärmt.

Die Giant Rooks stehen auf dem Plan, denn dieser rasante Aufstieg – die Jungs kommen aus Hamm – ist mir natürlich nicht verborgen geblieben. Und um gleich ein wenig zu spoilern, das Konzert hält ganz locker und leicht das, was ich mir davon versprochen habe.

volltreffer

Meine Hoffnung lag auf feinstem Indie-Rock, flotten Nummern, eine Menge Gitarreneinsatz und die Erzeugung eines positiven Gefühls in mir. Treffer, Treffer, Treffer, versenkt! Mehr noch, es übertrifft meine Erwartungen um einiges. Bei manchen Song-Passagen, aber ganz besonders bei ihrem ganz neuen Song „Head by Head“ schimmert bereits ein wenig Weltbühne durch. Das musikalische Tor zur Welt steht an diesem Abend immer mal einen kleinen Spalt offen. Was sich dahinter verbirgt, würde ich zu gern heraus posaunen. Aber Geduld. Dazu später mehr.

Cassia (Foto: Torsten Arndt bs! 2018)

Denn vorher war Manchester dran, Manchester, du tierische Rock“N“Roll-Sau! Aus dem schier unerschöpflichen musikalischen Fundus britischer Indie-Rock Bands stiegen an diesem Montag die drei Herren von Cassia – situated in Manchester – empor. Und damit ging schon vor dem Konzert von den Giant Rooks die britische Sonne am Dresdner Scheunentor auf. Der Veranstalter meldete schon weit im Vorfeld die Show als ausverkauft, was sich gleich bei der Vorband Cassia widerspiegelt. Kaum ein Platz vor der Bühne ist entspannt zu belegen. Dichtes Gedränge, aber so what? Soll es nicht immer so sein?

Beachparty at its best

Ist das ein Strand auf der Bühne? Cassia mixen ihren typischen Manchestersound (hier könnte ich auch Bristol oder Brighton als Soundreferenz anführen) mit einer enormen Menge an karibischen Klängen. Bongos, Rimshots und eine fein gezupfte Leadgitarre sind anzuführen. Meine Herren und Damen, das ist allerfeinste Strandparty-Musik, was das bereits heftigst angeflirtete Publikum genauso sieht. Die Party rollt!

Cassia (Foto: Torsten Arndt bs! 2018)

Giant Rooks waren dran. Die mit Vorschusslorbeeren angetretenen neuen Sterne am Indie-Rock Himmel hielten – wie eingangs erwähnt – alles das was bisher über sie geschrieben oder erzählt wurde ein. Der erste Song „Thunder“ grollte in den Saal und die bereits durchgenommene Menge im Saal feierte ab Minute eins ihre Lieblinge. Giant Rooks, das sind Frederik Raabe in der Front, Gitarrist Finn Schwieters, Bassist Luca Göttner, Jonathan Wischniowski an den Keys und Drummer Finn Thomas und seit gut drei Jahren dick im Geschäft. Vergleiche mit Malky oder den Mighty Oaks halten sie bereits in jungen Jahren locker stand. Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten, dass das Quintett besagten Zugpferden bereits um eine Nasenlänge voraus ist. Woran liegt das? Zuallererst mache ich die Stimme von Herrn Raabe dafür verantwortlich. Unverkennbar rough, trotzdem warm und in ruhigen Momenten sehr klar. Stimmen beschreiben ist eine komische Sportart. Hört sie euch einfach mal bei „Bright Lies“ an, dem zweiten Song am Abend.

Darf es etwas mehr sein?

Giant Rooks (Foto: Torsten Arndt bs! 2018)

Der erste neue Song ist „100 mg“. Klingt wenig? Ist es aber nicht! Damit wäre von uns Fans auch keiner zufrieden gewesen. „100 mg“ geht mit genügend Energie nach vorn. Frontmann Raabe nutz dazu auch seinen akustischen 6-Saiter und mit ihrem dazugehörigen, mehrstimmigen Gesang haben sie auch mich im Sack. Über ihren sehr emotional vorgetragenen Hit „Slow“ und der „Ballade“ „Sighing like a Sleeper“ nähern wir uns dem anfangs angeführten „Head by Head“. Ihr erinnert euch? Gleich mehr! Zuvor möchte ich noch einen Moment bei „Itchy Feet“ verweilen. Denn das die Giant Rooks nicht nur powern können beweist genau dieser Song. Akustisch, im Singer/Songwriter Stil streichelt Frederik Raabe dieses Lied in den Saal, mit einer hoch emotionalen Bridge, wohlgemerkt ohne Mikrofon. Nur seine Stimme und die absolut stille Scheune. Wahnsinn! Gänsepelle pur, würde der gemeine Norddeutsche vermerken. Und so verjagt ein Höhepunkt den vorangegangenen und der Abend findet für meine Begriffe seinen Höhepunkt in „Head by Head“.

Giant Rooks (Foto: Torsten Arndt bs! 2018)

DER neue Song – laut Band erst kurz vor der Tour fertig geworden – besticht durch eine außergewöhnliche Breite, ist hoch energetisch, mit Hang zum Indie-Folk. Ein Wahnsinns-Flow! Und wie ich es schon eingangs erwähnte, öffnet sich während dieses Liedes dieses kleine musikalische Tor zur Welt und das schmale Licht dahinter blinzelt freudig und flüstert:

Kommt hier entlang liebe Rooks,
hier geht es zu den großen Hallen und den Stadien!
Die Freunde von Marcus Mumford warten bereits auf euch!

Und genau auf diesen Vergleich will ich hinaus. Die Giant Rooks haben die ganz großen Events bereits auf der Pfanne. Genau bei diesem Song ist das spürbar.

Vielleicht ein Fazit?

Ich könnte hier schließen, aber da kam noch Bob Dylan um die Ecke! Der alte Mann und sein „I shall be Released“ wurde in der Zugabe gecovert und das nicht nur von den Hammern sondern auch von den Manchester-Boys. Wuling auf der Bühne! Ein großartiger Abschluss einer famosen Indie-Rock-Party! Gut, die Damen „Mia & Keira“ bilden an diesem Abend den offiziellen Abschluss, und sind in ihren musikalischen Eigenarten ebenfalls grandios, nur mein Highlight scheint heute eindeutig über „Head by Head“.

Setlist:

  1. Thunder
  2. Bright Lies
  3. Småland
  4. 100 MG
  5. Slow
  6. Sighing Like a Sleeper
  7. Chapels
  8. Nightingales of the Walled City
  9. Itchy Feet
  10. Head by Head
  11. New Estate
    Encore
  12. I Shall Be Released (Bob Dylan cover)
  13. Mia & Keira (Days to Come)

Links:
www.giant-rooks.com
www.facebook.com/wearecassia
www.facebook.com/scheunedresden/