Review: Die Lightshow war super – Tremonti live (27.11.2018, Hannover)

Tremonti (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Wenn schon 90 Minuten vor dem eigentlichen Haupt- Act die Absperrgitter und Zugänge vor dem Eingangsbereich von den Ordnern abgebaut werden, lässt das nichts Gutes vermuten. Fällt das Konzert aus? Sind die Künstler krank? Bombendrohung? Außerirdische? Ein kurze Rückfrage bei der Security ergibt: keine Außerirdischen. Unterirdisch ist allerdings das Konzert besucht. Na dann mal rein ins Capitol und siehe da, hier ist tatsächlich Platz. Kein Drängeln, kein Schieben, keine Ahnung warum sich hier laut Veranstalter nur 400 Fans tummeln.

Raven Age (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Am wenigsten dafür können die Jungs von The Raven Age. Sie machen das was sie anscheinend immer machen, den Support. Das haben sie auch bereits bei den Größen des Genres gemacht. Anthrax, Killswitch Engage und sogar Iron Maiden (huuii) haben die britischen Melodic-Metaller als Anheizer engagiert. Na gut der Kontakt zu den Eisernen Jungfrauen war nicht so schwer, ist doch Raven George Harris Sohn von Maiden-Bassist Steve Harris. Aber die Wahrheit liegt bekanntlich auf der Bühne und den Saal muss mensch auch erst mal rocken. Da hilft Papi dann auch nicht. Das muss er auch nicht. Sänger Matt James ist ein markanter Typ und Frontmann. Die Raben liefern einen ordentlichen Gig ab. Rockig laut, aber immer auch melodiös performen die Londoner ihre Lieder aus dem Debütalbum „Darkness Will Rise“ (2017). In England zählen sie zu den neuen jungen Helden der Metal-Szene. Und Hannover weiß jetzt auch warum.

Raven Age (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Why were we afraid to go?
We asked for the truth and now we know
The whole damn thing has turned to dust
The ashes you left will bury.

Mann des Abends ist Mark Tremonti. Der US-Amerikaner zählt zu den bedeutendsten Gitarristen der Gegenwart. Definitiv. Mit seinen Bands Creed und Alter Bridge hat er weltweit mehr als 40 Millionen Tonträger verkauft. Der Mann ist ein zuverlässiger Malocher. Ständig sucht er neue Herausforderungen und findet diese natürlich. Mit seinem Soloprojekt „Tremonti“ hat er bereits 4 Alben herausgebracht. Zuletzt im Juni 2018 das Konzeptalbum „A Dying Machine“. Dieses Album und auch alle Vorgänger wurden von den Kritikern hochgelobt. Und das zurecht. Mensch darf sich also auf ein Highlight freuen.

Tremonti (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Schnell einen schönen Platz sichern, ist ja genug da. Am besten mittig der Bühne im Abstand der linken Box zur rechten Box. Sozusagen an der Spitze eines gleichseitigen Dreiecks. Ist gar nicht schwer. Was dann kommt ist eher schwer. Schwer zu verstehen.

Tremonti legt los wie ein Großer. Ist ja auch normal. Hier geht’s um Heavy, Speed und Trash. Volles Brett. Aber was sich auf CD top anhört, geht hier im Soundbrei unter. Das lässt Raum für verschiedene Theorien. Tremonti spielt ja im Capitol, wähnt sich also im Regierungssitz seines Präsidenten Warum nicht auch so aufführen wie selbiger: unqualifiziert rumpoltern ohne Sinn und Verstand. Hauptsache laut.

Tremonti (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Mutiert hier Mark Tremonti zu Donark Trumpmonti? Nein, doch eher nicht. Dafür sind die Songtexte zu gut. Für die zweite Theorie geht’s in die Küche. Tremonti hat Bärenhunger und mixt alles zusammen was er vorfindet. Das Ganze gut gemischt, kommt so auf den Tisch. Aber uups, statt Zucker wurde Salz genommen. Nicht essbar. Könnte passen, aber auch nur fast. Bleibt nur Erklärung Nummer 3, wieder aus der Küche. Eine top motivierte Band bringt alle Zutaten mit. Ein schlagfertiger Drummer, showgestählte Gitarristen und ein gut aufgelegter Frontmann. Passt. Ja, aber nur wenn der Mann am Sound nicht wäre. Frei nach dem Motto viel hilft viel, dreht er das Ding so hoch, das es überkocht und schließlich das gute Essen anbrennt. Nicht essbar. Bingo. Diese Theorie passt. Außer dem Schlagzeug kann man die anderen Instrumente nicht einzeln raushören. Gute Songs wie „Catching Fire“, „Dust“ oder auch der neue Titelsong „A Dying Machine“ gehen dann in der Melange unter. Schade, schade. Den Hardcore-Fans wird dies egal sein, alle anderen gehen „hungrig“ nach Hause. Wenn man die dann fragen würde, wie es war, gibt es nur eine Antwort: „Also, die Lightshow war super.“

Galerien (by Michael Lange bs! 2018):

Raven Age (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Setlist The Raven Age:

  1. Betrayal of the Mind
  2. Promised Land
  3. The Death March
  4. Salem’s Fate
  5. Surrogate
  6. My Revenge
  7. Angel in Disgrace

 

Tremonti (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Setlist Tremonti:

  1. Found (Intro)
  2. Cauterize
  3. You Waste Your Time
  4. Another Heart
  5. Take You With
  6. Traipse
  7. My Last
  8. The Things I’ve Seen 8.
  9. Trust
  10. Catching Fire
  11. So You’re Afraid
  12. Flying Monkeys
  13. Radical Change
  14. Bringer of War
  15. Unable to See
  16. Throw Them to the Lions
  17. A Dying
  18. Wish You Well