Review: Märchenhaft – Florence and the Machine (05.03.2019, Köln)

Florence And The Machine (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

Manchmal reicht der Gedanke an einen Namen schon aus, dann blühen Blumen, untermalt von Vogelzwitschern, sanft geküsst von Sonnenstrahlen. Da wehen Haare im Wind und irgendwo im Sonnenuntergang wünschen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Florence and the Machine ist so ein Name. Wir haben in Köln sie und mit ihnen gefeiert, getanzt, geklatscht und gesungen. 

Only God knows, you don’t need him

Licht aus. Musik aus. Stockduster. Orientierungsprobleme. Musik an. Drums. Gewusel im Dunkeln. Beat. Licht an. Spotgestrahle. Bewegungsdrang. Young Fathers. Von Null auf Hundert in einem Augenzwinkern. Fuck yeah!
Eine Mischung aus Drums, Beats, Rap, Twerken, Mindfuck. Warum sind die eigentlich so gut? Auf viel Bewegung folgt viel Applaus. Röhrenstimmen, wohlig warmes Aufwärmen, oh boy. 

Young Fathers (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

I hear your heart beating in your chest
The world slows ‚till there’s nothing left
Skyscrapers look on like great, unblinking giants 

Holzgeruch kriecht durch die Reihen. Immer weniger werden die schwarzen Tücher, die den gezimmerten Wald aus Treppen und Wänden verhüllten. Roadies polieren die Bühne, Lichter werden getestet und der Aufbau von Instrumenten lässt ein halbes Orchester vermuten. Harfe, Klavier, Gitarren, acht Musizierende finden Platz. Auf das Holz drapiert, nicht positioniert. Ästhetik als oberstes Gebot. Jede verstreichende Minute nimmt die Geduld von Stunden in Anspruch. Die Erwartungen sind hoch, die Überzeugung des Erlebens eines großartigen Abends noch höher. 

We all have a hunger

Florence And The Machine (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

Stille schwillt an zu Applaus. Applaus schwillt an zu Euphorie. Der Auftritt der Maschine. Hereinschweben der Elfe. Barfuß. Umfüllt von zartrosa Stoffen. Umspielt von Ventilatoren, schwebend über die Bühne. Einnehmend von der ersten Sekunde an. Jeder Ton sitzt, hält fest im Bann, verführt und verzaubert. Eine Erscheinung von außerhalb dieser Erde. Umhüllt mit Liebe. Keine Akzeptanz für toxische Männlichkeit, kein Platz für Hass. Das Konzert als Safespace. Momente ohne Handys, einfach nur tanzen, im Hier und Jetzt. Zum Weinen schön.

And I never wanted anything from you
Except everything you had and what was left after that too
Happiness hit her like a bullet in the back
Struck from a great height by someone who should know better than that

Florence And The Machine (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

Warme Milch mit Honig. Honig mit warmer Milch. Die roten Haare fliegen, schwingen im Gleichklang mit dem Kleid. Leichtfüßig, barfüßig. Herzklopfen. Die Ansagen werden nur ins Mikrofon gehaucht. Mucksmäuschenstill ist es dabei. Umso tosender der Applaus. Das liege daran, dass Florence nicht gerne rede, meint sie selber. Das erste Konzert außerhalb der UK ist zehn Jahre her, der Beginn einer großartigen Reise. Denkwürdig nicht zuletzt durch das Vergessen, besteht doch keine Erinnerung mehr daran. 

I took the stars from my eyes, and then I made a map
And knew that somehow I could find my way back
Then I heard your heart beating, you were in the darkness too
So I stayed in the darkness with you

Die kunstvolle Bühne alleine reicht nicht mehr. Schwebende Tücher an der Decke, glitzernde Sterne leuchten durch den Backdrop. Vereint die Liebe zur Musik das Zusammentreffen am heutigen Abend, so vereint Florence das Publikum. An den Händen verbunden, den Verbund in die Höhe gestreckt. Wellen rauschen über die Ränge. Willkommen sein auch als neues Mitglied bei Florence and the Machine. 

And it’s hard to dance with a devil on your back
So shake him off

Florence And The Machine (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

Sachte fällt Glitzer vom Himmel. Wild geht es auf der Bühne zu. Wirbeln, Springen, Tanzen. Der Platz reicht nicht aus. Mitten im Lied rennt ein roter Wirbelsturm den Zuschauerraum ein. Noch immer barfuß, mitten durch die Menge. Wie Moses einst das Meer teilt Welch das Publikum. Beinahe ehrfürchtig wird ihr ein Weg bereitet. Verbunden auf einer völlig neuen Ebene. Noch lange nach dem letzten Lied steht sie im Graben, nimmt Blumen und Kränze in Empfang. Szenenapplaus beim letzten Abgang. 

Galerien (by Rune Fleiter bs! 2019):

Florence And The Machine (Foto: Rune Fleiter bs! 2019)

Setlist: 

  1. June
  2. Hunger
  3. Only If For a Night
  4. Queen of Peace
  5. South London Forever
  6. Patricia
  7. Dog Days Are Over
  8. 100 Years
  9. Ship to Wreck
  10. Sky Full Of Song
  11. Cosmic Love
  12. Delilah
  13. What Kind of Man Encore:
  14. Moderation
  15. Big God
  16. Shake it Out

Links:
http://www.young-fathers.com
https://florenceandthemachine.net