Review: Pop, Poet, Prosa – Joris und Max Prosa live (24.10.2018, Hannover)

Joris (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Bei Konzertankündigungen ist es oft so, dass der Haupt-Act selbstredend genannt wird, ein Support aber möglicherweise keine Erwähnung findet, weil dieser von Ort zu Ort auch wechseln kann. Wenn mensch dann auch noch etwas später als Konzertbeginn in der Location eintrifft, fragt man sich: „wer steht denn da auf der Bühne?“

An diesem Abend in Hannover ist das so. Also fast. Der Typ auf der Bühne sieht tatsächlich aus wie Jon Bon Jovi. Also wie Jon in jung. Aber wo ist seine Band? Ist das hier ein Geheimkonzert als Test für eine anstehende Welt-Tournee? Oder ein CD-Release-Konzert? Und warum singt er auf Deutsch?  Ach schade, das ist er ja gar nicht. Wie heißt der Typ? Kurze Frage beim Nachbarn. Das ist Max Prosa. Und der Name ist Programm.

Jetzt sitz ich hier und trinke Wein
Um weit weg von dieser Welt,
in der du mich nicht siehst, zu sein
Und ich schließ mich weiter ein
Und hier im Stillen bin ich Dein

Max Prosa (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Hier treffen wunderschöne Texte auf Akustikgitarre, Keyboard und „abgespecktes“ Schlagzeug. Fertig ist der Prosa-Sound. Der 29-jährige Berliner ist kein unbeschriebenes Blatt, hat er doch bereits einige Alben veröffentlicht und einen Gedichtband rausgebracht. „Glücklich mit Nichts“ oder „Keiner kämpft für mehr“. Die Lieder von Max Prosa sind dann doch eher Dylan als Jovi. Aus seinem Buch „Im Stillen“ liest er ein Gedicht vor. Das erlebt mensch auch nicht so oft auf einem Pop-Konzert. Genauso wenig wie sein letztes Lied, das er deshalb performt, weil alle es kennen. Leonard Cohen´s „Hallelujah“. Aber auf Deutsch. Mal was ganz anderes, und richtig gut.

Max Prosa (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Dann kommt der Haupt-Act. Allein auf der Bühne im lila-pinken Nebel mit auf dem Rücken geschnallter Gitarre performt er am Piano sein Lied „Magneten“. Sehr anziehend. Als sich die Nebel verziehen, geht es schon wieder los. Da steht doch eindeutig Bryan Adams auf der Bühne. Also Adams in jung. Nein, ist er natürlich nicht. Joris sieht ihm nur ähnlich.

Joris (Foto: Michael Lange bs! 2018)
Joris (Foto: Michael Lange bs! 2018)

In 2015 kannten den 29-jährigen Westfalen nur ganz wenige. Das sollte sich grundlegend ändern. Denn Joris ist ein musikalischer Malocher. Nach 300 Konzerten und 3 gewonnenen Echos war aber auch für ihn erstmal Pause angesagt. Akku aufladen. Jetzt ist er wieder da. Album und gleichnamige Tour „Schrei es raus“. Gute Idee. Joris und Band haben die 1300 Fans im Capitol von Beginn an im Griff. Auch hier treffen ausgereifte Texte auf urbanen, handgemachten Deutschpop. „Bis ans Ende der Welt“ will man mit ihm gerne gehen. Das „Kommt schon gut“. Joris ist „Hoffnungslos hoffnungsvoll“. Zusammen mit Max Prosa singt er dessen Song „Zwei Menschen“.  Max und Joris dürften sich von der Pop-Akademie in Mannheim kennen. Ein gutes Pflaster für Karrieren im Musikgeschäft. Hier lernte Joris auch seine Bandmitglieder kennen.

Doch Glück auf, auch wenn es dich zerreißt
Grad alles ohne Ausweg scheint
Es geht, geht auf, geht auf, geht aufwärts
Glück auf, solang es dunkel bleibt
Werd‘ ich an deiner Seite sein
Es geht, geht auf, geht auf, geht aufwärts

Joris (Foto: Michael Lange bs! 2018)

Die Songs von Joris wechseln vom ruhigen, poetischen ins leicht Rockige. Und immer dabei, na was? das Bühnenlicht. Leider viel zu oft unerwähnt. Aber an diesem Abend einer der „Hauptdarsteller“.  Immer wieder neu, immer wieder anders. Ein Hingucker, der die Stimmungen der Lieder perfekt visuell in Szene setzt. Das ist auch der Fall als er „Schnee“ mitten im Publikum performt. Was kommt da von der Decke? Na was wohl, eine extra Lampe. Großes Lob an die Bühnentechnik und den Menschen am Licht.  Im Zugabenteil setzt Joris zunächst ein „Signal“, bevor die Band  bei der Erfolgssingle „Herz über Kopf“ zeigt was sie drauf hat und der Song mal mit Ska- mal mit Jazz-Elementen versetzt wird. Herz über Kopf und der Saal steht Kopf. Das Konzert endet wie es begann. Joris ist allein auf der Bühne und erzählt wie er den Ansbach-Anschlag erlebt hat und Wochen danach noch Probleme hatte, Konzerte zu geben. Zu tiefst menschlich, zu tiefst verständlich. Seine Botschaft: „Verliert nicht den Glauben an das Gute“. Und auch beim letzten Lied spielt wieder Licht eine Hauptrolle. Auf dem Piano steht eine Grubenlampe. „Glück Auf“.

Galerien (by Michael Lange bs! 2018):

Setlist:

  1. Magneten
  2. Kommt schon gut
  3. Bis ans Ende der Welt
  4. Feuerwerk
  5. Hoffnungslos hoffnungsvoll
  6. Im Schneckenhaus
  7. Unerreichbar weit
  8. Zwei Menschen  (Max Prosa cover) (with Max Prosa)
  9. In Zeitlupe
  10. Du
  11. Schnee  (Stage im Publikum)
  12. Sommerregen
  13. Signal
  14. Herz über Kopf
  15. Glück auf

Links:
www.maxprosa.de
www.jorismusik.de