Review: 18. Wave Gotik Treffen 2009 (Samstag – 30.05.2009)

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann
Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Mit dem ersten Tag heil überstanden verlief auch die Nacht im Hotel erstaunlich ruhig. Die Ameisen die zudem brav in ihrer Fuge übernachteten, begrüßten mich jedoch bei der morgendlichen Entwässerung mit aufgeregtem Gewusel. „Wenigstens irgendwer der sich noch über deine Gesellschaft freut!“,grummelte ich mürrisch und sprang unter die Nasszelle zur Wiederherstellung des körperlichen Wohlgefühls. Frisch geduscht und für den Hausgebrauch gekleidet versuchte ich nun noch meine gestrige Hose wieder in Schuss zu bekommen. 2 Jeans für 4 Tage, mehr war nicht drin im Jutebeutel und so musste das gute Deo-Spray herhalten, um schlimmeres zu verhindern. Leider mit der Erkenntniss, dass nach Schweiß müffelnde Klamotten, kunstvoll mit Deo besprüht, hinterher leider nicht nach Deo riechen, sondern nach Deo und Schweiß. Als ich erkannte das mir dies für den Rest des Tages ein ebenso einzigartiges wie unausstehliches Aroma verleihen würde, war es natürlich zu spät. Dumm jeloofen!

Anschließend folgte die Nahrungssuche. Das Buffet im Erdgeschoss erwies sich als ergiebige Quelle. Gerade hatte ich mit meinem aufgebackenen Heinz Horrmann Gedächtnis-Rohling am Tisch Platz genommen, flötete es vom Nachbartisch herüber: „Guten morgen, guten morgen, guten morgen Sonnenschein!“. Frommer Wunsch eines Grufties oder die seichte Hoffnung auf besseres Wetter? Der Tag begann nämlich so grau, wie mich das Saftkonzentrat für den ersten Zisch mit seiner Kraft von 12 sonnengereiften Plastikorangen neongelb anstrahlte. Tristes Grau, kurz vor der Tröpfchengrenze und darüber hinaus bestimmte das Wetter-Programm des zweiten Treffentages. An sich nichts Schlimmes, vor allem wenn man ein festes Dach über dem Kopf hat. Was, umgerechnet über 90% aller Treffenlocations, die Parkbühne ausgenommen, zutraf. Den Weg zur Straßenbahn schaffte ich dennoch trockenen Fußes. Die leichten Stipper zwischendurch hatten noch nichts bedrohliches und so begann die wilde Fahrt zum ersten Ausflugsziel.

Nach dem gestrigen Einstand auf dem Agra Gelände, zog es mich heute an einen Ort, den das WGT erst kürzlich wieder für sich entdeckte: den Felsenkeller. Eine gute halbe Stunde Fahrt mit den Tramlinien 16 und 3, zuzüglich einer längeren Wartezeit am Hauptbahnhof. Leipzigs Nahverkehrsdrehscheibe war dabei unverkennbar als Hauptumschlagsplatz der Treffenbesucher zu erkennen, die es aus allen Teilen der Stadt in die unterschiedlichsten Richtung streute. Als Linie 3 schließlich auf Gleis 3 einrollte, war ich froh, dass es endlich vorwärts ging. Die zuweilen recht griesgrämigen Minen vieler Treffen-Besucher spiegelten zu sehr die Großwetterlage wider und drückten dezent auf die Stimmung.

30 Minuten vor dem offiziellen Einlass trudelte ich also vor dem Felskeller ein. Die anfängliche Sorge, es könnte sich hier um eine der berüchtigten Exoten-Locations handeln, bei denen nur frühzeitiges Erscheinen einen halbwegs brauchbaren Platz im Gedränge garantierte, erwies sich rasch als unbegründet. Mit Ausnahme einer Handvoll versprengter Seelen, von denen sich die meisten sogar noch Zeit für eine Runde um den Block nahmen, tat sich hier noch absolut gar nichts. Zeit genug also das Gebäude mit dem Spitzenhäubchen in Ruhe von außen zu inspizieren und die täuschend echte Storchenattrappe abzulichten, die Scherzbolde auf dem Dach des Hauses als Touristenfalle deponiert hatten.

Als die Einlaßcrew schließlich den roten Teppich ausrollte, hatte sich der Platz vor der Tür dann doch schon soweit gefüllt, dass die Herren sich erst einmal Raum verschaffen mussten. Im inneren des Felsenkellers schlummerte hernach ein kleines Juwel des Wave Gotik Treffens. Das erstaunliche Platzangebot, die tolle Aufteilung des Raums mit Balustraden zu allen Seiten der geräumigen Zuschauergrube und die Schicken Kronleuchter an der Decke machten einiges her. Die Bühne war nicht riesig aber dafür von einem Bogen eingefasst und bot ausreichend Spielraum für die erste (und weitere)Band(s) des Tages:

Whispers in the Shadow

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Durch eine glückliche Fügung des Zeitplans noch in letzter Sekunde in meinen Tagesplan gerutscht, war ich sehr gespannt, was LAI Guitarrero Ashley Dayour und seine Jungs hier reißen würden. Mit ihrem großartigen Album „Into the Arms Of Chaos“ in Petto, ließen sich die Österreicher gleich gar nicht auf irgendwelche Spielchen ein, sondern zelebrierten vom Fleck weg gefalligen Gothic-Rock der alten Schule, gewürzt mit einer adäquaten Ladung Pfeffer im Hintern. War ich gestern in der Agra schon zeitweilig vor dem herumspringenden Ashley in Deckung gegangen wartete ich dieses mal nur drauf, dass er auf der deutlich kleineren Bühne irgendwann den entscheidenden Schritt zuviel über die Kante setzen und mit Schmackes einen in die Fotografenherde purzeln würde. Entgegen dieser Befürchtung hatte Mr. Dayour, der mit Stimme und Zottelmähne problemlos als Stuntdouble für Robert Smith Double hätte durchgehen können die Lage fest im Griff. Mehr noch als bei LAI gab er hier die Rampensau und erwies sich als Frontmann erster Kanone.

Währende bei L´Âme Immortelle Ashleys Sangeskünste eher stören denn betören, fügte sich seine Stimme sehr gut in den Whispers Sound ein. Ebenfalls positiv zu bemerken war, dass sich die übrigen Musiker nicht, wie so oft bei weniger bekannten Bands, damit begnügten den Frontwurz rackern zu lassen, sondern nebenbei ihre eigene Schau abzogen. Einzig Drummer Curt hatte es diesbezüglich schwer. Er hockte derart tief hinter seinem Schlagzeug, dass ihm die Toms sprichwörtlich über den Kopf wuchsen.

Musikalisch mischten sich während des Gigs aktuelle Songs, wie der Opener „The Arrival“, „Damned Nation“ und das tolle „Neither:Neither“ welches unwillkürlich an einen indianischen Stammesgesang erinnerte, mit früheren Hits, á la „Pandora´s Calling“, das erst kürzlich von einer gewissen Sonja Kraushofer komplett neu interpretiert wurde, die sich nach Fanclub-Lutz und Keyboarder Martin Parzer nun auch von der völlig überrannten Cinestar-Autogrammstunde zum Felsenkeller durchgeschlagen hatte, um beim LAI-Betriebsausflug einen Blick auf die Bühne zu erhaschen.

Ähnlich wie gestern bei LAI musste die Hütte erstmal in die Gänge kommen, was nach Ashleys Frage „Can You Dance?!“ mit Kopfnicken und Einheitsschritt-Gehüpfe allmählich Gestalt annahm. Das Publikum, von Ashley konsequent auf Englisch angesprochen, rezipierte den Auftritt somit überwiegend als Appetithappen, denn als Hauptgang.

Setliste Whispers: Tune In (Intro), The Arrival, Damned Nation, Pandora´s Calling, Never Go, Nothing Stays Forever, Neither Neither, Train, Babylon Rising 1 + 2, A Taste Of Decay

Vom ehrwürdigen Felsenkeller führte mich der nächste Weg zum Kohlrabizirkus, wo heute das große Metal-Programm aufgeboten wurde. Gerade noch rechtzeitig vor den ersten Regentropfen ins Taxi geflüchtet, erzählte der Fahrer dem Laien unterwegs, dass der Felsenkeller bereits zu DDR Zeiten als beliebter Veranstaltungsort genutzt wurde und schwärmte von großen „Feten“ die er dort in der Jugend gefeiert habe. Platz für eine besonders große „Fete“ bot auch der Kohlrabizirkus! Schon weit vor dem Ziel, ließen sich die riesenhaften Kuppeln am Horizont ausmachen.

Bei der Ankunft strömten gerade zahlreiche Besucher aus der „Donnerkuppel“, wo zur Minute Megaherz ihr Konzert beendet hatten. Den Massen nach zu urteilen, die aus dem Kohlrabizirkus gelaufen kamen, durften sich eigentlich nicht mehr viele Besucher darin befinden. Und richtig, kaum war ich in der Halle angekommen, bot sich mir das erschreckende übersichtliche eines WGT nicht würdige Bild einiger weniger versprengter Gestalten. Doch möglicherweise war das Problem sogar hausgemacht:

Eden Weint im Grab

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Denn was dabei heraus kommen kann, wenn man ein Studioprojekt mit Gewalt auf die Bühne hieven will, demonstrierten eindrucksvoll die Berliner „Eden Weint Im Grab“ oder kurz „EWIG“. Mastermind Alexander Paul Blake, gut zu erkennen an der krächzenden Stimme und dem Ville Valium Schlafzimmerblick trennte über die volle Distanz nur äußerst ungern von seinem Mikroständer und gestaltete damit seinen Auftritt nur unwesentlich aufregender, als den Lebenszyklus einer Wanderdüne. Die gezwungen düstere Aura des Frontmannes wirkte dabei höchsteen 5 Minuten lang lässig, danach driftete das Schauspiel in die Autokarikatur eines Musikers ab, der sich und sein Werk offenbar eine Spur zu ernst nimmt. „Trauermasch nach Neotopia“, so der Titel des aktuellen Werks! Musikalisch keine schlechte Produktion im Spannungsfeld aus Gothic- und Blackmetalelementen. Maue Live-Premiere hin oder her, Fans der frühen Samsas Traum und Eisregens kamen hier kurzzeitig auf ihre Kosten. Ansonsten war das Prozedere auf der Bühne in dieser Form definitiv noch nix! Zu öde, zu langweilig, zu tot! Oder für die Verbalklemptner unter Euch: todlangweilig!

Setliste: Epiphanie Des Grauens, Unter Dem Eis, Dem Herbstlaubreigen Tanzt Der Tod, Für Phantasus Ein Traumsonett, Undine, Krieg Im Wunderland, Blutquell, Des Träumers Melancholie

 

Draconian

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Gespannt erwartete ich somit den Auftritt der Goth-/Doom-Metaller Draconian. Abgesehen davon, dass sich auch die Schweden für das WGT-Publikum als Geheimtip der Marke 007 entpuppten und nur wenig Besucher den Weg in die Halle fanden, sorgte hier zumindest das musikalische Gerüst für freudige Moment. Denn zum einen ergänzten sich die Stimmen von Anders Jacobsson und Lisa Johansson perfekt, zum anderen stimmte die Mischung aus groß angelegten Melodiebögen, coolen Soli und donnernden Double-Bass Attacken. Dabei verwendeten die Schweden einen Großteil ihrer Spielzeit für die Songs ihres aktuellen Albums „Turning Season Within“.

Leider litt aber auch der Draconian Auftritt nach einem kurzen Hurra-Moment a latenter Eintönigkeit auf der Bühne, sodass es nach der Hälfte des Sets keinen großem Unterschied machte, ob man sich den Auftritt vor der Bühne ansah oder gemütlich am Rande hockend die ausgefeilten Songs belauschte. Der Sound in der Halle war eh überall gleich beschissen! Fazit: Musik hui, Präsentation pfui! Der nächste Act, den man nicht zwingend Live gesehen haben muss! Knäckebrotmetal – nahrhaft aber unglaublich dröge. Der nächste bitte!

Setliste: Seasons Apart, Bloodflower, Heaven Lay In Tears, Morphine Cloud, When I Wake, She Dies

 

Hollenthon

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Angesichts der inflationären Quote mit der österreiche Bands das WGT Programm bereichern, hätte ich beinahe mein linkes Ei darauf verwettet, dass sie selbst am Hot Dog Stand im Kohlrabizirkus noch Wiener Würschtl in die Brötchen schieben. Heisse Hunde, um nicht zu sagen Höllenhunde, hetzte das WGT nun auf der Bühne mit „Hollenthon“ auf das nach wie vor überschaubare Publikum. Im Begensatz zu den beiden schwächelnden Anläufen zuvor schafften es die Österreicher ihren Sound knüppelhart auf die Bretter zu nageln und droschen opulenten Weiberblackmetal mit symphonischen Ansätzen. Ein reinigendes Klanggewitter (analog zu dem VOR der Halle) zu dem auch endlich mal vor der Bühne gepflegt die Matte geschwungen wurde. So bleibt über die Truppe nichts Geringeres zu berichten, als dass ihr Gig ordentlich Arsch in der Hose hatte und Lust auf mehr machte. Schade nur dass die weiblichen Backing Vocals ausschließlich vom Band kamen aber mit der Kraft der Double-Basedrum-Spitzen ging auch SO einiges. Wers nicht glaubt kann sich gerne mit dem aktuellen Album „Opus Magnum“ dovon überzeugen! Die Abmoderation des Tages kommt zudem von Hollenthon-Sänger Martin Schirenc, der im besten Wienerisch verkündete: „Noooch ahnen, dann simmer dahin´!“. Schöner hätte er es nicht ausdrücken können! Schönes Ding!

 

Edenbridge

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Und wo wir schonmal in der Alpenregion sind, da bleiben wir doch gleich dort. Auf den Auftritt der symphonic Metaller Edenbridge war ich Vorfeld schon sehr gespannt. Gehören sie doch zu jenen Bands, die schon seit Jahren einen Platz in meinem Plattenschrank innehaben, mir aber noch nie Live begegnet sind. G.I.T.-Absolvent Lanvall, alias Arne Stockhammer, schürte als Österreichs zackigster Flitzefinger durchaus die Hoffnung auf ein opulentes Oeuvre. Doch leider war auch diese Band nur so stark wie ihr schwächstes Glied, was in diesem Falle gar kein Glied bedeutete. Währen die Herren an den Werkzeugen den Opener „Shadowplay“ aus den Saiten rupften, versenkte Sängerin Sabine Edelsbacher das Ganze mit einem völlig verpatzten Einstieg. Den ersten Ton versemmelt, den zweiten Ton verkackt, ruderte die Frontelfe wie ein Windjammer auf hoher See von einer Schlagseite auf die andere, in dem verzweifelten Bestreben irgendeine Balance zu finden. Erst gegen Ende des Songs gewann sie Sicherheit, doch das war der Kampf den Song zurück zu erobern längst verloren.

Ergo konnte es nur noch bergauf gehen und das tat es auch. Das Thema schwarze Gazelle in weissem Sack, Entschuldigung! Umhang wollte ich sagen, trat zunehmend in den Hintergrund und es gelang Endenbridge das Ruder Stück für Stück herum zu reißen. Bei deren viertem, Wild Chase funktionierte das schon recht gut, bis Sabines Mikro bei „Shine“ den Spätfolgen der Anfangsattacke erlag und kurzerhand den Dienst quittierte. Mit „Evermore“ hatte Frau Edelsbacher endgültig warm gesungen und streifte alsbald ihr Jäckchen ab, um den Rest ihrer vorzeigbaren Kurven feil zu bieten.

Das eingängige „Paramount“ hob weiter die Stimmung, bis mit „My Earth Dream“, sehr zum Frust des angefixxten Publikums bereits der letzte Song auf dem Programm stand. Dieser hatte es dann aber in sich. Ein 12 minütiges Symphonic-Metal Opus der Extraklasse bei dem sich Nightwish und Dream Theater die klinke in die Hand gaben. Inklusive Abgang und Rückkehr der Sängerin! Was die die Jungs zwischenzeitlich in die Saiten orgelten hatte echt Klasse. Warum nicht gleich so, mochte man sich da fragen, denn in dieser Verfassung gehörten Edenbridge klar zu den Highlights des diesjährigen WGT. Schade eigentlich. Hätte das Konzert noch länger gedauert, hätte es noch ein richtig netter Abend werden können. So blieben neben Licht am Ende auch eine Menge Schatten, die sich die Österreicher größtenteils selbst zuzuschreiben hatten.

 

Samael

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Wie heißt es so schön? Man wird nicht enttäuscht wenn man nicht soviel erwartet. Im Falle von Samael handelte es sich für mich offen gestanden um ein unbeschriebenes Blatt und meine Erwartungshaltung lauerte dem entsprechend irgendwo kurz über der Null Linie. Nur Bruchstücke gehört, entsetzt erschrocken über den eiskalten Fisherman´s Friend Sound der Schweizer und erst recht noch nie einen einen Auftritt von ihnen gesehen. Normal die besten Voraussetzungen, für ein echtes Streichresultat. Aber dann geschah es: von wegen gemütliche Schweizer, alles Klischees, die legten hier los wie die Feuerwehr.

Die Power mit der Samael die Bretter stürmten und vom Fleck weg das Tor zur Hölle auftaten, ließ selbst das störrische WGT-Publikum abgehen wie das sprichwörtliche Zäpfchen. Zum ersten mal an diesem Tag hatte sich der Kohlrabizirkus gut gefüllt und so entwickelte sich die Show zum echten Burner, der das Bild von der technoverseuchten schwarzen Szene ein wenig zurecht rückte. Auch oder gerade weil sich die Eidgenossen dabei ihre ganz heftigen Geschütze für den Schluss aufhoben, zündete der Auftritt volle Rohr und landete meiner Ansicht nach den Überraschungshit des Tages für eine gepflegte Portion Ohrensausen!

Opeth

Foto: Elmar "Ritti" Herrmann

Foto: Elmar „Ritti“ Herrmann

Auch Opeth gehören sicher zu der Art von Bands, die man nicht zwingend auf einem Wave Gotik Treffen erwarten würde und über deren Verpflichtung es im Vorfeld durchaus geteilte Meinungen gab. Nichts desto trotz hatten sich die Veranstalter dazu entschieden Mikael Âkerfeldt und seine Jungs, zu verpflichten. Vielleicht gerade WEIL sich Opeth mit ihrer Mischung aus Deathmetal, Progelementen und Jazzversatz am anderen Ende der musikalischen PH-Skala bewegen und damit einen schönen Gegenpol zum elektronischen Kasperltheater in der Agra boten. Über mangelndes Interesse konnten sich die Schweden jedenfalls nicht beschweren. Einem Headliner angemessen, war es jetzt richtig voll im Kohlrabizirkus und die Meute wartete ungeduldig auf den Anpfiff.

5 Minuten vor Mitternacht erlosch schließlich das Licht und die Pausenmusik verstummte. Auf einer Leinwand erschien das Logo der Band und dann ging sie ab die wilde Fahrt. Untermalt von atmosphärischen Filmprojektionen legten die Schweden mit „Ghost of Perdition“ vom Album „Ghost Reveries“-Album gleich richtig los. Warum kleckern wenn man klotzen kann? Und so prasselte sogleich ein 10minütiges Gewitter auf das Publikum ein, in dem von Donner, Blitz, Sturm und Regen bis hin zu Schnee und Hagel alles vertreten war, was man sich an Ungemach vorstellen kann. Kurz gesagt: das dynamische Spiel der Variationen aus Gebrüll, Cleanen oder gar leisen Parts hin zur nächsten Explosion bot ein urwüchsiges Schauspiel, dass den wahren Metalhead im Publikum sprichwörtlich vergessen ließ wo ihm der Kopf steht. Mal Oben mal unten mal in der Mitte…aber immer schön im Uhrzeigersinn.

Das faszinierende an Opeth war im Speziellen die Leichtigkeit mit der Meister Âkerfeld im Auge des Sturms die Fäden zog. Mit beneidenswerter Beiläufigkeit wechselte er seine Gesangsparts, verzog dabei keine Mine und frickelte sich parallel durch anspruchsvollste Riffkaskaden, bei denen manch einer schon beim bloßen zuhören den Faden verlor. Dann eine kurze Pause, bis das nächste Schwergewicht vom Stapel rollte. Ob Herr Âkerfeldt auch deshalb manches mal in bester Monty Python Manier nach oben blickte, als würde ihm gleich ein 16 Tonner auf den Kopf fallen? Da lässt sich nur mutmaßen… Auf jeden Fall behielten Opeth das Tempo noch eine ganze Weile bei und erwiesen sich nach einem eher durchwachsenen Tag im Kohlrabizirkus als versöhnlicher Abschluss.

Songbedingt schnell erzählt sei noch kurz die Setlist, welche erwartungsgemäß kurz ausfällt: (Intro) Heir Apparent, Ghost of Perdition, Leper Affinity, Hessian Peel, Closure, Lotus Eater, Deliverance.