Review: Von der Glocke in die Kuppel – Fury in the Slaughterhouse unplugged (01.11.2017, Hannover)

Fury in the Slaughterhouse (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Wenn man auf dem Stadtplan Hannovers diese beiden Orte verbindet ergibt sich tatsächlich ein waagerechter Strich. Zwei Orte also auf einer Höhe. Geschätzt nur schlappe 5334 Meter auseinander und doch Welten voneinander entfernt. Orte wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Der eine ist der wo alles begann. Schmutzig, authentisch, echt: die Glocksee. Hier in einem kleinen unbestuhlten Übungsraum begann die Karriere dieser Hannoverschen Band.

 It´s a long way  to  the top

30 Jahre und 1000 Konzerte später hat diese Kombo ihr Ziel erreicht. Den heiligen musikalischen Gral Hannovers. Den Kuppelsaal. Der Ort wo sonst große Sinfonieorchester, wo großes Kino, große Klassik geboten wird. Fury In The Slaughterhouse sind angekommen im musikalischen Olymp. Das ist der Ritterschlag. Und bestuhlt ist auch.

Nun hat es diese kleine dreckige Band aus dem Glockseekeller
doch tatsächlich in den Kuppelsaal geschafft.
Thorsten Wingenfelder.

Schon vor dem Konzert spürt man die Energie des Saals. Es knistert, es liegt was in der Luft. Dieses Nicht-fassbare und doch Packende. Vorfreude macht sich breit. Auf was Großes, was richtig Großes. Und mensch wird nicht enttäuscht.

Zur Überraschung aller gibt es sogar einen Support. Jean van den Berg. Hannovers ältester Musiker mit 103 Jahren !! Bestes Alter für good old Rock´n´Roll. Der Holländer hat´s wirklich drauf. Sein „My Way“  ist mega. Standing Ovations. Was sonst.

Fury in the Slaughterhouse (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Dann geht’s hinein in die „Little Big World“. Das Akustik-Live-Album zur Tour wurde bereits vor 2 Monaten im Hamburger Grünspan aufgenommen. Die dazugehörige Tour führt sie nun nach Hannover. Die Furys. Heimspiel. Vor 2500 Fans. Untertitel: von der Glocke in die Kuppel.

Fury in the Slaughterhouse (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Wenn man als kleine Indierock-Band im großen Kuppelsaal musikalisch bestehen will, sollte man sich dringend Verstärkung holen. Zum einen personell, zum anderen instrumentell. Und auch die Songs sollten so umgeschrieben und arrangiert sein, das es dem Raum und dem Rahmen entspricht. Manchmal ist weniger mehr. All das hat die Band natürlich beherzigt. Hier sind leidenschaftliche Könner am Werk. Mit der Unterstützung von Multiinstrumentalistin Anne de Wolff (Geige, Akkordeon, Mandoline, Vibrafon und mehr) und Martin Huch (war auch schon bei den letzten Hallenkonzerten dabei) an der Pedal Steel haben sich die Furys Top-Leute geholt. Auch die Nur-für-ein-lied-gastmusiker können sich sehen lassen. Jan Löchel, der den Furys schon beim Feinarrangement geholfen hat, liefert eine überzeugende Version von The Cures „Boys Don´t Cry“. Auch Mousse T. wurde vom Sofa geholt. Der liebevoll genannte „Disco-Türke“ remixte „Radio Orchid“ für die Band. Purer Genuss.

Fury in the Slaughterhouse (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Jede der Ansagen der Front-Wingenfelder und auch von Christof Stein-Schneider enthält eine Anekdote. Mensch hängt an ihren Lippen und saugt alles auf. Und wahrscheinlich nur in Hannover kann man nachvollziehen, wenn von WG´s in der Nordstadt, Gitarren aus der Südstadt oder Strohhalmbieren im „Spektakel“ gesprochen wird. Der Lokalkolorit trieft aus allen Poren.

and believe me baby every generation
got it’s own disease
and I’ve got mine so help me
please believe me baby every generation
got it’s own disease
and I’ve got mine so help me please

Und was gab´s noch? Musik. Ein ganz kleines bisschen Musik. Ein ganz kleines bisschen richtig gute Musik. Nein. Falsch. Das war richtig richtig gute Mucke. Nein. Falsch. Das war einfach nur geil. Vielseitig waren die Furys schon immer, doch die Neuarrangements haben den Songs noch mal Frische gegeben.

Fury in the Slaughterhouse (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Rockig bei „Cry It Out“, verträumt bei „Seconds To Fall“, spacig bei „Down There“ und mächtig ausgelassen fröhlich bei „Milk and Honey“. Neues ward auch gehört („Words“, „Last Order“). Geht da noch mehr in der Zukunft? Wäre schön. Was immer geht sind die absoluten Klassiker. „Time to Wonder” und „ Won’t Forget These Days“ fehlen auf wirklich keiner Party. Und tanzen kann mensch auch im Kuppelsaal. Standing Ovations. Was sonst.

Danke für den magischen Abend.

Galerien (by Torsten Volkmer bs! 2017):

Fury in the Slaughterhouse (Foto: Torsten Volkmer bs! 2017)

Setlist:

  1. My Little World
  2. When God Goes Home
  3. Words
  4. Dancing in the Sunshine of the Dark
  5. Last Order
  6. Bar Des Boulistes
  7. Every Generation Got Its Own Disease
  8. Then She Said
  9. Things Like This
  10. Protection
  11. When I’m Dead and Gone (McGuinness Flint cover
  12. Dance on the Frontline
  13. Radio Orchid
  14. Cry It Out
  15. In Your Room
  16. 30 (It’s Not Easy)
  17. Seconds to Fall
  18. Boys Don’t Cry (The Cure cover) (with Jan Löchel)
  19. Won’t Forget These Days
  20. Down There
    Encore
  21. Milk and Honey
  22. Time to Wonder
  23. Trapped Today, Trapped Tomorrow
  24. It’s a Long Way to the Top

Links:
www.fury.de