So ein Konzertabend und dann noch ein Abend mit gleich drei Bands, folgt ja irgendwie einem dramaturgisch festgelegten Ablauf. Man fängt langsam an, steigert sich und steigert sich und kommt dann zum Höhepunkt. Uuuhhh, das ist ja ganz so wie im zwischenmenschlichen Leben. Hier kommt heute mal alles auf den Tisch, kein Blatt wird vor den Mund genommen. Es geht um Sex. Alte Männer und die die schönste Nebensache der Welt (Fußball jetzt mal ausgenommen)? Sex und Rock´n´Roll? Im hohen Alter? Das geht und lässt sich sogar noch unterteilen in…
Liebe, Lust und Leidenschaft
Für die erste Band des Abends empfiehlt sich zunächst eine Wiki-Recherche:
Heavy Pettin (oft auch Heavy Pettin’ geschrieben) war eine schottische Hard-Rock- und New-Wave-of-British-Heavy-Metal-Band aus Glasgow, die 1981 gegründet wurde und sich 1988 auflöste.

Wie jetzt war und aufgelöst, die stehen doch hier live und in Farbe auf der Bühne. Das nennt man dann wohl Wiederbelebungsversuch. Petting, das ist der Zustand, wenn man einen Menschen frisch kennengelernt hat und das erste Mal den Körperkontakt aufnimmt und auf Entdeckungsreise geht. Ein Lustmacher. Die schottischen Rocker haben sogar ein Aphrodisiakum in Form eines neuen Albums veröffentlicht, das Sänger und Gründungsmitglied Stephen „Hamie“ Hayman wie folgt kommentiert: „Heavy Pettin sind zurück!!! Rock Generation ist ein Fest für alle Rockfans auf der ganzen Welt… Gemacht, um deine Seele zu rocken.“ Das nennt man dicke Hose. Großen Worten sollten große Taten folgen. Haben die Jungs Eier? Nun ja, Stephen Hayman hat zumindest einen ordentlichen Ständer (jetzt kommen die Flachgags), den er gekonnt einzusetzen weiß. Sein Mikrofonständer ist beliebtes Utensil, um sich in Szene zu setzen. Der Classic Rock ist nett, aber nicht so erregend, wie der Bandname vermuten lässt. Der Gig bleibt höhepunktlos.
Take me across the water
′Cause I need some place to hide
I done the rancher’s daughter
And I sure did hurt his pride

Richtigen Sex bieten April Wine aus Kanada. Sex mit einem Partner:in, den mensch lange nicht gesehen und gehört hat, jetzt aber wieder erkennt und sofort in einen Zustand höchster Erregung versetzt. Sabber!! Hier trifft Sex auf Liebe. Gitarrist Brian Greenway ist sowas wie das Urgestein der Band, die in den USA Gold- und Platin-Status erreichte, international aber nie den ganz großen Durchbruch schaffte. Seit Dezember 2022 ist Marc Parent Sänger und Gitarrist der Truppe, die von Richard Lanthier am Bass und Drummer Roy Nichol komplettiert wird. Bei April Wine treffen eingängige Melodien auf knackige Riffs. „I like to Rock“ ist der Opener und ja das wollen alle im mit 1300 Fans sehr gut gefüllten Capitol in Hannover. „Say Hello“ hat was von Beatles, alles andere ist extrem solider Hard Rock, ganz Classic. „Roller“ ist der Abschluss eines sehr befriedigenden Auftritts. Kommt bloß bald wieder.

Liebe, Lust und Leidenschaft. Das verbindet die Fans mit Uriah Heep. Und hier kommt die Zahl 69 ins Spiel. Kennt man ja von Bryan Adams und seinem „Summer of 69“ und der wahren Bedeutung dahinter. Uuuuhh. 1969 war tatsächlich Gründungsjahr dieser Band. Sie ist eine alte Geliebte, eine reife Person, etwas sehr Intimes und Vertrautes. Mensch weiß, was mensch kriegt. Es wurde alles schon tausendmal gehört, aber es ist immer wieder neu; ein neues Vergnügen die Band zu erleben. Gründer und Godfather of Guitar Mick Box, Bassist Davey Rimmer, Drummer Russel Gilbrook, Keyboarder Phil Lanzon und allen voran Sänger Bernie Shaw sind ein eingespieltes Team. Hier gibt es kein verhaltenes Abwarten. Hier ist sofort Kickdown und ab geht´s mit „Grazed By Heaven“ und „Save Me Tonight“. „Stealin´“ kommt wie richtig guter Sex daher. Langsam beginnend, dann fordernd mit diesem Uuuh-Uuh-Chorus, dann rockig und schneller. Gaaaanz viel Gefühl.

Bernie Shaw ist ein Geschichten-Erzähler. Launig und sehr witzig in reinstem Denglisch nimmt er das Publikum mit in die Geschichte der Band. Musikalisch sind die Heeps auch Geschichtenerzähler. Das epische „July Morning”, “Wizard” oder “The Magician’s Birthday” sind dann durchaus mal 10-Minüter, also einfach mal Eintauchen und Genießen. Die Wissenschaft ist immer noch dabei die Zeichensprache von Lanzon und Box zu entschlüsseln, die sie bei Ihren Soli zelebrieren. Was wollen sie uns sagen? Oder machen sie sich nur einen Jux? Die letzten Geheimnisse der Musikgeschichte werden wohl nie gelüftet. Sei´s drum. Schmunzelnd erzählt Bernie Shaw davon in welcher Rubrik Uriah Heep eigentlich einzusortieren ist. Prog Rock? Hard Rock? Folk Rock? Die Antwort ist ganz einfach, sie können einfach alles. Nennen wir es der Einfachheit halber doch Classic Rock. Und jetzt kommt ganz zum Schluss noch mal was ganz Einfaches. Der Akkord zu „Lady in Black“, mit ganz vielen und lauten Aaaaaahhs des Publikum-Chores führt zum Höhepunkt. Woran denken die Leute jetzt wohl? Ganz einfach, war ein geiler Abend.

Galerien (by Michael Lange bs! 2025):
- Uriah Heep (03.11.2025, Hannover) [40]
- April Wine (03.11.2025, Hannover) [33]
- Heavy Pettin (03.11.2025, Hannover) [36]
Setlist Heavy Pettin´:
- Rock Generation
- Love Times Love
- Sole Survivor
- Faith Healer
- Line in the Sand
Setlist April Wine:
- I Like to Rock
- Anything You Want, You Got It
- Say Hello
- Enough Is Enough
- All Over Town
- Big City Girls
- Oowatanite
- Before the Dawn
- Just Between You and Me
- Sign of the Gypsy Queen (Lorence Hud cover)
- Roller
Setlist Uriah Heep:
- Grazed by Heaven
- Save Me Tonight
- Shadows of Grief
- Stealin‘
- Hurricane
- The Wizard (Mick Box on acoustic guitar)
- Sweet Lorraine
- The Magician’s Birthday
- Gypsy
- July Morning
- Easy Livin‘
- Sunrise
- Lady in Black (Mick Box on acoustic guitar)
Links:
www.heavypettin-official.com/home
www.heavypettin-official.com/home
www.uriah-heep.com/2020Site/Index.html


