Review: Lauter als „Lauter als Bomben“ – Donots live (22.02.2018, Hannover)

Donots (Foto: Carsten Brand bs! 2018)

Wenn sich eine Band neu gründet, gibt es zunächst verschiedene Dinge zu klären. Zum einen welche Art von Mucke machen wir? Das war nicht so schwer. PUNK. Punk ist einfach, aussagekräftig und tanzbar. Ein Gemeinschaftserlebnis halt. Passt. Und in welcher Sprache geht der Punk ab? Englisch natürlich. Das ist international, wird auf der ganzen Welt verstanden. Passt. Bleibt nur noch der Name. Donuts sollte es sein. Aber leider hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen (uuups) und es wurde Donots. Egal Karl. Das bleibt jetzt so.

Donots (Foto: Carsten Brand bs! 2018)

Mit etwas Selbstironie lässt sich daraus die Philosophie der Band „nichts zu tun“ (don’ts = do nothing) ableiten. Passt schon. Nach ersten Achtungserfolgen haben sich die Münsterländer dann wohl gedacht: lass uns mal was anders machen. Wie wär es mit Punk auf Deutsch? Da verstehen die Fans die Botschaft besser und können schön laut mitgrölen.

Aber dann auch bitte schön mit „Karacho“ haben sich die Donots gedacht. Gesagt, getan und eingespielt. Das gleichnamige Album geht auf Platz 5 der Albumcharts. Krawumm. Eine Legende ist geboren. Erstmal auf den Geschmack gekommen legen die Knollmänner & Co. im Januar 2018 nach. Das Album „Lauter als Bomben“ erreicht Platz 4 der Charts. Kein Wunder , das an diesem Abend das Capitol aus allen Nähten platzt. Da bahnt sich Großes an.

Komm, wir feiern auf Rezept
und wenn wir scheitern dann perfekt
und die Getränke sind heute frei,
das Ende der Welt ist längst vorbei!

Die Ouvertüre und gleichzeitig Einspieler an diesem Abend ist „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones. „Hey Ho Let´s Go“. Das ist feinste Lyrik. Klare Botschaft. Genial einfach und einfach genial. Die Donots „prügeln“ an diesem Abend knapp 30 Songs über die Bühne. Auch das hört sich wieder schwer nach Ramones an: kurz anzählen, one , two, three, four  und dann schrammel, schrammel, schrammel. Kommt hier Quantität vor Qualität? Nein. Das ist halt Punk, aber Punk mit Niveau.

Donots (Foto: Carsten Brand bs! 2018)

Nicht umsonst wird das neue Album von den Kritikern hochgelobt. Gute Text in gute Musik verpackt. Das haben auch die 1400 Fans erkannt, die die Band von Beginn abfeiern. Und Beginn heißt hier auch Beginn. Von Lied 1 bis hin zum genialen Schluss. Die Stimmung kocht. Interessant ist an diesem Abend die Geschlechtertrennung. Die Herren der Schöpfung halten sich überwiegend im Innenraum auf und liefern mit den unverzichtbaren Ingredienzien eines Punk-Konzerts wie Wall of Death, Moshing und Crowd Surfing interessante Schauwerte. Die Ladies halten sich eher auf dem Balkon des Capitols auf. Ist auch besser dort. Sie haben einen guten Blick auf die balztanzenden Boys. Und warum auch in den Innenraum gehen? Da sind gefühlte 20 Grad mehr, die Kerle schwitzen wie Bolle, grölen und ruhig stehen kann mensch auch nicht. Ist halt Punk. Politisch stehen die Donots definitiv links. Links ist da wo die Überholspur ist. Also Blinker setzen, ausscheren und Gas geben. Die Botschaft ist klar. Weg mit allem was Rechts ist. Gut so. Diese Botschaft muss mensch noch lauter als lauter als Bomben raushauen. Immer und immer wieder.

Donots (Foto: Carsten Brand bs! 2018)

Da die Ladies nicht so viel Körperkontakt mit den Jungs kriegen (weil Balkon) lässt es sich Sänger Ingo Knollman nicht nehmen die Mädels dort aufzusuchen. Und was macht der Kerl? Springt runter in die Menge. Aufgefangen von zahllosen Händen. Auch das ist Punk. Ein Gemeinschaftserlebnis. Nach zwei Zugaben ist „So Long“ eigentlich ein wunderbares letztes Lied, aber sowohl Band als auch Publikum sind an diesem Abend derart aus dem Häuschen das die Jungs noch ihr „Hansaring, 2:10 Uhr“ mitten im Publikum spielen. Ein absolut würdiger Abschluss eines grandiosen Konzerts.

Donots (Foto: Carsten Brand bs! 2018)
Matze Rossi (Foto: Carsten Brand bs! 2018)

Kurz erwähnen müssen wir auch den genialen Matze Rossi. Als Opener hat man es oft nicht leicht – manchmal echt so gar nicht. Da schieben wir mal das aktuelle Schnee-Chaos als Grund vor (ganz ganz leicht geflunkert). Holen wir nach, lieber Matze! Als Trostpflaster für euch gibts unsere Berichte von der aktuellen Tour aus Osnabrück und als Bonus den aus Westerstede.

Galerien (by Carsten Brand bs! 2018):

Donots (Foto: Carsten Brand bs! 2018)

Setlist:

  1. Geschichten vom Boden
  2. Keiner kommt hier lebend raus
  3. Problem kein Problem
  4. Whatever Forever
  5. Calling
  6. Junger Mann zum Mitleiden
  7. Rauschen (Auf jeder Frequenz)
  8. Dead Man Walking
  9. Saccharine Smile
  10. Alle Zeit der Welt
  11. Ich mach nicht mehr mit
  12. Dann ohne mich
  13. Das Ende der Welt ist längst vorbei
  14. Gegenwindsurfen
  15. Stop the Clocks
  16. Aschesammeln
  17. Heute Pläne, morgen Konfetti
    Encore
  18. Wake the Dogs
  19. Whatever Happened to the 80s
  20. Kaputt
  21. Hier also weg
    Encore
  22. Das Dorf war L.A.
  23. Eine letzte letzte Runde
  24. Piano Mortale
  25. We’re Not Gonna Take It (Twisted Sister cover)
  26. So Long
    Encore
  27. Hansaring, 2:10 Uhr