Preview: Immer fähr – Fährmannsfest live (02. – 04.08.2024)

Letztes Jahr wurde noch das 40-jährige Jubiläum gefeiert. Jetzt ist die Veranstaltung schon einen Schritt weiter. Immer am ersten Augustwochenende steigt das Fährmannsfest in Hannover. Immer top besetztes Line-Up. Und vor allen Dingen…

Immer fähr

Das Tagesticket kostet im VVK 40 EUR plus Gebühren. Dann doch lieber gleich fährnünftig zum Kombiticket Freitag/Samstag greifen für schlappe 55 EUR plus Gebühren. Dafür gibt’s dann satt auf die Ohren.

Programm Freitag

Madsen

Da muss man nicht mehr viel erklären: Madsen sind eine Marke für sich. Die Band des namensgebenden Brüdergespanns Sascha, Johannes und Sebastian mit ihrem Jugendfreund Niko Maurer zählt seit 20 Jahren zu den erfolgreichsten Live- und Rock-Acts des Landes. Es dürfte gar nicht so einfach sein, eine rockmusikinteressierte Person zu finden, die Madsen nicht mindestens einmal live gesehen hat. Man könnte sagen: Festivals gehören zur Quintessenz der Band einfach dazu.

Madsen (Foto: Torsten Volkmer bs! 2022)

Doch wenn man Madsen nur auf ihre Live-Entertainment-Qualitäten reduziert, wird man der Band bei weitem nicht gerecht: Gerade ihr neuntes Studioalbum „Hollywood“ untermauert den Status der Band als eine der wichtigen hiesigen Rockbands, auch auf Platte. Mit Songs voller Empathie, Liebe, Kraft und klarer Kante beweisen Madsen auf „Hollywood“, dass deutschsprachige Gitarrenmusik alles andere als belanglos ist. Ob politische Statements oder große Gefühle, die sich auch mal am Kitsch der guten Sorte bedienen – Madsen-Songs entfachen Emotionen und fühlen sich schnell wie neue Lieblingslieder an.

Das familiengeführte Unternehmen Madsen ist eine Zone, in der sich alle wohlfühlen sollen und in der respektloses und unangemessenes Verhalten nicht geduldet wird. Nur wenige Bands haben es geschafft, sich nicht vom oftmals kaltblütigen Musikgeschäft verderben zu lassen und charakterfest zu bleiben. Egal ob sie mit größten Major-Budgets ausgestattet waren oder wie jetzt ihr eigenes Label haben – Madsen ist eine Familienangelegenheit, und alle dürfen mitmachen.

Die Schröders

Die Schröders (Foto: Die Schröders, Pressefreigabe)

Um eins vorweg zu nehmen: Die Schröders gibt es nicht mehr. 2009 haben sie ihren Rückzug aus der deutschen Musik-Szene vollzogen. Aber sie sind Freunde, sehr gute Freunde sogar, verstreut in alle Himmelsrichtungen und ab und zu, wenn die Sehnsucht zu groß wird, treffen sie sich, suchen sich einen geeigneten Ort und machen zusammen Musik. Deutsche Punkrock Musik. Ja, sie finden sich noch gegenseitig geil und haben eine gute Zeit zusammen. Nein, sie haben es nicht verlernt. Ganz im Gegenteil.

Die Schröders (gegründet 1989) sind eine Punkrock-Institution, die mit Gold und Platin veredelt wurde. Ihre Hits wie „Lass uns schmutzig Liebe machen“, „Saufen“, „Frösche weinen nie“ oder „Frau Schmidt“ sind Evergreens, die sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen. Zwei Jahrzehnte gehörte die Band zu den umtriebigsten Live-Acts des Landes und spielte, bis zu ihrer Auflösung über 1000 Konzerte.

Zur Feier ihres 35-jährigem Bandjubiläums und aus alter Liebe zum Fährmannsfest kehren Die Schröders im August nach Hannover zurück. Und ja, sie spielen die ganze alte Scheiße. Für Menschen die sich wieder fühlen und benehmen wollen wie damals mit 18. Volles Rohr. Versprochen.

Liedfett

Liedfett (Foto: Tosca Klühn, Pressefreigabe)

Liedfett laden zum entfesselten Tanze, um Euphorie und Ekstase zu streuen. Es wird mit Sicherheit rockgebrettert, bis der Moshpit glüht. Liedfetts Qualität liegt seit jeher darin, ihre Energie ohne Verzögerung bereits mit dem ersten Takt auf das gesamte Publikum zu übertragen und mit jeder weiteren Melodie rhythmisch weiter in die Höhe zu schrauben. Auch auf ihrem sechsten Album „Hi!“ setzen Liedfett sich über alle Genregrenzen und Szene-Konventionen hinweg: Ob Punkrock-Gitarren oder sphärische Beats aus den Schatten des Industriegebiets, Songwriter-Poeme oder Hip-Hop-Skills, Popmelodien und Hamburger Schule – Liedfett segeln mit offenen Ohren durch alle Gewässer und finden dabei ihren eigenen Weg, ihre Gedanken perfekt zu ummanteln und als smarte Dreiminüter direkt in die Herzen der Menschen zu entlassen.

Programm Samstag

Talco

Die bekannteste italienische Punkrock-Band Talco hat in ihrer über 20-jährigen Geschichte acht Studioalben veröffentlicht sowie unzählige ausverkaufte Clubshows und intensive Festivalauftritte gespielt. Es ist der hochgradig ansteckende Punkchanka-Stil, eine progressive Mischung aus Punk-Rock, Folk-, Latin- und Ska-Musik, der dafür sorgt, dass die Menschen in ganz Europa durchtanzen. Doch Talco ist weit mehr als nur eine Spaß verbreitende Party-Band. Ihre Texte tauchen tief in existenzielle menschliche Fragen wie das Konzept der Wahrheit, der menschlichen Erniedrigung und des Selbstwerts ein. Darüber hinaus thematisieren Talco immer wieder politische Missstände und soziales Versagen. Sie erheben ihre Stimme, um mit ihrer Musik und ihrer Botschaft aufzurütteln.

Talco (Foto: Rigablood, Pressefreigabe)

Turbostaat

Turbostaat sind ein Role Model für eine ganze Generation von deutschsprachigen Post-Punk-Bands. Manche Leute sind mit ihnen älter geworden, manche haben sie dabei aus den Augen verloren. Wer nach über 20 Jahren noch da ist, gehört zu den Übriggebliebenen und den Beharrlichen. Die Frage ist dabei, wie man das musikalisch meistert. Wer die Entwicklung der Band verfolgt hat, wird sagen, dass sie sich gleich im Beginn einen sehr soliden eigenen musikalischen Rahmen und Stil aufgebaut hat, der über die einzelnen Platten hinweg immer wieder etwas justiert und gut dosiert weiterentwickelt wurde. Ihr siebtes Studioalbum „Uthlande“ erschien 2020. Im letzten Jahr meldeten sich Turbostaat mit der Single „Der weiche Kern“ zurück – einer Coverversion von Gravenhurst mit einem eigenen deutschen Text.

Turbostaat (Foto: Andreas Hornoff, Pressefreigabe)

Panteón Rococó

Panteón Rococó (Foto: Fernando Aceves, Pressefreigabe)

Mit ihrem explosiven Mix aus Latin, Punk, Rock und Ska sind Panteón Rococó berühmt für mitreißende Konzerte voller Energie. Gegründet Mitte der 90er-Jahre in sozial und politisch schwierigen Zeiten in Mexiko, schaffte die Band den Sprung vom absoluten Außenseiter zu einer der erfolgreichsten Rockbands. Auch auf ihrem aktuellen Album „Ofrenda“ lenken Panteón Rococó mit ihrer Musik weiterhin Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Missstände. Die Texte setzen sich mit politischen Themen wie sozialer Ungerechtigkeit und Korruption auseinander und geben Unterdrückten eine Stimme. Dabei sind die Songs nicht nur tanzbar, sondern auch voller Botschaften, die zum Nachdenken anregen und dazu ermutigen, sich für Veränderungen in der Gesellschaft einzusetzen.

Kapelle Petra

Kapelle Petra (Foto: Michael Lange bs! 2024)

Kapelle Petra bestehen aus Opa (Gesang, Gitarre), Der Tägliche Siepe (Bass) und Ficken Schmidt (Schlagzeug). Live wird das Ensemble durch die Bühnenskulptur Gazelle verstärkt. Sie spielen zwischen den Stühlen von Popmusik und Indierock, mit einer Instrumentierung, die zugleich grazil und griffig klingt, verletzlich und entschlossen. Als hätte sich Bosse bei Nada Surf ans Mikro gestellt und hätte man in der Pause beim Barbecue auf dem Hof noch ein wenig mit They Might Be Giants gejammt. Zum Fährmannsfest bringen Kapelle Petra ihr neues Album mit, das so heißt wie die Stadt, in der sie leben und von der die meisten nur den Bahnhof kennen – „Hamm“.

Urge

Urge (Foto: China Hopson, Pressefreigabe)

Urge waren Anfang der 90er-Jahre Gründungsmitglieder der Spirit-Family; einem Zusammenschluss von hannoverschen Hardcore-Bands, der vom Musikmagazin SPEX den Namen „Hardcorehausen“ bekam. Bereits 1990 hatten Urge ihren ersten Longplayer „Listen Carefully To The Powerful Urge Outburst“ und kurz danach des erste Studio-Album „Why Hide The Lie“ veröffentlicht. Sie haben Fugazi auf deren Europa-Tournee begleitet und unter anderem mit MDC und Melvins gespielt. Die Lust am Weitermachen ist 2022 neu entflammt. Das englische Wort „urge“ heißt so viel wie Drang, Verlangen, Bedürfnis und beschreibt, woher die Band ihren Antrieb nimmt. Sechs neue Songs haben sie bereits veröffentlicht, die unter Post-Hardcore, Alternative und Crossover einsortiert werden könnten.

The Hand Cuts

The Hand Cuts spielen Punk-Rock mit Spuren von Surf, Indie und Post-Punk mit deutschen und englischen Texten. Aus einer im wahrsten Sinne des Wortes „Schnapsidee“ bei einem mehr oder weniger zufälligen Treffen mitten in der Corona-Zeit beschlossen Olli (Gesang), Bronco (Gitarre), Jochen (Bass) und Johann (Drums), einem alten musikalischen Traum eine Chance zu geben und einfach mal loszulegen. Ein gutes Jahr später konnten sie erstmals ihre (fast ausschließlich) eigenen Songs live präsentieren. Und mittlerweile haben sie sich Fans bei einigen Auftritten auch außerhalb Hannovers erspielt.

Die Dates:

  • 02.08.-04.08.2024  Hannover, Fährmannswiese

Links:
www.faehrmannsfest.de  

Veranstalter:
www.livingconcerts.de/events/faehrmannsfest       

Michael Lange
Michael Langehttps://www.be-subjective.de
Michael Lange. MichaL ist der Methusalix in unserem Team. Ein Original, ein Sympath, ein Genießer von A wie Abba bis Z wie Zabba und im realen Leben ein Stepptänzer. »Jawohl, das mit dem KlackerdiKlack.« MichaL hat schon Rock’n’Roll gehört, da waren die Little Boy Blue and the Blue Boys noch grün hinter den Ohren. Man munkelt er konnte schon einparken, da gab es noch nicht mal Rückspiegel, geschweige denn Einparkhilfen. Dennoch ist die MichaL noch lange kein Oldy oder darauf fokussiert. The big L war plötzlich da. Zeitlos. Unerwartet und doch völlig freiwillig tauchte er in unserem Universum auf und bereichert es. KlackerdiKlack.

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