Review: Diary of Dreams und In Strict Confidence (10.04.2014, Hannover)

Diary Of Dreams. Foto: Torsten Volkmer ©bs!

Wenn Kraft und Dynamik auf Zerbrechlichkeit treffen

Kaum eineinhalb Jahre ist es her, dass Diary of Dreams zu Gast im Musikzentrum in Hannover waren. Damals unterwegs auf Akustik-Tour, hatten die Herren um den charismatischen Frontmann Adrian Hates nun an diesem 10. April ihr elftes Studio-Album „Elegies in Darkness“ im Gepäck.

Eröffnet hat den Abend jedoch In Strict Confidence. Die Elektroniker um Dennis Ostermann legen mit „My Despair“ zunächst ein gemäßigtes Intro vor, dem „Promised Land“ folgt – wer
frühe Werke der Band wie „Face the fear“ erinnert, dem kommen Songs jüngeren Datums fast wie weichgespülter Elektro-Pop vor. Vorbei sind offenbar die Zeiten, in denen ISC knapp am vorm Industrial-Abgrund mit harten, technoiden Einflüssen standen. Aufflackern werden an diesem Abend die Wurzeln der Band aber schon, etwa bei „Tiefer“ oder „Seven lives“. Später werden die Damen der Bühne – Nina de Lianin inklusive Verstärkung – mit, so scheint es, schmetterlingsartigen Flügeln das Bild beherrschen und das Publikum verzauberte. Zum großen Finale gibt es mit „Engelsstaub“ und „Zauberschloss“ zwei ISC-Klassiker auf die Ohren – eine bunte Reise durch die Diskographie der Band hatte – leider, muss man bei diesem Opener gestehen – ein recht schnelles Ende.

Foto: Torsten Volkmer
Foto: Torsten Volkmer

Und Platz zu machen für Diary of Dreams, die ihren Teil des Abends mit dem Opener des neuen Albums, also „Malum“, eröffneten. Rund drei Jahre Zeit hatten sich DOD Zeit gelassen, um dieses Studio-Album auf den Weg zu bringen: ein weiteres Endzeit-Epos aus der Dunkelheit, gepaart mit etwas Hoffnung, etwas Positivem. Schwere, schleppende Klangwelten aus großen Chören und Orchesterwänden, aber auch hämmernde Rhythmen, ergreifende Balladen, pulsierende Clubhymnen und apokalyptische Grooves: Das Album glänzt durch seine Vielseitigkeit, Abwechslung, Kraft, Dynamik, Zerbrechlichkeit und natürlich nicht zuletzt durch die Erfahrung, die in jedem Ton steckt. Das, was„Elegies of Darkness“ ausmacht, trägt als Konzept auch für einen ganzen Konzertabend. Da holt die Band gleich im zweiten Schritt zum Stakkato „Psychologic“ aus, um sich spätestens bei „Kindrom“ frenetisch feiern zu lassen, ebenso wie bei den Klassikern „Lebenslang“ oder „Chemicals“ – und bringt daneben weitere Songs des neuen Albums zu Gehör. Der Frontmann wirkt – trotz seiner jahrelangen Bühnenerfahrung – noch immer wie der nette Junge von nebenan. Mit einer Stimme, die bei jedem Ton einen wohligen Schauer Gänsehaut den Rücken hinauf und hinab schickt: tief und weich, kraftvoll und rund, vom ersten bis zum letzten Ton.

Foto: Torsten Volkmer
Foto: Torsten Volkmer

Und er präsentierte auch noch Überraschungen für die Fans: nämlich Songs, die selten oder gar nicht ins Live-Repertoire der Formation gehören, wie das „Haus der Stille“ von der „Menschfeind“-EP oder das überlange „Babylon“, vom dem der Sänger gar behauptet, dass sie es noch nie vor Publikum gespielt hätten, was dieses mit jeder Menge Beifall zu schätzen wusste. Zum Ende der ersten Runde gab es endlich auch noch ein „Undevidable“, das es einst auf das Best-of-Album „Dream-Collector II“ geschafft hatte.

Nicht fehlen durfte im Zugaben-Set auch der „King of Nowhere“ – getreu dem Motto: „Believe the absurd“. In die Nacht entlassen hat DOD ihre Fans natürlich nicht ohne eine zärtliche Wanderung durch „Die Gassen der Stadt“ – getragen von Piano und Streichinstrumenten. Perfekter Ausklang, um zum Finale mit Publikumschor zum „Traumtänzer“ überzuleiten: Feuerzeuge hoch, ein Tränchen im Knopfloch, emotional aufgewühlt und eingehüllt in ein bisschen Glückseligkeit: Das sind „Diary of Dreams“-Konzerte der besonderen Art.