Review: Royal Republic –  How to: Capitol Hannover zerfeiern (12.12.2017 Hannover)

Royal Republic (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Text: Dragana Urukalo.

Darauf haben sich schon alle gefreut – Jung und Alt, Mädels und Buben, Normalos und Metaller: Royal Republic noch einmal kurz vor Jahreswechsel live in Deutschland. Schon vor Einlass hört man munkeln, wie sehr sich die Wartenden auf diesen Abend freuen. Auch wenn eine halbe Stunde vor Einlass die Schlange vor dem Capitol noch übersichtlich ist – die Vorfreude ist gigantisch. Sich fremde Fans tauschen sich in der durchnässenden Kälte untereinander aus und warten nur sehnlichst darauf, endlich hineingelassen zu werden.

Auch nach Einlass bleibt es bis kurz vor Konzertbeginn übersichtlich und es lässt sich wunderbar erkennen, aus was für unterschiedlichen Menschentypen sich die Fanbase von Royal Republic zusammensetzt. Da gibt’s die Mädels, die es kaum warten können, die vier Schweden im Anzug auf der Bühne zu sehen – Die Szeneleute, die sich die fette Rockparty an diesem Abend einfach nicht entgehen lassen können – Und es gibt auch die älteren, die anscheinend neumodischen Alternative-Hardrock zu schätzen wissen.

Doch bevor die vier Wochenend-Männer die Bühne erobern, liegt es zuerst an Aaron Buchanan & The Cult Classics, den kritischen Fans gerecht zu werden und Ihnen ein musikalisches Vorspiel zu bieten. Auch wenn der Name anfangs vielleicht unspektakulär klingt, legen die 5 Engländer einen ordentlichen Auftritt hin. Das Publikum scheint sofort Gefallen an der Stimme und der Energie des fancy gekleideten Sängers Aaron Buchanan zu finden. Die Konzertgäste müssen gar nicht mehr so wirklich von der Band selber angeheizt werden, denn jubeln und klatschen tun sie auch schon von ganz alleine.

Aaron Buchanan & The Cult Classics (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)
Aaron Buchanan & The Cult Classics (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Die gute Laune wird auch dazu genutzt, mal ein Bad in der Menge zu nehmen. Nachdem die KonzertbesucherInnen alle ein wenig nach vorne gerückt sind, zählt Aaron Buchanan von Zehn herunter, eher er dann Anlauf nimmt und springt das erste Mal an diesem Abend in die Menge. Auf den Händen der Crowd surft der Sänger der Band ein wenig in der Halle herum, ehe er wieder auf der Bühne landet und den Song zu Ende bringen kann. Daraufhin ein Kompliment an alle Anwesenden:

„You are beautiful People“

Von Song zu Song wird der Applaus größer und die Konzertgäste akzeptieren Aaron Buchanan & The Cult Classics; Die Stimmung ist unglaublich gut und weit und breit ist kein Konzertgast zu sehen, der sich gerade völlig fehl am Platz fühlt.

„There is a fantastic Band
just waiting backstage“

Natürlich sind damit die Headliner des Abends – Royal Republic – gemeint. Kaum realisieren die ersten, was diese Worte bedeuten, geht ein wahnsinnig lautes Gebrüll durch die Halle. Auch wenn dieser Support einen unglaublich guten Job hingelegt hat, man spürt schon, dass die meisten einfach nur Heiß auf das Schwedenquartett ist.

Kleiner Schwenk in den Pressebereich: Während die Meute noch am Jubeln ist, bekommen die bisher schon anwesenden Fotografen durch ein Crewmitglied der Band einen Hinweis: Aaron Buchanan will noch einmal in die Crowd gehen und dafür würde er die Fotografen noch einmal in den Securitygraben holen wollen. Wir von Be-Subjective sagen da natürlich nicht nein!

Aaron Buchanan & The Cult Classics (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Was dann folgt, erstaunt aber selbst uns. Aaron Buchanan wagt sich in die Menge und lässt sich nicht nur von ihr einfach wieder durch die Halle tragen – Nein, der gute Herr macht einfach einen Handstand beim Crowdsurfen!

Wo hat man denn das schonmal gesehen?

Müsste sich der Großteil der Leute gedacht haben. Es wird geschmunzelt über diese akrobatische Höchstleistung und natürlich mit angepackt, damit der risikoreiche Sänger nicht einfach zu Boden fällt. Das zweite Mal am Abend kehrt er heile auf die Bühne vom Crowdsurfen zurück. Zum Schluss bedankt sich die Band noch einmal groß für diese gute Stimmung, dann wird bei erneutem Jubeln auch schon das Set umgebaut.

Während des Umbaus schallen plötzlich Royal Republic-Rufe durch das Capitol. Die Leute warten und sind aufgeregt, doch die Crew tut ihr Bestes, um die Bühne schnell umzubauen.
Riesige blitzförmige LED-Anlagen werden auf die Bühne geschoben und die Freude in der Halle wird größer – und der Platz zwischen den Konzertgästen immer kleiner.

Royal Republic (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Schon mit dem ersten Song „When I See You Dance With Another“ brechen die Schweden auf die Bühne ein. Adrett gekleidet rocken sie direkt beim ersten Song schon die Halle und das Publikum sind lauthals mit und gehen in Sekunden völlig in dem groovie Sound der Schweden auf. Es bleibt auch nicht nur beim Mitsingen, die Leute hüpfen im Takt und wer nicht hüpfen kann oder will, der nickt zumindest wild mit dem Kopf zur Musik mit, denn die melodische und energische Musik lässt gar nicht erst zu, regungslos auf der Stelle zu stehen.

„I’m not a hippie
Just getting stoned
Take me back and do it slow
Polish the rocket
Sound the alarm
Time to get this party on“

Die aufgestellten Lichtanlagen leuchten eindrucksvoll im Hintergrund, während Royal Republic sich nicht zu fein sind, in ihren feinen Anzügen sich zur Musik mitzubewegen und diese vollzuschwitzen. Auch wenn die Musiker nicht viel auf der Bühne auf und ab laufen, an Bewegung auf der Bühne wird definitiv nicht gespart. Wenn nicht gerade gemeinsam zu den Songs mitgesprungen wird, finden sich auch genug Leute zu einem Circle Pit zusammen. Selbst auf dem Balkon des Capitols sieht man die Leute zur Musik passioniert mittanzen.

Die Performance der Jungs sitzt
so gut wie ihre Anzüge

Zwischen den Songs wird immer wieder der Bandname gerufen und man sieht: Die Band genießt sichtlich diese innige Fanliebe. Zum Shouten des Publikums wird ein kurzer Beat Improvisiert, der sich kurioserweise wie das ikonische Gitarrenriff aus „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones anhört. Immer wieder wird weiter Öl ins lodernde Partyfeuer gegossen und letztendlich muss Frontmann Adam das Gejubel aus dem Publikum sogar stoppen, als er die Akustik-Klampfe aus dem Repertoire holt und erklärt:

„This is an acoustic guitar.
This ist the most dangerous
sexual weapon in the World!“

Es folgt eine Akustikversion des Songs „Addictive“, in der nur Adam an der Akustikgitarre herumhantiert und der Rest der Band sich Seemannschor-like an den Mikrofonen positioniert und eine Acapellaperformance par excellence hinlegt. Laszive Gesten werden mit dem Publikum ausgetauscht, während singend der Text des Songs kurzerhand etwas ins Unanständige abrutscht:

„I have a motherfucking
dick dick dick dick for you“

Royal Republic (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Das Publikum lacht laut auf und hat großen Spaß an dieser sehr ungewöhnlichen Einlage zwischen all diesen gewaltigen und schnellen Rocksongs der Band. Nach der Acapella-/Akustikeinlage geht es aber auch sofort wieder mit schnellen Songs weiter. Hier ist kein Platz für großartig schnulzige Balladen, die Gitarren werden zu „Tommy-Gun“ hart durchgeshredded und das Publikum ordentlich durchgerockt.

Auch der Drummer Per Andreasson scheint mit einer göttlichen Stimme gesegnet. Vor dem letzten Song der Zugabe ergreift er das Mikrofon, während Bassist Jonas Almén zu den Drums wechselt und Adam Grahn den Bass in die Hand nimmt und sie gemeinsam „Roxanne“ von The Police vortragen. Bei Royal Republic scheint wohl auch wirklich jeder der Musiker ein talentiertes Stimmchen zu besitzen.

„That‘s Enough Fun
Back to Work!“

Bei „Full Steam Spacemachine“ rasten die Leute nochmal endgültig aus. Zu Beginn des Songs gehen alle in die Knie und so manch einer wundert sich, was genau jetzt los ist. Dort, wo zuvor noch ein Circle-Pit war und die Leute wie wahnsinnig im Kreis gerannt sind, hat sich nun ein Haufen an Leuten versammelt, die zum Beat der Musik in ihrem nichtvorhandenen Boot herumrudern. Der Anblick ist grandios, die Leute drumherum lachen und gemeinsam springen alle Leute auf, als der Song das erste Mal den Refrain erreicht und hören auch nicht mehr so schnell auf, zu springen.

I keep my motor clean
Full Steam Spacemachine
When you’re behind the wheel
Full Steam Spacemachine

Nach dem Song ist der Abend aber glücklicherweise auch noch nicht vorbei. Die Zugabe naht und sie kommt schnell. Royal Republic lassen sich kaum Zeit mit ihrer Rückkehr auf die Bühne. Man möge meinen, es sei gerade genug Zeit gewesen die Sakkos abzulegen – Was zum bedauern aller Adam Grahn-SchwärmerInnen nicht auf den Frontmann zutrifft.

Royal Republic (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Die Band nimmt während der Zugabe nochmal alle Kraft zusammen und die Fans lassen sich vollends darauf ein. Haufenweise Arme ragen gen Himmel und die blitzförmigen LED-Anlagen beleuchten das Bühnensetup im Rummelplatz-Style. Und als wäre das ganze nicht schon episch genug, folgt als Kirsche auf dem Sahnehäubchen eine kurze Saxophoneinlage – „Careless Whisper“ von George Michael – What else?.

Für den letzten Song „Baby“ werden nochmal die 80er ausgebuddelt, denn die Diskokugeln sind los. Nicht nur die riesige Kugel an der Decke des Capitols, sondern auch die halben Spiegelkugeln an den Seiten des Drumkits werden weiß beleuchtet und zum letzten Mal wird gemeinsam im Publikum im Springen der Veranstaltungsort zerfeiert.

Royal Republic (Foto: Dragana Urukalo bs! 2017)

Noch ein Weilchen genießen die vier Schweden den Applaus und die Rufe der Fans, nachdem ihr Job auf der Bühne getan ist. Fast schon ein seltener Anblick, eine Band so lange nach dem gespielten Konzert noch auf der Bühne zu sehen. Ganz freiwillig werden Setlists und alles, was sonst so auf der Bühne noch herumfliegt unter den Fans verteilt und zum Abschluss gibt es auch noch ein ganz großes versprechen: Für die nächste Zeit werden sie nicht Touren können, da Feiertage und Aufnahmen für das neue Album anstehen. Doch Royal Republic kommen zurück nach Hannover – Garantiert!

Galerien (by Dragana Urukalo bs! 2017):

Setlist Royal Republic:

  1. When I See You Dance With Another
  2. Walk!
  3. Make Love Not War
  4. Strangers Friends Lovers Strangers
  5. Underwear
  6. Weekend-Man
  7. Everybody Wants To Be An Astronaut
  8. Any Given Sunday
  9. People Say That I’m Over The Top
  10. Addictive (Acoustic)
  11. Kung-Fu Lovin’
  12. Tommy-Gun
  13. Full Steam Spacemachine
    Encore
  14. Here I Come (There You Go)
  15. Follow The Sun
  16. Baby

Links:
www.royalrepublic.net
www.wearecultclassics.net
www.capitol-hannover.de