Review: Die Sache mit der Kunst – Pabst im Lagerhaus (14.09.2018, Bremen)

Pabst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
UNS (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

So, das war’s mit dem Sommer 2018. Die schöne Open Air Saison neigt sich dem Ende entgegen und die Künstler und Künstlerinnen reihen sich wieder scharenweise vor den Türen der hiesigen Clubs ein, um noch das ein oder andere Konzert im warmen spielen zu können. Am Freitag dürfen Pabst mit ihrer Berliner Supportband UNS die heimeligen Vorzüge des bremischen Kulturzentrum Lagerhaus genießen. Der gemeine Bremer und die gemeine Bremerin scheinen davon jedoch noch keinen Wind bekommen zu haben, so bleibt der Laden bis auf Weiteres nur bescheiden gefüllt.

21:00 Uhr. Volle Synthiekraft voraus. UNS begrüßen die überschaubare Menge mit ihren wirren Ansagen und der selbstbewussten Behauptung:

„Alles was wir machen ist Kunst“

UNS (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Der Kunstbegriff ist zwar ein weit gefächerter, doch die Menschen lieben es nach wie vor,

UNS (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

über diesen zu streiten. So scheinen auch die BremerInnen nicht ganz sicher zu sein, was sie dort genau auf der Bühne geboten bekommen. Der norddeutsche Höflichkeitsabstand zu den Musikern wirkt unüberbrückbar groß. Aber immerhin, als es ums Mitsingen geht, traut sich ein mutiger bremer Jung ein herzhaftes „FALLARARA“ rauszuschreien. Sollte eigentlich „Von A nach A“ heißen, aber die Message ist trotzdem angekommen. Trotz alledem lässt sich zumindest von unserer Seite aus sagen, dass UNS an dieser Stelle einen spannenden uns innovativen Auftritt abliefern. Die Jungs klingen, als hätte man rebellierenden Hamburger Schülern zur Beschäftigungstherapie ein paar Synthesizer in die Hand gedrückt, um endlich Mal ruhe in den Haufen zu bekommen. Nun, von Ruhe kann hier keine Rede sein, aber die Faszination Synthesizer ist groß. Mensch darf gespannt sein, was da noch kommt.

Pabst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Ganz ohne Synthesizer diese kommen im Anschluss Pabst aus, die immerhin 10-20 Leutchen mehr anziehen, zum Glück, denn in der Umbaupause war der kleine Saal im Lagerhaus wie leergefegt.

Aber gut, nun wo die Open Airs vorbei sind muss man eben auch zum Rauchen wieder nach draußen gehen.

Die ersten Töne von „Vagabondage“ locken jedoch auch die härtesten die Nikotinjunkies wieder ins Warme. Pabst verschwenden keine Zeit mit viel Gequatsche und geben sofort Vollgas. Hört man Songs wie „Perfume“, „Skinwalker“ oder „Waterslide“ kommt man nicht umher zu vermuten, dass Death from Above, Jack White und die Smashing Pumpkins irgendwo in ´nem dunklen Keller Frankenssteinexperimente an ein paar harmlosen Berlinern durchgeführt haben. Wir sind jedenfalls froh, dass diese dann ihren Weg ans Tageslicht gefunden haben.

Pabst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Pabst veröffentlichten mit „Chlorine“ erst im Juni dieses Jahres ihr Debütalbum. Ihre Entwicklung in der IndieSzene kann jedoch schon seit einiger Zeit beobachtet werden. So kann man den Musikern auf der Bühne keinesfalls vorwerfen, dass sie noch grün hinter den Ohren sein. Die Show verläuft nahezu perfekt. Der Klang ist

dreckig und ehrlich,

die Band hat Bock, das Publikum ist ganz dabei.

Pabst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)

Und doch ist der Abend am Ende viel zu kurz. Klar, die BremerInnen wollen irgendwann pennen, und das Repertoire der Band ist nicht umfassend genug, um eine drei Stunden Show vollzupacken, doch irgendwie merkt man den Lagerhausbesuchern schon die Enttäuschung über den eher kurzen Konzertabend an. Als kleinen Trost gibt’s noch ein Cover von Pras´ „Ghetto Supastar“ um die Ohren. Damit wäre dann auch der Ohrwurm für die nächste Woche gesichert. Danke dafür.

 

 

Galerien (by Thea Drexhage bs! 2018):

Setlist Pabst:

  1. Vagabondage

    Pabst (Foto: Thea Drexhage bs! 2018)
  2. Perfume
  3. Shake the Disease
  4. Shits
  5. Waterslide
  6. Ocean Cruise
  7. Cheapskate
  8. Catching Feelings
  9. Commitment Issues
  10. Accelerate
  11. Exciter
  12. Skinwalker
  13. Ghetto Supastar

Links:
www.pabstrules.de
www.facebook.de/unsunsuns

Vorheriger ArtikelPreview: 10 Jahre LaBrassBanda – Around the World Tour (2018)
Nächster ArtikelFriedemann – Ich leg mein Wort in Euer Ohr (2018)
Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 100 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Satre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.