Review: Männer, Gitarren, Emotionen – Fates Warning (07.02.2017, Nürnberg)

Fates Warning (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Unter der Woche ein Konzert zu besuchen ist immer so eine Sache. Mensch muss erst eine gewisse Motivation finden, da der Berufsalltag stressig genug ist oder mensch möchte seine Lieblingsserie(n) nicht verpassen. Ganz zu schweigen davon, dass auch Fußball im TV zu sehen ist. Wer will da schon seinen Arsch aus dem bequemen Sessel heben?

Gott sei dank gibt es noch immer noch genügend Musik-FanatikerInnen, die sich lieber laute Musik auf die Ohren geben, anstatt zum Couchpotato zu mutieren. Und wenn dann auch noch Progressive Metal-Götter von Fates Warning in die Stadt kommen, die mit ihrem aktuellen Output „Theories Of Flight“ eines der besten Alben des letzten Jahres veröffentlicht haben, werden doch mal rund 30,- € für ein Ticket locker gemacht.

A New Tomorrow (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Doch bevor Fan in den Genuss von Fates Warning kommt, beginnt als Einheizer um 20:00 Uhr, die britisch/italienische Formation A New Tomorrow. Ohne die Leistungen von kleinen Supportbands generell schlecht zu reden, muss mensch sagen, dass viele (vor allem unbekannte) Gruppen, nur als Kanonenfutter zur Überbrückung zum Hauptact angesehen werden. Was ich sehr schade finde, denn hin und wieder, sind das die großen Bands von morgen und es ist doch interessant, sie dann noch in diesem Stadium der Bandhistorie zu sehen. Deswegen bin ich u.a. überrascht, wie gut die Jungs bei dem Nürnberger Publikum ankommen. Auch weil die musikalische Ausrichtung viel Alter Bridge, Nickelback und knackigere Foo Fighters beinhaltet, was normalerweise eher weniger positiv aufgenommen wird, von der „Metal-Gesellschaft“.

Fates Warning (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Man muss aber gestehen, die vier machen ihre Sache richtig ordentlich! Sympathisch und selbstbewusst spielen sie ihr halbstündiges Set, das mit feinen Songs wie „Brighter Than The Sun“, „Believe“ und „Back To Life“ bestückt ist. Wenn mensch bedenkt, dass die Wahllondoner bisher nur zwei Singles und zwei EP´s veröffentlicht haben (das Debütalbum dürfte in diesem Jahr erscheinen), aber mit auf der Tour von Fates Warning sind, ist das mehr als ein Beweis für ihr Können. Vor allem der finale Track „Damn You“ brilliert mit einer Eingängigkeit, der gerne in weiteren Songs Verwendung finden darf. A New Tomorrow haben an diesem Abend soweit alles richtig gemacht.

Sänger Alessio Garavello bietet den Zuschauerinnen nach dem Auftritt an, sie am Merchandise-Stand zu besuchen, ein paar Bierchen zu kippen und noch einen entspannten Abend zu haben. Und natürlich ihre Sachen zu kaufen, zwinker, zwinker 😉

Als nächstes warte ich auf Armored Dawn, aber stattdessen werden die Instrumente für Fates Warning aufgebaut. Komisch eigentlich, denn auf den Tourpostern vorm Hirsch und vorab im Internet, waren die Brasilianer Armored Dawn angekündigt (aber A New Tomorrow nicht).

Was war passiert? Wie ich erst nach dem Konzert in Erfahrung bringen konnte, touren Fates Warning mit drei verschiedenen Bands, bei denen Anfangs neben Armored Dawn noch Fallen Arise dabei waren und ab Mitte der Tour, A New Tomorrow Fallen Arise ablösten, bis sie ab dem heutigen Auftritt alleine als Support mit dabei sind. So kann´s gehen.

Fates Warning (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Umso besser vielleicht, denn Fan muss nicht länger warten und darf nun sich auf die Großmeister Fates Warning freuen. Dass natürlich keine Songs aus der John Arch-Ära gespielt werden, versteht sich von selbst. Sänger Ray Alder hat eine ganz andere stimmliche Klangfarbe, die melodischer, klarer und facettenreicher ist. Er veredelt die Songs auf eine andere Weise als John Arch, ist ihm aber in stimmlicher Leistung ebenbürtig.

21:05 Uhr: Die Bühne ist unbeleuchtet, ein instrumentales Intro läuft und Fan sieht Schemen, die sich an die Instrumente hin bewegen.

Fates Warning sind auf der Bühne, es wird Beifall geklatscht und die Spannung steigt. Als das Intro verklingt und die Lichter wieder angehen, nimmt die Ekstase ihren Lauf: „From The Rooftops“ eröffnet das Set und der gutgefüllte Hirsch ist hin und weg. Die Jungs aus Hartford (Connecticut) lassen sich danach auch nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. „Life In Still Water“, „A Pleasant Shade Of Gray, Part III“ oder der Megaohrwurm „Seven Stars“ unterstreichen dies eindrucksvoll.

Fates Warning (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Fates Warning bieten zwar nicht das große Stageacting, aber das braucht es auch nicht, denn hier steht die Musik ganz klar im Vordergrund. Der Sound ist heute Abend auch gut ausbalanciert und man kann jedes Wort von Sänger Ray Alder klar heraushören. Meine Augen springen ständig zwischen den einzelnen Mitgliedern hin und her, da jeder eine tolle Leistung an den Tag legt. Joey Vera zockt so locker aber tight an seinem Bass, Bobby Jarzombek trommelt präzise durch die Songs, Gitarrist Michael Abdow, der bei Live-Gigs an der zweiten Klampfe aushilft, fasziniert zusammen mit Bandchef Jim Matheos an den Saiten und Griffbrettern und dass Ray ein toller Sänger ist, kann ich immer wieder nur betonen.

 „The Light And Shade Of Things“

Obwohl „Seven Stars“ mein eigentlicher Fave vom „Theories Of Flight“-Werk ist, begeistert mich an diesem Abend „The Light And Shade Of Things“ noch einen ticken mehr. Ja, Gänsehaut ist vorhanden, auch wenn die ganz hohen Stellen von Ray nicht perfekt getroffen werden. Lobenswert ist dagegen, dass aus jedem (!) Album, das mit Ray Alder aufgenommen wurde, Minimum ein Song performt wird (es sind immerhin neun an der Zahl), sodass jeder Fan etwas spendiert bekommt. Gerade der Longtrack „The Ivory Gate Of Dreams: VII. Acquiescence“, „The Eleventh Hour” und “Point Of View” stellen jede/n zufrieden bzw. glücklich, bevor das Set vorerst beendet wird.

Fates Warning (Foto: Michael Gerlinger bs!)

Was folgt ist klar: Die Jungs verlassen die Bühne, die obligatorischen „Zugabe“-Rufe werden laut und natürlich werden noch Songs gespielt. Zwei sind es in der Summe: „Through Different Eyes“ und „Monument“, die dann endgültig den Abend beschließen, der auf ganze 95 Minuten Spielzeit kommt. Auch wenn es einem gar nicht so lange vorkam.
Das einzige Manko an dem Zugabeblock: Der Soundmann scheint sich schon im Feierabend befunden zu haben, denn während dieser beiden Songs, ist der Sound nicht mehr so optimal wie es zuvor der Fall war. Das hat zur Folge, dass die Instrumente und auch Ray zu laut gemischt wurden. Dies stellen auch einige andere BesucherInnen nach dem Auftritt, für ein Resümee fest.

Ein typisches Konzert unter der Woche, war dies definitiv nicht. Ich hätte zwar von Fates Warning eine magische Nacht erwarten können, aber durch ein paar kleine Makel erreicht es dieses Prädikat (leider) nicht. Dennoch war die Leistung absolutes Höchstniveau. Die Jungs befinden sich derzeit in Topform, haben ein bärenstarkes Album im Rücken und wissen zu begeistern. Wer also die Progressive Metal-Götter in dieser Form sehen will, sollte sich beeilen und noch Tickets für den zweiten Teil der Europa-Tour sichern, die vor kurzem bekannt gegeben wurde. Es lohnt sich!

Galerien (by Michael Gerlinger):

Setlist Fates Warning:

  1. From The Rooftops
  2. Life In Still Water
  3. One
  4. A Pleasant Shade Of Gray Part III
  5. Seven Stars
  6. One Thousand Fires
  7. A Handful Of Doubt
  8. Firefly
  9. The Light And Shade Of Things
  10. A Pleasant Shade Of Gray Part IX
  11. A Pleasant Shade Of Gray Part XI
  12. The Ivory Gate Of Dreams: VII. Acquiescence
  13. The Eleventh Hour
  14. Point Of View
    Encore:
  15. Through Different Eyes
  16. Monument

Links:
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www.facebook.com/FatesWarning