Review: Poets Of The Fall – gefallene Poeten & Kinder der Sonne (30.11.2016, Hannover)

Poets Of The Fall (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Für die „Poeten des Falls“ ist in Deutschland der zweite Tag angebrochen und für Fans, die ein VIP-Ticket ergattern konnten, beginnt das Konzerterlebnis an diesem Mittwochabend schon einige Stunden vor Einlass mit einem Meet & Greet. Als der Rest sich pünktlich im LUX-Club Hannover einfindet, liegen auf den Sitzgelegenheiten rechts neben der Bühne schon haufenweise Jacken und Taschen. Die Fläche vor der Bühne ist voll von Menschen, die man äußerlich keiner Szene zuzuordnen vermag. Es sind überwiegend ganz normale Menschen; Frauen und Männer zu gleichen Teilen. Eines kann mensch aber über die Gesamtheit aussagen: Das Durchschnittsalter liegt schon mal nicht bei unter 20.

Flight Brigade (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Die Bühne ist unglaublich eng. Neben den Instrumenten von der britischen Band Flight Brigade steht auch schon einiges an Equipment vom Headliner auf der Bühne. Es wirkt schon etwas amüsant, wie die sechs Bandmitglieder versuchen, durch das Meer aus Kabeln, Verzerrern und Mikrofonständern an ihre Position zu gelangen. Da ist es ja schon fast ein Glück, dass ein Bandmitglied fehlt.

„Hurricane Season“

Flight Brigade (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Sofort werden einige KonzertbesucherInnen von vorherigen Konzerten wiedererkannt und begrüßt, ehe es dann losgeht und die Band den Song „Housefire“ anspielt. Dorry, die Henne im Korb, spielt konzentriert auf ihrer Violine und es erklingen seichte Töne zum Mitwippen und Chillen. Der Sound schwankt zwischen Monotonie und Epik, lädt aber zum Abschweifen und Träumen ein. Zum Tanzen sind ihre Lieder eher weniger geeignet, dafür kommt zu wenig Groove herüber. Einzig der Song „Hurricane Season“, welcher laut der Band auch schon hier im Radio gespielt wurde, ist direkt viel schmissiger und ist dadurch auch tanzbarer.

Flight Brigade (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Nach einer halben Stunde Spielzeit, größtenteils bestehend aus langsamen Balladen, geht die Band mit Applaus von der Bühne. Mit einem gänsehauterregenden Intro treten nach einer Umbaupause dann auch endlich Poets Of The Fall auf die Bühne.

Gelassen kaut Marko Saaresto auf einem Kaugummi herum, während das Intro langsam in den Song „Drama For Life“ einleitet. Sofort springt die Masse auf und singt zum Opener des neuen Albums Clearview mit. Das Publikum wird zusammen mit der Band schnell warm, denn Marko Saaresto lässt ihnen keine Zeit zum Durchschnaufen. Beim Song „The Child In Me“ wird sogar zum Tanz gebeten.

„You all now the dance!”

Der Band macht es sichtlich Spaß, mit den KonzertbesucherInnen zu interagieren. Immer wieder wird einigen bekannten Gesichtern zugenickt oder sich extra für Fotos aus der Crowd in Pose geworfen. Danach wird zufrieden gegrinst und weitergespielt. Als wäre das Konzert nicht auch verstärkt schon ein echter Gewinn, wird die Akustikklampfe ausgepackt.

„Do you like acoustic?“

Poets Of The Fall (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Das Publikum jubelt. Die ersten Töne von „Stay“ ertönen und es geht ein Raunen durchs Publikum. Der Song kommt mit Gänsehautgarantie daher und die Fans singen laut mit. Mittendrin wird ein kleiner Break dazwischengeschoben. Der Frontmann fragt das Publikum, ob alle ein Smartphone besitzen und damit Licht machen könnten. Dem Wunsch kommen viele entgegen und tatsächlich gibt es noch vereinzelt Gäste, die total oldschool ein Feuerzeug in die Luft halten, was ohne Frage eine viel schönere Stimmung erzeugt.

Nach dem Akustikeinschub folgen unter anderem mit „Running Out Of Time“ und „Locking Up The Sun“ wieder fetzigere Songs und reißen die Besucher wieder aus ihren Träumen.

Es ist durchgehend ein schönes Zusammenspiel zwischen Band und Publikum. Auch wenn das Bühnenlicht nur statisch auf die Band gerichtet ist und etwas fad wirkt, sorgt die Band selber für viel Stimmung. Wie es schon fast für das LUX üblich, fällt das typische Zugabe-Prozedere einfach aus und es wird sofort weitergespielt. Der schönste Moment des Abends passiert dann zum letzten Song „Children Of The Sun“.

„I’m a Child of the Sun. He is a child of the sun. You are children of the sun. We all are.”

Poets Of The Fall (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Die Hände in der ersten Reihe gehen nach oben und greifen ineinander. Mnsch kann sich sicher sein: Hier ist niemand allein, es ist eine große Community die miteinander Spaß hat und hier gerade die Zeit ihres Lebens genießt. Auch wenn sich die aktiveren Fans in den ersten Reihen tummeln und die reinen GenießerInnen von hinten nur zugucken wollen, bei der Verabschiedung von der Bühne gibt es durchgängig von vorne bis hinten mächtigen Applaus. Hätten die ZuschauerInnen nicht ohnehin schon gestanden, hätte es definitiv Standing Ovations gegeben.

Text: Dragana Urukalo

Poets Of The Fall (Foto: Dragana Urukalo bs!)

Galerien:

Setlist Poets Of The Fall:

    1. Drama For Life
    2. Daze
    3. The Child In Me
    4. Dreaming Wide Awake
    5. Diamonds For Tears
    6. The Game
    7. Stay
    8. Someone Special
    9. Sleep
    10. Running Out Of Time
    11. Once Upon A Playground Rainy
    12. Locking Up The Sun
    13. Carnival Of Rust
      Encore
    14. War
    15. Lift
    16. Children Of The Sun

Links:
www.poetsofthefall.com
www.flightbrigade.com

Veranstalter:
www.kb-k.com
www.hannover-concerts.de

Club:
www.lux-linden.de