Review: Van Holzen – gibt ja noch nicht genug Regen im Norden (07.11.2019, Bremen)

Bei Van Holzen ist der Name der Tour Programm, denn in Bremen setzt zu dieser Jahreszeit das schöne norddeutsche Schietwetter ein, aber so ein bisschen „Regen“ haut ja keinen um. Im Tower ist es davon ab muckelig und trocken, umso verwunderlicher, dass bei diesem Schietwetter nicht mehr Leute ihren Weg in den kleinen Club finden. Schließlich gibt es mit Van Holzen frischen Wind. Die gerade mal zwei Alben junge Band hat einen ganz eigenen Sound erschaffen, statt in die klassischen Punk- oder Indieschiene vieler gleichaltriger Kollegen zu fallen, haben sich Van Holzen eine Nische im gradlinigen Rock gesucht und erinnern dabei an die früheren Zombie Joe. Zwar wird der Sound auf dem zweiten Album „Regen“ deutlich zahmer, doch der Wiedererkennungswert bleibt.

Aaaaaber Van Holzen sind an diesem Abend natürlich nicht allein in Bremen. Als Support dabei Drens. Ein paar schrille, schnurrbärtige Typen in baywatch-esken Badehosen mit nicht wirklich originellem, aber absolut eingängigem Garagenrock. Warum genau das Publikum aller Tanzaufforderungen zum Trotz so verhalten bleibt, ist ein Rätsel. Während die Musiker auf der Bühne mehrmals die Instrumente wechseln entsteht dort mehr Bewegung als unter den Besuchern, schade.

Nun gut, wir sind schließlich auch in Bremen und nicht in „Curacao“. Letztendlich ist der Laden bei Van Holzen etwas voller, aber bis auf wenige Ausnahmen in der vordersten Reihe bleibt das Publikum auch hier verhalten. Das liegt aber nicht an der Qualität der Band. Diese spielt nahezu perfekt durch ein langes Set. Highlight sicher der Song „Frei“, welcher zusammen mit Drens aufgenommen wurde, was natürlich dazu einlädt, dass sich alle Musiker gemeinsam auf der viel zu kleinen Bühne einfinden. Abseits dessen funktionieren die Songs des ersten Albums „Anomalie“ immer einen kleinen Ticke besser. Ob es daran liegt, dass das Publikum länger mit diesem vertraut ist, oder die neuen Songs nicht ganz an den alten Standard heran reichen wird sich dann zeigen, wenn auch „Regen“ ein paar Tage mehr auf dem Buckel hat. Was noch zu sagen bleibt, ist, dass Van Holzen trotz ihrer jungen Jahre mit einer Selbstsicherheit und Selbstverständlichkeit auf die Bühne gehen, als täten sie dies schon 20 Jahre, man darf also gespannt sein, wie die nächsten Jahre aussehen werden!

Setlist Van Holzen:

  1. Europerle
  2. Regen
  3. Erfolg
  4. Irgendwann
  5. Royal
  6. Allein
  7. Herr der Welt
  8. Karneval
  9. Schwimmen
  10. S/W
  11. Legere
  12. Stark
  13. Alle meine Freunde
  14. Frei (mit Drens)
  15. Reichtum
  16. Leichenschmaus
  17. Masquerade
  18. Keine Zeit
  19. Schüsse
  20. Der Schönste
  21. Nackt
  22. Honig
  23. Schrammbock

Links:
www.vanholzen.de
www.drens.de

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Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 100 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Satre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.