Review: Tanzen, 1-2-3-Vieeer – Zeltabriss mit Shirley Holmes (22.10.2021, Hamburg)

Shirley Holmes live. Endlich. Heavy Speed Punk trifft auf melodiösen Indie Rock und eine Sängerin, die sich irgendwann als operntauglich entpuppt. Rotzfreche deutsche Texte mit englischen Einsprengseln und einer Musik voll unerhörter Energie. Ein Haufen komprimierten Irrsinns. „Sport mit Gitarren“, wie die Band sich laut langer Liste auf ihrem Facebook-Profil selbst beschreibt:

„Einflüsse: TheKingOfPop, Nirvana, Mike Patton, Pearl Jam, Babes in Toyland, Hole, SonicYouth, System Of A Down, Nena, BlocParty, L7, Sandra, Peter Licht. Goldfrapp, Peaches, Johannes Brahms, LassieSingers, SkunkAnansie … „

und ner langen Liste mehr.

Shirley Holmes (Foto: Jörg-Martin Schulze bs! 2021)

Wenn das tolle Programm des Schanzenzelts dieser Tage des Corona-Zwischenhochs einem immer noch nicht den Corona-Blues von 1,5 Jahren Isolation und erzwungener Live-Abstinenz aus dem Herz geblasen hat, dann spätestens jetzt.

Shirley Holmes (Foto: Jörg-Martin Schulze bs! 2021)

Der Abend ist wieder eine 3G-Veranstaltung, ins Zelt mit eigentlich 500 Plätzen dürfen so maximal 100, gekommen sind ca 50. Wieder die strenge vorbildliche Kontrolle, wieder das Gefühl von Sicherheit. Lieblingsort, wieder mal. Aber Veranstalterin Barbara Wetzer sagte, dass praktisch alle Gäste der letzten Wochen geimpft seien. Ein zwar nicht repräsentativer aber guter Datenpunkt für die Frage, ob 2G bei Konzerten Sinn macht oder doch zuviele Fans ausschliessen würde.

Shirley Holmes sind Mel – Stimme und Stromgitarre , Ziggy – Stimme und Elektrobass und Chris – Analogschlagzeug und Disko, echter „Rummsbumms aus Berlin“. Seit ca. 12 Jahren reissen sie die Konzertbühnen der Welt mit ihrem „Vräzy Schitt aus Börlin“ ab. Ihr neues Album “Die Krone der Erschöpfung” erscheint im November 2021 bei Rookie Records.

Mel steht links, Ziggy rechts und in der Mitte dahinter Chris. Bei einem Song tauschen Mel und Ziggy ihre Instrumente, Ihren Platz. Meist singt Mel, manchmal Duett oder lustiges Wechselspiel der beiden Sängerinnen. Kurze harte Punksongs voller geiler Energie, die plötzlich in Melodiebögen grosser Intensität umbrechen und umgekehrt. Das gleiche Set, dass Shirley Holmes für den WDR Rockpalast am 8. OKTOBER 2021 gespielt hat – gibts auf Facebook * . angucken. Lautsprecher voll aufdrehen. – Wenige eher launische Zwischenansagen, das Ganze ist mitten auf die Zwölf.

Gleich zu Anfang fordert die Band das Publikum auf, am Platz aufstehen und im Stehen zu rocken. Mal bearbeiten sie ihre Instrumente am Mikro, mal gehen sie aufeinander zu und führen Bass-Gitarren-Ringkämpfe miteinander aus. 19 Songs, alte, neue, dicht hintereinander, der Halli Galli wird immer krasser, bei einem Song bricht Mels Punkrotz-So plötzlich um in wunderschönsten Opern-Sopran. „Tanzen ! feat. Nachlader“ wird mit „TANZEN – 1 – 2 – 3 – VIIIEEERRR„ eingeleitet. Der Saal tobt.

Shirley Holmes (Foto: Jörg-Martin Schulze bs! 2021)

Zum Schluss ihr allererster Song “Ride on me”. Die Zugabe “Poppstar” ist extra für Veranstalterin und Freundin der Band Barbara „Barb“ Wetzer – jetzt nimmt der Geile Wahnsinn wirklich seinen Lauf. Mel steigt mehrfach aufs Schlagzeug-Podest, liefert sich Gitarrenkämpfe mit Chris und springt. Mel und Zig gehen in den Vollfight – was für eine Energie.

Was für ein Abriss.
Genauso. Ganz genau SO.

Im November mit der Terrorgruppe unterwegs – alle hin da!

Galerie by Jörg-Martin Schulze bs! 2021:

Shirley Holmes (Foto: Jörg-Martin Schulze bs! 2021)

Setlist

  1. Jessica
  2. Nadines Korsett
  3. OH OH
  4. Binichbinich
  5. Das Licht
  6. Auszeit
  7. Voegeln
  8. Smells like Team Spirit
  9. Hassgeliebter Schatz
  10. Alles löst sich auf
  11. Der alte Krieg
  12. Schallfront, Baby
  13. 1+1+1
  14. Im Affenhaus
  15. Mein Trip mit P. Watzlawick
  16. Machst Du frühstück?
  17. Tanzen! feat. Nachlader
  18. Konzoom
  19. Ride on me
    Encore
  20. Poppstar

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Shirley Holmes

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Thea Drexhagehttps://www.be-subjective.de
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.