Review: Negative, Substyle (14.12.2008, Dresden)

Foto: Torsten Volkmer

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Da hatten Negative ihre finnische Kälte wohl mit nach Deutschland gebracht: Als sie am Sonntag zusammen mit der Kölner Band Substyle den Dresdner Beatpol unsicher machen wollten, war es wirklich arschkalt. So kalt, dass der Veranstalter die frierende Meute sogar vor Einlass ins Treppenhaus ließ. Eine wirklich feine Geste!

Aber zum Konzert! Negative, allseits bekannte Finnenrocker, waren unterwegs, um ihr aktuelles Album „Karma Killer“ live in Deutschland vorzustellen. Im Dresdner Beatpol waren sie vor ein paar Jahren schon einmal, letztes Jahr spielten sie in der Reithalle vor begeistertem Publikum. Der Andrang heute war etwas schwächer als gewohnt, was aber am ungünstigen Wochentag lag: der Sonntag. Der Tag, an dem jeder am nächsten Morgen garantiert zeitig aufstehen muss. Der Sonntag tat der Stimmung aber keinen Abbruch.

Foto: Torsten Volkmer

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Der Club war bereits dicht vorne befüllt als die Vorband The Substyle die Bühne betrat. Auch alle anderen, die es sich auf Stühlen oder der Empore bequem gemacht hatten, gingen vor oder richteten ihre Blicke gezielt auf das Sextett.

Und wie die Dresdner so sind, geben sie auch schon bei der Vorband mächtig Gas. Die Stimmung war ausgelassen gut, Band und Publikum am Ende zufrieden.

Gegen 21.30 Uhr hieß es dann Bühne frei für Negative! Nun war wirklich jeder aus der letzten Ecke des Beatpols hervorgekrochen, um die mittlerweile nur noch fünf Finnen live auf der Bühne zu erleben. Wo früher viel Pink Und Glitzer war, sind jetzt eher bedeckte Farben und weniger Glitzer Thema. So haben sich Negative auch von ihrem Image als reine Mädchenband befreit und das sind wahrlich wirklich nicht. Negative sind eine grandiose Rockband, die es live gewaltig drauf hat.

Foto: Torsten Volkmer

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Und diesmal war der Start etwas ungewöhnlich. Ein regelmäßiger Negative-Konzert-Besucher ist ein druckvollen Start gewöhnt, mit Liedern wie „Glory Of The Shame“ oder „Sinner’s Night/Misty Morning“. Doch dieses mal haben sich Negative etwas Besonderes einfallen lassen: Jonne kam, umjubelt natürlich, mit Akustik Gitarre auf die Bühne und begann „My My Hey Hey“ anzustimmen. Der akustische Start war sehr atmosphärisch.

Nach einer Weile versammelten sich alle Bandmitglieder auf der Bühne, die Akustikgitarre wurde abgelegt, und legten nun mit der „Rock-Version“ des Klassikers weiter.  Das Licht ging nun voll an, der Club war hell erleuchtet. Um erst gar keinen Gang runterzufahren, legten Negative mit Liedern wie „Devil On My Shoulder“ oder „Lust’N’Needs“ nach. Zu jedem Zeitpunkt waren unendlich viele Digicams in der Luft, die den Club zusätzlich beleuchteten, manchmal drangen sogar Feuerzeuge und Wunderkerzen an die Oberfläche. Sänger Jonne fegte wild über die Bühne, riss seine Hände zur Animation in die Luft und dirigierte mit seinem Mikrofronständer das Publikum wie ein Dirigent. Und das Publikum fügte sich ohne jede Scheu. Atmosphäre wurde auch durch das gezielt eingesetzte Licht geschaffen. Je nach Lied, erhellte der Club in Blau, Gelb, Rot, Rosa oder Weiß. Am Lichtpult wurde wirklich gekonnte Arbeit geleistet.

Während des Konzerts ging Jonne öfters auf Tuchfüllung mit den Fans, die anderen Bandmitglieder hielten sich eher im Hintergrund. Zugegeben: die Bühne im Beatpol ist nicht sehr groß, da muss die band aufpassen, dass sie sich nicht gegenseitig umrennt. Doch zu Gitarren-, Bass-, Schlagzeug- oder Pianosoli hatte jeder Instrumentalist die volle Aufmerksamkeit des Publikums.

Foto: Torsten Volkmer

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Generell klingt jedes Negative Lied live viel voller und erdiger auf der Platte. Negative wissen es, live einfach noch mehr Dynamik und Spannung in ihren Liedern aufzubauen. So entwickelte sich „Sealed“ vom aktuellen Album „Karma Killer“ zu einem richtigen Rocksong, wobei es auf Platte eher seicht wirkt. Und Lieder, die auf Platte schon „geil“ sind, hauen dich live einfach um. So bildeten „Giving Up!“, „Motherfucker“ und „Naive“ die schwungvollsten Höhepunkte des Abends.

Nach fast zwei Stunden Spielzeit und dem letzten Song „Won’t Let Go“ erlosch das Gejubel und Gekreische im Beatpol, denn das Konzert war zu Ende. Zufriedene Gesichter blieben zurück und der der (Muskel-)Kater am Morgen danach. Negative haben für mich eines der schönsten und besten Konzerte dieses Jahr gespielt. Ein Konzertbesuch sind sie definitiv immer wert.

Foto: Torsten Volkmer

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Setlist Negative

  1. My My Hey Hey
  2. Devil On My Shoulder
  3. In My Heaven
  4. Lust’N’Needs
  5. The Moment Of Our Love
  6. Sealed
  7. Giving Up!
  8. Jonne Akustik-Solo
  9. An Ornament
  10. Fading Yourself
  11. Naive
  12. Frozen To Have It All
  13. Motherfucker
  14. Planet Of The Sun
  15. One Last Shot
  16. Glory Of The Shame
  17. Until You’re Mine
  18. Won’t Let Go

 

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