Chamber: Solitude / The Stolen Child (2004) Book Cover Chamber: Solitude / The Stolen Child (2004)
Nadine Schmitt
Trisol
25.10.2004

Tracklist:

Solitude

  1. The Morning After
  2. Miles Away
  3. Torn
  4. Desire + Ruin
  5. I Hate Falling In Love
  6. Violets For A Dead Girl
  7. Moonchild
  8. Sleep, Sweet Sleep
  9. Amorous
  10. Set Me Free
  11. Solitude
  12. Wasting My Day

The Stolen Child

  1. Temple Of Love
  2. Where The Wild Roses Grow
  3. Screamager
  4. Uninvited
  5. Engel
  6. Dancing Barefoot
  7. Weeping Song
  8. Home

Violinen, Cello, Piano, Kontrabass, Gitarren, Drums, die Leadvocals von Marcus Testroy und weitere weibliche Stimmen – was vielleicht ein wenig widersprüchlich klingen mag, ist tatsächlich die Besetzung von Chamber, zu Deutsch „die Kammer“. Und wer Streichorchester mag, muss diese Kammermusiker lieben.

Trotz der teilweise harten Passagen von Gitarre und Drums bleiben die Songs – unterstützt von den Streichinstrumenten – immer bei einem melodisch schönen Schema und Chamber ist daher eine Band, die auch Klassik-Liebhabern, die gegenüber lauter Musik abgeneigt sind, gefallen könnte.

Das neue Werk ist ein Doppelalbum, bestehend aus einer CD mit eigenen Songs von Chamber („Solitude“) und einer zweiten mit gecoverten Versionen („The Stolen Child“). „Solitude“ besteht überwiegend aus ruhigen, verträumten Tracks wie „The Morning After“ oder „Desire + Ruin“, durch die man doch irgendwie dem Bedürfnis unterliegt, abzudriften in eine eigene traumreiche Welt und wunderschönen Balladen wie „Solitude“, bei deren Text und Melodien ich persönlich am liebsten sofort bei Kerzenschein mit meinem Partner geschmust hätte. Zwischendurch jedoch, ehe man die reale Welt gedanklich verlassen kann, rütteln etwas lebhaftere Songs wie „I Hate Falling In Love“ oder „Set Me Free“ den Hörer wach und bewegen zum Mitsummen. Insgesamt eine gesunde Kombination aus Melancholie, Lebensfreude und geteilter Emotion, jeweils unterstützt von weichen Geigen oder dem dramatischen Kontrabass.

Der erste Track der zweiten CD hingegen haut einen erstmal fast um: Die kraftvolle Coverversion des Songs „Temple Of Love“ mit leidenschaftlichem Geigenspiel und der Gast-Stimme von ASP erweckt einfach eine Sing- und Tanzwut und ist meiner Meinung nach der gelungenste Titel des Albums „The Stolen Child“. Ebenso gute Laune machen „Screamager“, „Dancing Barefoot“ und das gelungene Cover des Rammstein-Klassikers „Engel“. Chambers Version von „Where The Wild Roses Grow“ ist ebenfalls ein empfehlenswert schönes Duett und verzaubert auch wieder durch Streicher und Piano. Zum Abschluss versetzt der Titel „Home“ dem Werk dann noch ein etwas trauriges aber schönes Ende.

Alles in allem hat „Solitude“ / „The Stolen Child“ alles, was eine gute CD haben muss, wobei allerdings auch zu sagen ist, dass Chamber eindeutig instrumental punkten, stimmlich aber nicht unbedingt immer genießbar sind. Was ich vermisse ist eine gänzlich instrumentale Nummer, da Chamber – wie schon gesagt – eigentlich wie dafür gemacht sind.

Mein absoluter Liebling ist „Temple Of Love“ und ich hätte mir gewünscht, dass mehr Songs in diesem Stil sind, was aber leider nicht der Fall war. Ich muss aber auch erwähnen, dass ich diesen Track vielleicht so mag, weil er mit den Vocals von ASP bestückt ist 🙂
Ansonsten finde ich von Chambers eigenen Kreationen „Solitude“, „I Hate Falling In Love“ und „Moonchild“ sehr gelungen.

Mein Fazit zu diesem Album ist also ein durchwachsenes. Einerseits ist die instrumentale Ebene immer ausnahmslos wunderschön, die Vocals andererseits sind oft nicht besonders gut gemeistert. Hinzu kommt auch die Tatsache, dass mir Chamber wohl überhaupt nicht gefallen würde, wenn sie nicht ein halbes Orchester wären. Ich selbst liebe Streichorchester und finde Chamber daher auch toll, aber wer Geigen, Kontrabass und co. aber gar nicht hören kann, wird mit Chamber kaum liebäugeln können.