The Shins: The Worm's Heart (2018) Book Cover The Shins: The Worm's Heart (2018)
Indie, Pop, Beat
Sony
19.01.2018
www.theshins.com

Tracklist:

  1. The Fear (Flipped)
  2. So Now What (Flipped)
  3. Heartworms (Flipped)
  4. Dead Alive (Flipped)
  5. Half A Million (Flipped)
  6. Rubber Ballz (Flipped)
  7. Mildenhall (Flipped)
  8. Fantasy Island (Flipped)
  9. Cherry Hearts (Flipped)
  10. Painting A Hole (Flipped)
  11. Name For You (Flipped)

„Heartworms“, der fünfte Streich der Shins erschien am 10.03.2017. Doch der sechste folgte sogleich: „The Worm’s Heart“ wurde am 19.01.2018 veröffentlicht. Was die beiden Alben gemein haben, ist nicht nur das gelungene, sehr ähnliche Coverbild von Jacob Escobedo, auch die Namen der Songs sind gleich. Nur in umgekehrter Reihenfolge und durch den kreativen Mixer gejagt. Langsame Stücke werden schneller, Genres werden getauscht, ruhigere Passagen lauter – und überhaupt ist alles ganz anders.

Der Vorgänger „Heartworms“ ist insgesamt etwas melodischer und lockerer gelungen als sein Nachfolger und klingt häufig nach Produktionen der Beat-Ära, mit zwei Gitarren, Bass, Orgel und den typischen mehrstimmigen Harmoniegesängen. Die Variation davon, „The Worm’s Heart“ ist etwas spröder geraten und vom Gesamteindruck eher an den keyboardlastigen Sounds der 80er orientiert.

James Mercer, Schöpfer der Shins und auch der beiden letzten Werke meint dazu: „Ich habe es erschaffen, um die vielfältige Natur meines Songwritings zu zeigen.“ Um die Idee zu verstehen, sollte man beide Veröffentlichungen miteinander vergleichen können, deswegen lassen wir die beiden Alben ganz sportlich zum Hörspiel antreten:

The Fear
Die Banjo/Mandolinen-Spuren sind verschwunden und die ganze mexikanische Stimmung is futsch, die den Song zu etwas besonderem machte. Stattdessen wurden jede Menge Halleffekte über die Vocals gelegt. Das Ganze wirkt jetzt wie ein Demo aus dem Übungsraum.
(WH)  1 : 3  (HW)

So Now What
Im Original ist es eine nette Dreampop Nummer. Im Remake wurde das Gitarrenriff (Toto/Hold The Line) durch eine Synthiemelodie ersetzt. Die ständig sich wiederholende Sequenz eines 80er Jahre Keyboard Bass Presets nervt aber dann doch gewaltig.
(WH)  2 : 3  (HW)

Heartworms
Kommt in der Erstversion wie ein unbeschwerter Popsong aus den 70er Jahren daher. In der Alternative peitscht ein Sequencer das Stück in Richtung Dancefloor. Auch gut.
(WH)  2 : 2  (HW)

Dead Alive
Die Urfassung ist etwas blass geraten. In der Flipped Version mutiert der Track zur getragenen Pianoballade mit Streichern. Am Schluss dreht dann allerdings eine Sologeige durch und ist kurz davor, den ganzen Song zu zersägen.
(WH)  4 : 1  (HW)

Half A Million
Eine Lalala-Sugar-Beat Nummer verwandelt sich in ein poppiges Reggaestück. Das ist zumindest ein spannender Ansatz – leider aber auch nicht mehr.
(WH)  2 : 1  (HW)

Rubber Ballz
Ba Dam, Ba Dam, Ba Dam, Ba Dam Baaa. James Mercer singt „Can't Get Her Out Of My Bed“ zur Melodie von ELO’s Hit „Can’t Get It Out Of My Head“. Wie lustig. Hihi Haha, Ba Dam.
(WH)  1 : 3  (HW)

Mildenhall
Klingt wie die Everly Brothers beim Rodeo. Ein Countrysong mit 60er Jahre Feeling und Vinyl-Kratzgeräuschen. Im Remake drängelt sich eine Honky Tonk Orgel nach vorne in die erste Reihe und macht das Stück damit eine Spur interessanter.
(WH)  2 : 1  (HW)

Fantasy Island
Mercer sucht wieder einmal die Nähe zu Bands wie Middle Of The Road oder den Archies. Die Nachfolger-Version ist allerdings auch hier wieder etwas packender gelungen.
(WH)  3 : 2  (HW)

Cherry Hearts
Eine psychedelische Orgel und die catchy Gitarrenakkorde nehmen dem Original die Zuckersüße. Etwas mehr Härte steht dem Track ganz gut. Eindeutig die bessere Version.
(WH)  3 : 2  (HW)

Painting A Hole
Schöne verschwurbelte Schwebegitarren. Druckvolles Schlagzeug. Die Neufassung kommt etwas rockiger daher, nur der Gesang ist etwas zu theatralisch ausgefallen.
(WH)  2 : 2  (HW)

Name For You
Der Closer auf „The Worm’s Heart“ schlüpft ins New Wave Gewand. Mit knalligem Riff und einem Stadionrefrain klingt es druckhafter, aber nicht überzeugender als der Opener von „Heartworms“. Eine schöne Popnummer mit eingängiger Songstruktur. Vielleicht was fürs Autoradio?
(WH)  1 : 3  (HW)

Das Endergebnis lautet 23 : 23.
Unentschieden!

Vielleicht sind die Herzwürmer/Wurmherzen ja Ohrwürmer, die direkt ins Herz des Hörers zielen sollen? Das würde zumindest die zahlreichen Reminiszenzen an andere Musiker erklären. Respekt verdient die Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk und der unbefangene Umgang damit allemal, aber mehr als fantasievolle Spielereien sind die neuen Interpretationen auch nicht.

Pop darf alles! Oder sollte es zumindest dürfen. Dass hinter so einer Idee ein Hochhaus von einem Ego steht ist eh klar. Aber why not? Ist aber halt auch nur was für die echten Fans.

Auf ein weiteres Remake würde ich aber doch zugunsten eines völlig neuen Albums von The Shins gerne verzichten. Oft ist der kreative Input von Mitmusikern ja nicht zu unterschätzen und führt doch manchmal auch zu völlig unerwarteten Ergebnissen.
Pop darf alles, Mister Mercer!