Review: Willkommen zum großen Blackwalk beim M’Era Luna Festival in Hildesheim (2018)

Impressionen vom Mera Luna (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

 

Impressionen vom Mera Luna (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Es ist das zweite Augustwochenende und dies bedeutet wie jedes Jahr: Zeit für das schwärzeste und zeitgleich bunteste Festival des Jahres! Das M’Era Luna in Hildesheim lockt erneut tausende Liebhaber der Gothicmusik mit all ihren Facetten an. Doch in diesem Sommer heißt es nicht „We burn in hell“ sondern „We burn in Hildesheim-Drispenstedt“! Wo im letzten Jahr noch alles abgesoffen ist, wirbelt dieses mal der Staub. Und auch von der Organisation gibt es einige Änderungen. Mehr Platz für alle! Der Wohnmobilplatz, der erst in Ost und West geteilt werden sollte, wird nun doch zusammengelegt, sprich der alte Wohnmobilplatz erstreckt dich nun über eine größere Flächse. Der Zeltplatz rückt weiter auf den ehemaligen Parkplatz West. Von der Anreise läuft alles unproblematisch und entspannt. Die Parkplätze öffnen bereits um 7 Uhr morgens um Rückstau zu vermeiden. Die Wege für die Zeltenden sind mit Sicherheit weiter als in den vorigen Jahren, doch steht einmal alles kann das Warm Up beginnen.

Was wir von weitem zuerst für einen Witz hielten, stellt die wohl auffälligste Neuerung, mitten auf der Landebahn dar:

eine große Geisterbahn!

Eher im lächerlichen Stil, wie eine der guten alten Alice Cooper Shows mit einem großen roten Teufel, der in seiner Hand einen Zombie schwenkt. Das gruseligste daran sind eher die Schausteller, welche die Besucher erschrecken, denn die Plastikfiguren sind eher belustigend denn schaurig. Die Bahn wird anfangs misstrauisch beäugt, doch zur späteren Stunde sieht man doch mehr als erwartet in die Wägelchen steigen. Eine gute Idee wäre, die Geisterbahn zur Bühne umzufunktionieren und als Auftakt kleinere Horrorbands wie Bloodsucking Zombies From Outer Space oder Wednesday13 spielen zu lassen.

Impressionen vom Mera Luna (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Was kommt als nächstes? Eine schwarze Hüpfburg oder ein Bällchenbad? Das Gothic-Schminken findet jedenfalls nebenan in der Academy statt. Dieses ist aber ernst gemeint und wirkt äußerst professionell. Wahrscheinlich sind darum bereits einige Termine ausgebucht.

Der Merchandise Stand hat auch wieder ein paar schicke Shirts im Angebot. Interessant ist, dass das weiße T-Shirt ganze 5.- eur günstiger ist als die schwarzen. Die schwarze Strickjacke ist mal etwas außergewöhnlich, mit 70.- eur jedoch leider überteuert.
Der Mittelaltermarkt ist bereits geöffnet und bietet Gaumenfreuden, musikalische Unterhaltung, ein Bad im Waschzuber, eine Singlebörse und vieles mehr was das Wohl der Besucher angeht. Die Shoppingsucht kann an allen möglichen Fashion- und Accessoireständen befriedigt werden. Hier sind die größten Szeneshops mit vielen ausgefallenen Outfits und Zubehör zu finden. Wer sich hier noch nicht völlig ausgepowert und zuviel Geld liegen gelassen hat, kann ab 22.30 Uhr in der Hangardisco mit den DJs Daniel Graves (Aesthetic Perfection), Honey (Welle:Erdball) oder Andtrax alles geben.

Passt auf eure Füsse auf…

Cyborg (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Denn dies war erst der Anfang! Das große Line Up startet am Samstag. Die Gewinner des Nachwuchsband-Wettbewerb Cyborg aus Hamburg eröffnen bereits um 11 Uhr die Main Stage. Allerdings bleibt es bei einer sehr kurzen Stippvisite. Nach 3 Songs, die gesanglich mehr schlecht als recht ertönen, endet der Auftritt in einem Star Wars Outro, das fast genauso lang wie der gesamte Auftritt erscheint. Dazu muss man aber auch den heftigen Wind und die technischen Probleme des Jahren (auf diese wird später näher eingegangen) erwähnen, die sicher auch dazu beitrugen.

Zeraphine (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Später haben auch Zeraphine mit schlechtem Sound zu kämpfen. Zum ersten Song dröhnt eine gewaltige Soundwelle über den Platz und der Gesang wirkt schräg. Im Laufe des Stückes wird es etwas besser, aber nicht wirklich gut. Wer die Auftritte von Sven Friedrich mit Zeraphine oder seiner zweiten Band, Solar Fake kennt, der weiß dass er eigentlich gut singen kann. Doch Sven ist sympathisch und gut gelaunt. Leider hilft es nichts und die Qualität wird auch bei „Die Macht In Dir“ oder „Be My Rain“ besser. Äußerst schade für die Fans, die seit langem auf einen Auftritt der Band gewartet haben. Man kann es sich auch nicht schön trinken, denn am Bierstand neben der Main Stage dauert es mal wieder unglaublich lange. Es ist jedes Jahr dasselbe, kann hier nicht mal jemand Praxistipps oder Schulungen geben? Dafür ist das Personal äußerst freundlich und das ist auch viel wert.

Mera Luna Besucher
Rabia Sorda (Foto: Kristin Hofmann)

Immerhin im Hangar ist der Sound endlich mal im Griff. Ich erinnere mich noch allzu gut an die Jahre als auch dort alles ein Soundmatsch war. Rabia Sorda profitieren davon und bringen vom ersten Song die Halle zum Tanzen. Von „Deaf“ über „Indestructable“ fegt Sänger Erk Aircrag über die Bühne und stachelt die Menge weiter an. Zum Ende verlässt er das Rampenlicht und macht Platz für ein Drum Solo. Das energiegeladene Drumgewitter geht in den letzten Song der Setlist über. Zu „Wasteland“ bricht noch einmal lauter Jubel aus.

Lord Of The Lost (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Bei strahlendem Sonnenschein aber einem kühlen Wind rocken Lord Of The Lost die Main Stage. Wem die Sonne trotzdem zu schaffen macht kann den Klängen auch gut vor dem Zelt lauschen. Der Wind trägt in diesem Jahr den Sound weit über das Konzertgelände hinaus. Zum Glück gibt es dazu noch mehrere kostenfreie Trinkwasserstellen sowie ein Stand mit 0,5 Liter Wasser für 1.- eur.

Auf der Landebahn hat schon längst das Schaulaufen begonnen. Die Kameras knipsen wie wild neue und alte Kreationen der M’Era Luna Schönheiten. Ob rabenschwarz oder knallbunt, blutig oder sinnlich: hier bietet sich dem Betrachter ein optisches Fest der Sinne.

Impressionen vom M`Era Luna 2016 (Foto: Torsten Volkmer 2016 bs!)
Clan Of Xymox (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Im Hangar geht es derweil ungebremst weiter. Nach Das Ich folgen Clan Of Xymox, die ihr Set mit dem Intro „Days Of Black“ des aktuellen gleichnamigen Albums und viel Nebel beginnen. Heute ist auch Mojca Zugna am Bass zu sehen, die auf der letzten Tour leider fehlte. Bis zum ersten Refrain behält Ronny Moorings die Hände frei, doch dann greift er zur Gitarre und das Bild auf der Bühne ist wieder vollständig. Die Niederländer erfüllen die Atmosphäre mit Dark Wave vom Feinsten. Lediglich Rogers Ansage „The next song is about smells…“ verwirrt die Anwesenden ein wenig. So heiß ist es heute doch gar nicht…?! Doch als die ersten Töne von „Jasmine And Rose“ erklingen, wird klar was gemeint war.

The 69 Eyes (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Ok, geben wir der Main Stage noch eine Chance. The 69 Eyes werden erwartet, doch was dauert hier so lange? Erst mit 15 Minuten Verzögerung geht es los. „Framed In Blood“ und „Feel Berlin“ machen den Anfang und nun versteht man auch die Verzögerung. Einmal mehr scheint die Technik nicht reibungslos zu funktionieren. Der Gesang schwankt stark und zu „Gothic Girl“ fällt die Gesangsspur komplett aus. Schade denn die Band ist gut drauf und liefert eine tolle Rockshow. Nach „Never Say Die“ muss sich die Band kurz absprechen, wahrscheinlich muss geklärt werden welche Songs bei den technischen Problemen am meisten Sinn machen. Zum Glück reicht es für den Klassiker „Brandon Lee“, doch das Mikrofon knackt und rauscht, obwohl es ausgetauscht wurde. Die Fans lassen sich nicht beirren und jubeln und singen mit. Es ist auch schön zu sehen, dass Jussi69 wieder so fit zu sein scheint, immerhin musste er in den letzten Jahren das ein oder andere Konzert aus Krankheitsgründen auslassen.

Apoptygma Berzerk (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

The 69 Eyes geben auf der Main Stage Apoptygma Berzerk die Klinke in die Hand. Doch, huch?! Auf den ersten Blick sieht Stephan Groth wie der kleine Bruder von Jyrkie69 aus. Haare, Sonnenbrille, der gesamte Look macht die beiden fast zu Zwillingen. Voller Vorfreude wird die Band unter großem Jubel empfangen und die ersten Töne des Carmina Burana Intros leiten „Love Never Dies“ ein. Sofort wird mitgeklatscht und getanzt. Das folgende „Burnin‘ Heretic“ feiert sogar Jubiläum. Ganze 25 Jahre hat das Stück auf dem Buckel! Ein Grund mehr der Sonne zu trotzen und sich zu bewegen. Apoptygma Berzerk liefern eine bunte Mischung aus ihrer gesamten Schaffensphase, bei der „Non-Stop Violence“ und „Kathy’s Song“ nicht fehlen dürfen. Kurz vor Schluss bringt „Until The End Of The World“ die Menge nochmal ins Schwitzen bevor es Zeit wird, die Bühne für Ministry zu räumen.

Ministry (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Leider räumt sich auch das Feld vor der Stage ziemlich. Es scheint als wäre Ministry doch etwas zusehr Metal für das M’Era Luna. Ich persönlich bin froh über etwas Neues im Line Up. Riesige aufblasbare Hühner mit Trump-Haartolle säumen links und rechts den Bühnenrand. Die Band betritt hochmotiviert die Bühne und startet das Set mit dem Intro „I Know Words“ des neuen Albums AmeriKKKant. Al Jourgensen muss zwar ab und zu einen Blick in das Notenheft werfen, ist ansonsten aber äußerst fit. Er spielt die Mundharmonika ebenso wie die Gitarre. Die Ballon-Hühnchen haben allerdings nichts zu lachen: zu „Punch In The Face“ werden sie von Al bespuckt und getreten. Einmal angefangen, zieht er die Rüpelei das gesamte Set über durch. Doch er erhält große Zustimmung vom Publikum, denn wer nicht in den Hangar zu Nachtmahr ist und zu „Mädchen In Uniform“ tanzt, der weiß welches politische Statement Ministry mit dem aktuellen Album ausdrücken will und unterstützt das lautstark. Leider folgen Hits wie „Just One Fix“ erst recht spät und noch ein paar Leute mehr verlassen die Main Stage. Jedoch gut für Leute wie mich, die einmal stressfrei bis fast in die erste Reihe marschieren und Ministry von ganz nah erleben können.

Impressionen vom M`Era Luna 2016 (Foto: Torsten Volkmer 2016 bs!)
In Extremo (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Dann wird es Zeit für etwas Mittelalter-Rock von In Extremo. Obwohl auch diese Band bereits vor zwei Jahren am M’Era Luna spielte, beeindrucken sie immer wieder mit ihren Bühnenaufbauten und ihrer Präsenz. Sie wissen was ihre Fans von ihnen erwarten und überzeugen mit Show und Können. „Quid Pro Quo“ macht den Anfang und bereits beim zweiten Song „Feuertaufe“ wird das erste Feuerwerk entzündet. In Extremo wie immer im großen Stil! Und wer denkt er habe In Extremo schon zu oft gesehen (wie ich), der wird jedes Mal wieder eines Besseren belehrt und ertappt sich selbst dann doch wieder beim Mitsingen zu „Rasend Herz“ und „Himmel und Hölle“.

London After Midnight (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Etwas neues altes gibt es dann im Hangar. Nach Jahren der Abwesenheit beehren London After Midnight das Festival. Doch hier gibt es ein paar Abweichungen zwischen ausgedrucktem Plan und App. Was stimmt also? Völlig egal, es scheint kaum jemand zu merken und sogar die Bandmitglieder von Ministry warten gespannt auf den Auftritt. Bevor die Band das Rampenlicht betritt werden zu klassischer Musik auf der Leinwand die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt. Frontmann Sean Brennan verteilt Rosen. Die Band, die sich ungern in die Goth-Rock Schublade stecken lässt, schließt den Tag im Hangar mit ruhigeren Synth-Rock Klängen ab. Doch viele verlassen ab 22.30 Uhr die Halle um The Prodigy zu sehen. London After Midnight sind laut eigener Aussage froh darüber, dass trotzdem noch viele Menschen im Hangar sind, obwohl nebenan eine so große Band wie The Prodigy spielt.

Die Band auf der Main Stage braucht man nicht mehr vorstellen. Auch ihre energiegeladenen Shows sind legendär. Vor der Bühne ist es voll und mit dem Intro von Clockwork Orange strömen die Bandmembers on Stage. Wo der Sound in den letzten Jahren zu leise war, wird in diesem Jahr alles reingepumpt. Es vibriert vor der Bühne und auf der Bühne vibrieren Front-Derwisch Keith Flint und Co. und heizen ein. Sie verlangen nichts vom Publikum, was sie nicht auch abliefern. Und so tobt die Party zu „Breathe“ und „Omen“. Die Leinwand ist teilweise krisselig als wäre sie kaputt. Nicht sehr schön für die Leute die weiter hinten stehen! The Prodigy geben ein Elektro-Feuerwerk von dem die Zuschauer auch am nächsten Abend noch schwärmen werden.

Auf den Bühnen ist jetzt Schluss, doch es geht weiter mit dem Mittelaltermarkt und DJ Sven und DJane Thenia AF im Disco-Hangar. Oder man geht nochmal schnell in die Geisterbahn, um sich Make Up Inspirationen für den nächsten Tag zu holen.

Sonntag

Trinken, trinken, trinken heißt es heute. Aber mehr Wasser als Alkohol, denn die Sonne brennt. Dumm nur, dass im Laufe des Tages das 1.- eur Wasser am Stand auf dem Infield alle ist. Die Trinkwasserestationen zum selbst auffüllen sind in Dauerbetrieb. Und trotzdem muss die erste weibliche Person in den Morgenstunden von den Securities aus der Menge gezogen werden.

Aesthetic Perfection (Foto: Oliver Garrandt bs! 2017)

Heute scheint es voller zu sein. Zu Frozen Plasma ist der Hangar voll und es wird niemand mehr rein gelassen. Gut, dass es die große Bildschirmübertragung vor dem Eingang gibt. Als der Wechsel zu Aesthetic Perfection beginnt, ist der Menschenfluss sehr zäh. Die Dixie Toiletten neben dem Hangar machen das Vorhaben der rein- und rausströmenden Zuschauern sehr schwer. Vielleicht sollte man die Platzierung der Toiletten noch einmal überdenken. Doch irgendwann ist es auch aus dem Hangar raus bzw. rein geschafft. Die Luft ist jetzt bereits mit Vorfreude geladen, doch leider funktioniert Daniel Graves Mikrofon zum ersten Song nicht. Das Schlagzeug scheppert etwas und übertönt die elektrischen Töne, welche die Musik von Aesthetic Perfection u.a. ausmachen. M’Era Luna, das ging schonmal besser mit dem Sound! Das Publikum feiert jedoch ungehindert und überhört die Diskrepanzen. Das Mikro geht dann auch irgendwann und nach ein paar Songs stimmen die Regler. Keyboarder Elliot Berlin springt und headbangt an seinem Instrument während David am vorderen Bühnenrand wie ein Tiger im Käfig hin und her rennt. Bei „Antibody“ springt der gesammelte Hangar auf und ab. Sobald das Gehüpfe abklingt, gehen etliche Handys in die Höhe und filmen. Das Publikum ist sehr animationsfreudig und schwenken brav die Arme über den Köpfen von links nach rechts zu „Never Enough“.

Impressionen vom Mera Luna (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)
Peter Heppner (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Die Menge die danach raus strömt, wird von Sonnenschein und Peter Heppner empfangen. Hier stimmt der Klang und das Hangarpublikum kommt genau rechtzeitig, als Heppner seinen alten und geschätzten Kollegen Joachim Witt auf die Bühne holt. Gemeinsam performen sie den Klassiker „Die Flut“, anfangs gesanglich etwas wackelig doch schnell sind alle im Bann dieses einmaligen Songs gefangen. Auch der brandneue, erst veröffentlichte Song des Duo’s Witt & Heppner „Was bleibt?“ überzeugt mit den markanten Stimmen der beiden Sänger und lässt auf mehr Neues hoffen. Zum Ausklang darf „Wir sind wir“ nicht fehlen und die Zuschauer schwelgen in nostalgischer Freude.

Saltatio Mortis (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Nach etwas Mittelalteraction mit Saltatio Mortis sind im Hangar Atari Teenage Riot am Wüten. Bei ihrem letzten M’Era Luna Auftritt war der Hangar verhältnismäßig wenig besucht, doch heute ist er erfreulicherweise zu ¾ voll. Das Trio ist auf volle Power aufgedreht. Alec Empire wirbelt zu „Transducer“ das Mikrofon am Kabel über dem Kopf wie einen Helikopterflügel. Das Mischpult wird zu „Reset“ bearbeitet und Nic Endo und Alec Empire geben sich am vorderen Bühnenrand ein Wettrennen. Die Halle kocht und nach „Speed“ folgt ein mit „Adrenaline“ ein Song von dem kommenden Album, der äußerst vielversprechend ist. Wir dürfen gespannt sein.

Gegen Ende des Sets hält Alec eine längere Ansprache gegen Neonazis und Radikalismus bevor „Activate“ losbrettert. Der Sound steigert sich immer weiter, bis bei dem letzten Song „We Are From The Internet“ der Bass bis zum Unerträglichen dröhnt. Beinahe wird einem schlecht von dem starken Vibrieren im Magen. Da die Band sich dann mit einem „Gute Nacht“ verabschiedet strömen die Menschen hinaus und rennen auf dem Weg zur Main Stage direkt in die Arme von Eisbrecher Sänger Alexander Wesselsky, der vor dem Sonic Seducer Stand geduldig für Fotos mit seinen Fans posiert.

Es nähert sich

das Unvermeidliche:

die letzten beiden Acts des M’Era Luna 2018. Im Hangar wird mit Hocico rausgefeiert. Ein großer schwarzer Engel mit Wrestlingmaske und rot leuchtenden Drumstick Spitzen steht bedrohlich und doch wunderschön hinter den Trommeln. Ein EBM Konzert der Extraklasse von den Mexikanern veranlasst den Hangar erneut zum Beben und Toben. Doch um 20.40 Uhr leert sich die Show… sind etwa auf dem Weg zu Eisbrecher? Der Stimmung jedoch tut dies keinen Abbruch, endlich ist ein wenig mehr Platz. So muss man nicht mehr befürchten ein blaues Auge von den wild Tanzenden zu bekommen. Die ausgelassenen Grüppchen sind schön anzusehen und ein wunderbarer Abschluss für die Hangar-Konzerte 2018.

Eisbrecher (Foto: Jessica Schulz bs! 2018)

Auch an der Main Stage verabschieden Eisbrecher das M’Era Luna gebührlich. Mit Hits wie „Himmel, Arsch und Zwirn“ oder „Eiszeit“ mit dicker Winterjacke, Mütze und Fakeschnee und nicht zuletzt mit Alex Wesselskys frechen Sprüchen kommt die Stimmung von ganz allein. Ob hinter dem LED Rednerpult zu „This Is Deutsch“ oder mit der Kamera flirtend bei „Verrückt“, die Masse liebt den Eisbrecher Frontmann. Für etwas Gänsehaut sorgt das Intro des Films „Das Boot“, das „In Einem Boot“ einleitet.

Voller Freude aber auch Wehmut traben die M’Era Luna Besucher zu ihren Zelten, Wohnmobilen oder Autos. Doch noch ist nicht Schluss! Ruhig und entspannt wird noch auf dem Zeltplatz gefeiert und das Festival für dieses Jahr abgeschlossen.

Die ersten Bands für 2019 stehen immerhin auch schon fest. Und so schwankt man zwischen Wehmut und Vorfreude.

Allerdings gibt es einen großen Stein im Bauch zu erwähnen: Es wird zwar gesagt bei diesem Festival seien die Besucher das Line Up und das stimmt auch bis zu einem gewissen Grad. Es ist die Stimmung, das Zusammengehörigkeitsgefühl und das gemeinsam anders sein, was das M’Era Luna mitunter so besonders macht. Aber das rechtfertigt nicht, dass das Line Up jedes zweite Jahr sehr ähnlich ist und kaum große Überraschungen birgt. Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue warum man nicht mal auf etwas Abwechslung achtet – auch bei den großen Acts! Ja, die Gothic Szene mag nicht mehr allzu groß sein (und auch das glaube ich nicht einmal wirklich), aber es gibt noch genügend neue und alte Bands, die noch nicht (oder schon sehr lange nicht mehr) am M’Era Luna gespielt haben. Nebenprogramm wie Schmink- und Catwalkkurse können das auch nicht wett machen. Nach wie vor stehen die Bands im Mittelpunkt und ich hoffe sehr, dass bald etwas passiert, sonst schaffe ich nächstes Jahr zwar noch mein 15. M’Era Luna Jubiläum aber ob so daraus noch 20 Jahre werden, weiß ich nicht.

Links:
www.meraluna.de

Veranstalter:
www.fkpscorpio.de