Review: Von Ekstase und Zurückhaltung – Ein Wochenende der Gegensätze (23. & 25.07.2021, Paderborn)

Das zweite und letzte Wochenende der Picknick Konzerte in Paderborn beginnt erneut mit einer ausverkauften Show und hält mit Faber einen internationalen Schmankerl bereit. Das Kontingent an Picknickplätzen für die Konzerte am zweiten Wochenende konnte unter der Woche sogar noch ein wenig erweitert werden. Die neu verfügbaren Karten waren heiß begehrt und recht schnell vergriffen.

Faber (Foto: Rune Fleiter bs! 2021)

Das Konzert startet mit etwas Verzögerung. Da Faber keinen Support Act mit dabei hat verschiebt sich der Beginn 30 Minuten nach hinten auf 20.00 Uhr. Etwas was gerne mal zu leichter Unruhe beim Publikum führt, aber das Paderborner Publikum ist sehr entspannt drauf und genießt in der Zeit einfach die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Pünktlich um 20.00 Uhr betreten Faber und seine Band dann die Bühne. Mit seinem Charme und extrem tanzbaren Songs schafft es Faber sich binnen kürzester Zeit in die Herzen des Paderborner Publikums zu spielen und nach ungefähr 20 Minuten herrscht hier eine Stimmung wie sie bei keinem Konzert während des ersten Wochenendes auch nur ansatzweise erreicht wurde. Bis in die hintersten Reihen wird ausgelassen getanzt, gesprungen und lauthals mitgesungen. So auch beim Song Top wo das Publikum sich als sehr textsicher erweist und mal eben den kompletten Chorus allein und ohne vorherige Aufforderung singt.

Nach diesem furiosen Anfang werden die Songs etwas ruhiger und die Stile der Songs variieren mehr. Einige Songs spielt Faber nun zum Beispiel ohne seine Band, dafür ganz Singer Songwriter like allein mit seiner Gitarre. Nach etwa einer Stunde und einigen ruhigeren Songs zieht Faber dann mit Songs wie Generation YouPorn das Tempo wieder etwas an. Dieser Abschnitt der Show endet kurz später mit Alles Gute als vorerst letzten Song. Nach 75 Minuten verlassen Faber und seine Band dann zum ersten Mal an diesem Abend die Bühne. Die Rufe nach einer Zugabe lassen erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Während die Band relativ schnell wieder die Bühne betritt lässt Faber selbst sich Zeit. Unterdessen gibt es vom Publikum Sprechchöre für Sina, die Bühnenmeisterin.

Faber (Foto: Rune Fleiter bs! 2021)

Nach der ersten Zugabe nutzt Faber die Gelegenheit und stellt seine Band und die Crew vor, die vom Paderborner Publikum daraufhin mit viel Applaus bedacht werden. Das darauf folgende Lied „Caruso“ ist laut Faber das wohl emotionalste des gesamten Sets. Bevor es mit dem nächsten Song der Zugabe weitergeht werden im Publikum Musikwünsche laut. Nachdem sich die Favoriten herauskristallisiert haben folgt seitens Faber eine kurze Absprache mit den Verantwortlichen auf der Seitenbühne. Die Ansage, es darf bis kurz vor zehn gespielt werden. Die Aussicht auf 20 weitere Minuten Faber lässt das Publikum jubeln. Los geht es mit Du schläfst auf Kissen aus Seide. Die insgesamt 40 Minuten lange Zugabe endet dann um 21.55 mit Tausendfrankenlang und einem letzten Mal Eskalation und purer Ekstase. Es war damit nicht nur die bislang längste Show der Picknick Konzerte Paderborn, es war auch die bis hierhin stimmungsvollste. Einfach ein herausragendes Konzert.

Beim Konzert der Antilopen Gang am Samstag waren wir nicht vor Ort da dieses Konzert zum Zeitpunkt unserer Planung noch nicht terminiert war. So geht es mit LEA und dem letzten Konzert der Picknick Konzerte Paderborn weiter.

Wie auch schon Gentleman am ersten Wochenende spielt LEA aufgrund der hohen Nachfrage ebenfalls zwei Shows an einem Tag. Wir sind bei der Hauptshow am Abend mit dabei. Heute mit überpünktlichem Start und Support, diesen spielt die junge Künstlerin LUNA. Musikalisch bietet LUNA einen frischen Mix aus Deutsch Pop mit Piano Einschlag und modernen Hip-Hop Elementen. Dazu kommt ihre eindrucksvolle und kräftige Stimme. Diese Mischung kommt beim Publikum ziemlich gut an und auch wenn fast alle das gesamte Set hindurch auf ihren Picknickdecken sitzen bleiben ist vom ersten Song an Stimmung und Interaktion da.

Luna (Foto: Rune Fleiter bs! 2021)

Ihr Set startet LUNA am Klavier mit dem Song blau welcher von ihrem eigenen Coming Out handelt. Unterstützt wird Sie auf der Bühne dabei von ihrer dreiköpfigen Band. Mit dieser spielt LUNA unter anderem die Songs Tränenmeer sowie Viel leichter und zum Abschluss ihres Sets noch Verlierer. Nach gerade einmal  20 Minuten verlässt LUNA mit ihrer Band dann auch schon wieder die Bühne. Sehr schade denn LUNA hat mit ihrem Auftritt überrascht und hätte gerne noch ein wenig weiter spielen dürfen.

So geht es aber in die ebenfalls recht kurze Umbaupause. Da das komplette Setup von LEA hinter einem Backdrop schon bereit steht, geht es nach nur 15 Minuten schon wieder weiter. LEA beginnt allein am Piano. Mit dem zweiten Song kommt dann auch ihre Band mit dazu. Schon beim dritten Song wird es LEA auf der Bühne langweilig und ein kleiner Ausflug in den Bühnengraben und auf die davor stehenden Wellenbrecher folgt. Anders als noch beim Konzert von Gentleman am ersten Wochenende bildet sich dieses Mal kein Grüppchen davor und das Publikum bleibt so wie es sein soll auf ihren Plätzen.

LEA ist in Spiellaune, tanzt und läuft über die Bühne und interagiert immer wieder mit ihrer Band. Das Publikum hingegen ist noch zurückhaltend und macht erstmal auf Genießer. Das Verhältnis der Leute die stehen zu denen die sitzen ist anfangs ziemlich ausgeglichen. Sobald LEA aber ruhigere Songs spielt sitzen fast wieder alle. Es folgen Song wie 7 Stunden, Drei Uhr Nachts, Treppenhaus, Sommer und Elefant. Letzterer ein Song welchen LEA für ihre Eltern schrieb und den sie solo am Piano spielt. Während der Großteil des Publikums dem Song lauscht hat in der ersten Reihe ein Mädchen einen wie im Song beschriebenen blauen Elefanten mit welchen sie in der Hand haltend das ganze Lied durch von links nach rechts schwenkt.

Lea (Foto: Rune Fleiter bs! 2021)

Auch darf LEAs neuer Song Schwarz mit Casper, der allerdings nicht mit vor Ort ist, nicht fehlen. Es ist der wohl powervollste Song des ganzen Sets und trotzdem ist weiterhin kaum Stimmung da aber es scheint der Song zu sein der einige Leute etwas auftauen lässt denn als LEA beim nächsten Song Beifahrersitz LUNA für ein Duett mit auf die Bühne holt ist plötzlich etwas Stimmung da, die Leute fangen an ein bisschen zu tanzen und mitzusingen und dass überträgt sich auch etwas auf die kommenden Songs.

Lea (Foto: Rune Fleiter bs! 2021)

Nach 70 Minuten kündig LEA dann den letzten Song an. Das typische Oooooh welches man normalerweise in diesem Fall vom Publikum hört bleibt heute aus. Der letzte Song ist Okay, ein Song über Body Positivity und ein wichtiger für LEA den sie auch mit einer ausführlicheren Ansage ankündigt. Am Ende des Songs stellt LEA noch mal ihre Band vor und verabschiedet sich zusammen mit Verbeugung vom Paderborner Publikum welches währenddessen schon eine Zugabe fordert. Zugegeben eine etwas ungewöhnliche Reihenfolge sich schon vor der Zugabe so zu verabschieden aber eben jene Zugabe erklärt dann auch dieses Vorgehen. Als Zugabe gibt es nämlich gerade mal einen weiteren Song und diesen spielt LEA solo am Piano. Es ist Ein Liebeslied (Igel und Stachelschwein), ein reiner live Song der auf keinem Album oder ähnlichem zu finden ist und obwohl es ein live Song ist sind viele doch recht textsicher im Chorus und singen mit.

Nach 80 Minuten ist dann das letzte Picknick Konzert in Paderborn vorbei. Es war ein Konzert mit einer etwas komischen Stimmung. Während LEA und ihre Band eine gute Show spielten und dabei sichtlich Spaß hatten war dies dem Publikum nicht unbedingt immer anzumerken. Hin und wieder wurde ein wenig getanzt oder mitgesungen und wenn es Interaktion gab war das Publikum auch mit dabei, dennoch existierte die ganze Show über eine nicht ganz nachvollziehbare Zurückhaltung beim Publikum. Sicherlich hat LEA auch viele ruhige Songs zu denen ausgelassenes tanzen halt nicht so passt aber selbst bei denen mit mehr Tempo die auch zum tanzen einluden blieb das Publikum ungewohnt ruhig.

Galerien (by Rune Fleiter bs! 2021):

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