Review: Das ganze Leben – Fiddler´s Green und The Moorings (09.05.2019, Hannover)

Fiddlers Green (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Folk Rock ist an und für sich eine relative einfach gehaltene Musikrichtung. Die Instrumentierung setzt sich in der Regel aus einer Fiedel (Geige), Tin Whistle (Metallflöte), Uilleann Pipes (ein Dudelsack), Akkordeon (in Irland vorzugsweise das Knopfakkordeon,), Holzquerflöte (flute), die Bodhrán (Irische Rahmentrommel), aber auch Klavier, Banjo, Mandoline bzw. Mandola und irische Bouzouki zusammen. Hinzu kommen noch Gitarren und Schlagzeug. Fertig ist dieser besondere irische Folk-Sound, der schon von diversen Bands (Dubliners, Pogues, Dropkick Murphys u.v.a.) weltweit, auf die unterschiedlichsten Arten interpretiert wurde und Millionen von Anhängern hat.  Selbst Irische Dance-Shows wie Riverdance und Lord oft he Dance bedienen sich dieser Musik. Kein Wunder, das diese Musikrichtung so erfolgreich ist. Aber warum ist das so? Weil alle möglichen Gefühle hiermit zum Ausdruck gebracht werden. Fröhliche Ausgelassenheit, Schwermut, aber auch Wut können mit Irish Folk transportiert werden.

Ganz einfach

Und wenn etwas einfach ist, können es auch viele machen. Es herrscht ein Überangebot, was es wiederum schwer macht, auf dem Musikmarkt zu bestehen. Also muß mensch Quailität liefern. Fiddler´s Green aus Erlangen machen das bereits seit Achtung! fast 30 Jahren und sie erfinden sich immer wieder neu. Ihr aktuelles Album „Heyday“ hat es bis auf Platz 7 der Album-Charts geschafft. Und welche Band kann schon von sich sagen, dass sie ein eigenes Festival („Shamrock Castle Festival“) veranstaltet und das bereits seit 2009, wo genre-ähnliche Künstler auftreten.

Auch The Moorings sind Kandidaten, die bei diesem Festival entweder bereits waren oder noch auftreten werden. An diesem Abend sind sie der Support der Fiddler´s im gut besuchten Capitol in Hannover.

The Moorings (Foto: Michael Lange bs! 2019)
The Moorings (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Die Ankerplätze kommen aus Frankreich und spielen Irish Folk Punk. Am Anfang machen Sie noch einen auf schüchtern und zurückhaltend. Doch das legt sich schnell. Sehr schnell. So schnell wie ihr punkiges „Friendship“ oder auch „United we stand“. Gemeinschaft ist hier gefragt. Einen Draht zum Publikum aufbauen. Kein Problem . Zum Abschluss haben sie sogar eine Überraschung. Die Franzosen sprechen und singen auf Deutsch Hänschen Albers sein „Auf der Reeperbahn“. Der maritime Super-Oldie kommt erst normal langsam als Walzer daher um dann in einer Vollgasnummer zu explodieren. Uuuh. Merci vielmals.

Can anybody tell me where the Blarney Roses grow

It might be down in Limerick town, it might be in Mayo

It’s somewhere in the Emerald Isle and this I want to know

Can anybody tell me where the Blarney Roses grow

Das Fiddler´s Green so erfolgreich sind liegt an ihrer ständigen Weiterentwicklung und Vielseitigkeit. Natürlich hauen sie den 800 Fans gleich ihren Speed-Punk-Pogo-Folk um die Ohren und natürlich geht der Punk ab. Punk fürs Volk mit Folk. Oder so.  „The Freak of Enniskillen“ kommt locker flockig daher. „No Anthem“ ist ein Protestsong und behandelt aktuelle gesellschaftliche Fragen. Der Gesang ist oft mehrstimmig und kommt mit Hauruck daher. „Eine Platte darf ruhig das ganze Leben widerspiegeln“, meint Schlagzeuger Frank Jooss. „Und das reicht halt von Freude und Euphorie bis zu Trauer oder Problemen“.

Fiddlers Green (Foto: Michael Lange bs! 2019)
Fiddlers Green (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Wenn mal kein Gangshout vorherrscht, hat „Albi“ Albers das Sagen, ääh Singen. Der Typ sieht eher aus wie einer vom Amt, aber das täuscht. Ganz gewaltig. Der Sänger macht hier mal ganz gepflegt den amtlichen Sänger und irische Bouzouki kann er auch. Die Fans haben schon nach drei Songs Betriebstemperatur erreicht.  Moshpit, Pogo und den „Circle of Celts“. Gegenüber aufstellen und drauf los. Juchhuu und mit Schmackes.

Das können nicht nur die Herren der Schöpfung, auch die Ladies sind hier ganz vorn mit dabei. Aber Irish Folk ist nicht nur Haudrauf, sondern auch mal Traditional, mal ruhiger oder eigenwilliger wie ihr „John Kanaka“. Shantys wechseln mit Protest- und Trinkersongs. Vielfalt statt Einfalt. Sowohl musikalisch als auch textlich. Oder einfach mal Springen zu „Yindy“ und „Cheer Up“. Was solls. Es lebe das Leben. Irgendwann braucht mensch mal frische Luft.  Raus geht nicht. Aber T-Shirt-Wedeln geht super. Auch kein Ding für die Ladies. Die sind hier sowieso viel tougher. „Folk’s Not Dead“ und wird es auch nie.

Fiddlers Green (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Kurz vor Schluss holen die Fiedler die Ankerplätze auf die Bühne und machen auf „Perfect Gang“. Folker halten halt zusammen. Zum Schluss gibt’s noch Rosen („Blarney Roses“) für alle. Und gut wars. Nein, super wars. Ein Abend wie das ganze Leben.

Galerien (by Michael Lange bs! 2019):

Setlist:

  1. The Freak of Enniskillen
  2. Sláinte
  3. A Night in Dublin
  4. Farewell
  5. Bottoms Up
  6. Limerick Style
  7. No Anthem
  8. Born to Be a Rover
  9. The Congress Reel
  10. The Night Pat Murphy Died
  11. John Kanaka  [traditional] cover
  12. Take Me Back
  13. One Fine
  14. Down
  15. Rocky Road to Dublin  ([traditional] cover) 
  16. Yindy
  17. Victor and His Demons
  18. The Leaving of Liverpool  ([traditional] cover) 
  19. Cheer Up Encore
  20. Old Dun Cow
  21. Folk’s Not Dead
  22. Perfect Gang
  23. Blarney Roses

Links:
http://www.fiddlers.de/
http://www.moorings-band.com/