Review: Pogen bis der Arzt kommt !! Oder lieber Aufhören… ? – Booze & Glory live (17.12.2019, Hannover)

Booze & Glory (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Wenn mensch zu einem Konzert geht, ist es durchaus von Vorteil, man informiert sich vorher, was einen dort erwartet. Wer, wo, was, wann? Wenn das geklärt ist, dürfte es keine böse Überraschung geben. Also vorher noch mal darauf geschaut auf die Homepage des Veranstaltungsorts und schon ist mensch im Bilde. Gesagt, getan. Und was passiert?  Tadaa, Überraschung. Statt einer Band sind an diesem Abend im Musikzentrum Hannover gleich drei Bands am Start. Drei Bands zu einem angemessenen Preis. Welch Glückes Geschick. Das wird ein richtig fetter Abend. Es kann nur eins geben:

Pogen bis der Arzt kommt

The Analogs (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Den Abend bestreiten „The Analogs“, „Giuda“ und „Booze & Glory“. The Analogs? Sind das nicht die, die die Beatles praktisch  1:1, Ton für Ton, Note für Note, covern. Ja, beinahe, nur das diese Band „The Analogues“ heißt. Heute Abend spielen hier The Analogs aus Polen. Polnischer Punk. Warum nicht?  Die Band aus Stettin gibt es bereits seit 1995 und die Truppe um Pawea „Pigua“ Czekaa ist nicht nur regional, sondern auch international in der Punkszene bekannt. Das Quartett hat sich dem Streetpunk verschrieben und geht gleich richtig nach vorne. Harte, schnelle Riffs, mehrstimmiger Gesang. Passt. Die Jungs sind zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Apropos Platz, vor der Bühne hat sich ein Halbkreis gebildet. Auffallend freie Tanzfläche. Traut sich noch keiner abzugehen.  Pogen ist noch nicht.  Vielleicht liegts daran, dass niemand die polnischen Texte versteht. Aber Musik verbindet, auch wenn man oder zumindest die meisten nicht mitsingen können.

Giuda (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Die zweite Band des Abends kommt aus Bella Italia, genauer gesagt aus Rom. Giuda motzen 70er Glam-Rock mit Punkelementen auf und schon geht etwas mehr auf der Tanzfläche. Slade, Glitter Band oder Hector lassen grüßen. Das Ganze schön rockig verpackt. Ihre Alben „Racey Roller“, „Let´s do it again“ und das gerade erst erschienene „E.V.A.“ haben durchweg gute Kritiken eingeheimst und schnell wird den Fans im Musikzentrum auch klar, warum das so ist.  Die Truppe, allen voran Sänger Tenda, verbreiten von Beginn an gute Laune. Sie lieben Glam, sie leben Glam. Ab und zu ein „Hey, Hey“ rausgehauen, schon ist das Ding am Laufen. Und die Tanzfläche füllt sich.

Cause we got nothing else to do
London Skinhead CreW
Scars, tattoos, crombie coats, full of trouble
We grew up on dead end streets
Lack of teeth, full of dreams
Drinking beer and forever blowing bubbles

Booze & Glory (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Schwupps, kommt schon die dritte Band. Booze & Glory haben mit „Hurricane“ auch gerade ein neues Album auf den Markt gebracht und auch hier sind die Kritiker durchaus angetan. Booze & Glory spielen geradlinigen britischen Oi! mit vielen Singalongs und eingängigen Rhythmen. Einfache Musik für einfache Leute? Nein, diese Mucke erreicht ein breites Publikum. Die Band positioniert sich klar gegen die rechte Skinhead-Szene. Gut so. In den Texten geht es um die volle Bandbreite britischer Themen: die Arbeiterklasse, die Beschreibung der Londoner Skinhead-Szene, natürlich Fußball (West Ham United) und selbstverständlich ist auch Alkohol ein Thema.

Booze & Glory (Foto: Michael Lange bs! 2019)
Booze & Glory (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Apropos Alkohol. Es wird Zeit mal zur Toilette zu gehen. Der Gig ist im Gange. Die PTE´s (Pogo-Tanz-Experten) haben ihren Platz vor der Bühne (endlich) gefunden, da kann man ruhig mal kurz entschwinden. Apropos ruhig. Warum ist das hier auf einmal so ruhig? Die Musik ist aus. Was ist los? Für einen der Tänzer ist das Konzert schlagartig zu Ende. Er liegt blutend am Boden. Um Ihn herum eine Traube von Menschen. Was tun? Hilfe ist tatsächlich nicht von jedem erwünscht. Ein Krankenwagen wird gerufen. Da kriegt der Satz „Pogen, bis der Arzt kommt“ eine ganz neue Bedeutung. Sowas kann passieren. Pogen ist halt nicht ohne. Wenn mensch das alles vorher wüsste, würde man vorher gehe, dann wenn es am schönsten ist. Aber wer weiß sowas schon vorher.  Nach einer gefühlten Ewigkeit ist die Ambulanz endlich da und es erfolgt Erstversorgung und Abtransport. Und nun?  Die Musik ist (noch) aus und irgendwie ist jetzt die Luft raus. Was macht man? Gehen, einfach mal gehen. Aus Vernunft. Aus Respekt. Aus. Gute Nacht. Gute Besserung.  

Galerien (by Michael Lange bs! 2019):

Links:
www.facebook.com/TheAnalogs     
www.giuda.net           
www.boozeandglory.com