Review: Anathema, Anneke van Giersbergen (Helsinki, 27.09.2010)

Foto: Iris Kessin

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Nach dem Release ihrer brandneuen Scheibe "We're Here Because We're Here" am 31. Mai 2010 sind Anathema wieder auf Tour. Am 27. September spielten sie in einem ausverkauften Tavastia vor rund 700 begeisterten Fans – eine beachtliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass sie noch im August 2006 im benachbarten Semifinal vor nicht einmal 150 Leuten auftraten. Ville Valo coverte damals spontan den Anathema Song "Inner Silence", begleitet von Danny Cavanagh, und lud die Band 2009 ein, beim traditionellen Silvester-Event Helldone zu spielen.

Zuvor waren Anathema bereits im September 2009 für eine Mini-Tour nach Finnland zurückgekehrt. Die Freundschaft zum finnischen HIM-Frontman zeigt sich auch auf dem neuen Anathema-Album, bei dem Valo den Hintergrundgesang zum Song "Angels Walk Among Us" lieferte. "We're Here Because We're Here" ist das achte Studioalbum der Band und wurde von keinem Geringeren als Steven Wilson (Porcupine Tree) abgemischt.


Anathema, bereits vor rund zwanzig Jahren in Liverpool von den Brüdern Vincent, Daniel, und Jamie Cavanagh gegründet, begannen ihre Karriere als Death/Doom-Metalband. Ihr Debütalbum "Serenades" erschien 1993. Mit der Zeit orientierten sich Anathema jedoch mehr und mehr in die melodische Metalrichtung. Wie kaum eine andere Band sind Anathema in den 90ern über alle Grenzen des Metals hinausgewachsen. Bekannt für melancholisch-atmosphärische Livekonzerte mit dem für sie einzigartigen Mix aus psychedelischen, gothiclastigen Melodien können Anathema stolz darauf sein, sich eine Fanbase eroberst zu haben, die alle Altersgruppen und Anhänger der verschiedensten Genres miteinander vereint.

Als special guests gab's gleich zwei besondere musikalische Bonbons:

Foto: Iris Kessin

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Für den Norweger Petter Carlsen hat sich mit der aktuellen Anathema-Tour nach eigenen Angaben ein Traum verwirklicht, denn die Band ist eine seiner musikalischen Vorbilder. Carlsen selbst veröffentlichte erst letztes Jahr sein Debütalbum "You Go Bird".

Anneke van Giersbergen machte sich zunächst einen Namen als Frontfrau der holländischen Metalband The Gathering. Daneben hat sie unter anderem mit Künstlern wie Napalm Death, Devin Townsend, Within Temptation und Globus kollaboriert. Aqua de Annique ist Anneke van Giersbergens neuestes Projekt. Ihr Livealbum "Live in Europe" wird Mitte Oktober erscheinen und drei neue, bisher unveröffentlichte Songs enthalten.

Schon kurz nachdem das Tavastia die Pforten für den Abend geöffnet hatte, füllte sich der Club in ungewohnt rasantem Tempo. Petter Carlsens düster-schöne Melodien, solo nur mit der Gitarre vorgetragen, versprachen nicht nur einen stimmungsvollen, sondern auch besonderen Abend. Die erste Überraschung gegen Ende von Carlsens Set war Danny Cavanagh, der einige Songs auf dem Keyboard begleitete. Das absolute Sahnehäubchen setzten dann noch Vincent Cavanagh und Anneke Van Giersbergen auf, die als zusätzliche Unterstützung zusammen mit Carlsen das erste Set des Abends beendeten. Gleich alle Stars gemeinsam auf der Bühne während des letzten Opening-Songs zu erleben – das hat man nicht alle Tage!

Aber wer dachte, es könnte nicht noch besser kommen, der hatte nicht mit der beeindruckenden Darbietung von Anneke Van Giersbergen gerechnet. Mit viel Charme und einer unbeschreiblich starken, wunderschönen Stimme gewann die ehemalige The Gathering-Frontfrau die Herzen der Fans im Handumdrehen für sich. Fantastisch auch die akustische Umsetzung einiger Gathering-Songs, bei denen ihre Stimme erst so richtig zur Geltung kam. Beim letzten Song wurde sie von Danny Cavanagh unterstützt, der dem Publikum ein besonderes Kompliment machte. Finnland, so meinte er, sei das beste Land für Akustikkonzerte, denn dort würden die eher ruhigen Fans noch wirklich zuhören.

Anathema setzten den Abend in gleicher ruhiger, stimmungsvoller Atmosphäre fort. Selten habe ich ein Konzert erlebt, bei dem Vor- und Hauptband so harmonisch aufeinander abgestimmt eine Show ablieferten, die nicht aus verschiedenen, vom Umbau unterbrochenen Teilen bestand, sondern zu einem fließend ineinander übergreifenden, faszinierendem Ganzen verschmolz.  

Foto: Iris Kessin

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Anathema begannen ihr Set mit den ersten vier Songs ihrer neuen Platte "We're Here Because We're Here", bevor sie sich auf eine Reise zurück in die etwas härteren und düsteren Zeiten ihrer Karriere begaben, um jedoch zwischendurch immer wieder zu ihrem aktuellen Album zurückzukehren, von dem sie im Laufe das Abends komplett alle Songs spielten. Die Pause zwischen Hauptset und Zugabe überbrückte Danny Cavanagh mit einer akustischen, sich selbst auf der Gitarre begleitenden Version von "Are You There?" vom 2003 veröffentlichten Album "A Natural Disaster".

Ganze zweieinviertel Stunde nachdem sie die Bühne betreten hatten, beendeten Anathema ihren Teil der Show und gleichzeitig einen Abend, wie er perfekter nicht hätte sein können. In Deutschland sind sie am 6.10. in Leipzig, 7.10. in Würzburg, 8.10. in Erfurt, 9.10. in Bochum, 11.10. in Saarbrücken, 12.10. in Osnabrück, 16.10. in Karlsruhe und 17.10. in München zu sehen, bevor sie ihre Europatour fortsetzen.  

Set List:

  1. Thin Air
  2. Summernight Horizon
  3. Dreaming Light
  4. Everything
  5. Balance
  6. Closer
  7. A Natural Disaster
  8. Angels Walk Among Us
  9. Presence
  10. A Simple Mistake
  11. Deep
  12. Pitiless
  13. Forgotten Hopes
  14. Destiny Is Dead
  15. Shroud of False
  16. Lost Control
  17. Destiny
  18. Empty
  19. Panic
  20. Temporary Peace
  21. Flying
  22. Get Off, Get Out
  23. Universal
  24. Hindsight
    —–
  25. Are You There? (Danny Cavanagh)
    Zugabe:
  26. Parisienne Moonlight
  27. One Last Goodbye
  28. Fragile Dreams

Konzertfotos:

Links:
www.anathema.ws
www.aguadeannique.com/
www.myspace.com/pettercarlsen