Review: Die nächste Reinkarnation der großartigen Sterne (12.02.2020, Bielefeld)

Die Sterne (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Staubedingte Einlassverzögerung. Vor dem Nr.z.P. wird sich getummelt, von einem Bein aufs andere hüpfend. Ungeduld. Kälte kriecht die Hosenbeine hoch. Drinnen Soundcheck, Rumgeräume, rettende Wärme. Offene Türen, strömende Massen. Und wann geht’s jetzt los?

Wir haben viel über diese Stadt gelesen, alles ist war.

Die Realität (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Die Realität aus Köln, zum ersten Mal in Bielefeld. Häuser, Kräne, Supermärkte. Alle ihre Songs handeln über Bielefeld, auch wenn sie noch nie hier waren. Postmoderner Hardcore und Lesungen aus der Steuererklärung des Bassisten Kevin Lopstift. Lichterkettenblinken im Takt. Bassgewumst, Gitarrengerebbt, Eingegroovt. Das letzte Stück 48 Minuten Krautrock.

Wer würde auch nicht in der traurigen Disko tanzen gehen wollen? 

Die Realität (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Die siebte Reinkarnation 

Die Sterne (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Die Sterne, eine Band mindestens so groß wie Sänger Frank Spilker. Das neue Album in den Startlöchern, die mittlerweile siebte Reinkarnation sitzt auf gepackten (Gitarren-)Koffern. Tourauftakt in Bielefeld. Und die Verheißung auf das Spielen noch unveröffentlichter Songs, das Album kommt nämlich erst Ende des Monats. Dennoch: Alles Bitten und kollektives Betteln am Merchandise ist vergebens, auch unter der Hand wird neuer Ohrenstoff nicht gedealt. 

Ich wünschte ich hätte das neue Stück nicht schreiben müssen

Die Message. Eine Message vom neuen Album. Mitsingen ist da (noch) nicht möglich. Will mensch aber. Wechselschritt in blau getränktes Schlummerlicht. Neue Songs. Alte Songs. Neue Songs. Verdammt alte Songs. Extasehüpfen. Kollektives Taktwiegen. Das Elend kommt nicht. Oder so. Oder erst in 4 Tagen. Jetzt auf jeden Fall nicht. Das Nr.z.P., die Sterne, das Publikum. Alle im hier und jetzt gefangen. Eingelullt auf dieser intergallaktischen Reise. Einheitsmassenbrei der Individualität unterm hellen Funkeln der stellaren Unendlichkeit.

Die Sterne (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Wo ist denn die Kuhglocke? 

Du musst gar nix muss gar nichts. Nicht mal aufhören. Der Ausruf zieht sich durch den Raum. Schreit dich an und bohrt sich in dein Gehirn. Atemloses Kuhglockengeglocke. Leib und Seele auf links gedreht, rausgebrüllt. Rückwärts in der Zeit nach vorne. Universal Tellerwäscher. Auch der muss gar nix. Nur enden muss der Abend irgendwann. Zugabenrufe. Zurück auf die Bühne. Zugabenrufe. Mehr neuer Stoff. Zugabenrufe. Verschwinden durch die Hintertür und als erstes am Merch.

Erinnert sich noch jemand an 2004? Ich nämlich nicht

Galerien (by Daphne Dlugai bs! 2020):

Setlist Die Realität:

  1. Freund verloren
  2. Nur die Realität
  3. Paradies
  4. Sommer vorbei
  5. Robert Forster
  6. Auto geklaut 
  7. Wirklichkeit 
  8. Traurige Disko
Die Sterne (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Setlist Die Sterne:

  1. Der Palast ist leer
  2. Mach mich vom Acker
  3. Die Interessanten 
  4. Widerschein
  5. Das bisschen besser
  6. Die Message
  7. Das Elend kommt nicht
  8. Wir kämen wieder vor
  9. Du musst gar nix
  10. Hey Dealer!
  11. In diesem Sinn
  12. Depressionen aus der Hölle
  13. Wahr ist was Wahr ist
  14. Halbvergangener Tag
  15. Das Herz schlägt
  16. Sommer in die Stadt wird fahren
  17. Universal Tellerwäscher
  18. Ruiniert 
    Encore: 
  19. Fickt das System
    Encore 2:
  20. Deine Pläne
  21. Demokratien

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