Diary of Dreams, Psyche (02.03.2005, Leipzig)

Ich habe mich schon lange nicht mehr auf ein Konzert so sehr gefreut wie diesmal. An dem Abend sollte ich endlich auch einmal Diary of Dreams live erleben dürfen. Bisher kannte ich die Musik nur von der "Konserve" und war echt gespannt was da auf mich zukommt. Immerhin waren sie mit neuem Album am Start. Auch die Kultband Psyche, welche für diesen Abend als Support geplant war, habe ich noch nicht live gesehen. Also standen zwei persönliche Premieren an und nun aber nichts wie wieder einmal auf nach Leipzig!

Um 20 Uhr wurde die Kasse geöffnet, und glücklicherweise hatte ich mein Ticket vorbestellt, denn wie ich hörte, sollte die Moritzbastei so gut wie ausverkauft sein. Aber im Moment sah es noch gar nicht danach aus. Das lag wohl daran, dass das Konzert mitten in der Woche stattfand. Im Laufe des Abends sollte ich allerdings eines besseren belehrt werden. Etwas Gutes hatte meine Pünktlichkeit auch, denn so ergatterte ich einen Platz in der ersten Reihe.

Pünktlich um 21 Uhr betraten nun Psyche die kleine Bühne der Moritzbastei. Die nächste dreiviertel Stunde sollten sie uns mit düsteren elektronischen Klängen die Zeit versüßen. Der Anfang war meines Erachtens etwas zu sanft gewählt für einen Live – Auftritt, denn zwei ziemlich ruhige Stücke eröffneten die Show des Abends. Jedoch so nach und nach steigerte es sich, und es wurde heftiger und lauter. Dennoch, eines kann ich nicht abstreiten, irgendwie erinnerte mich die Stimme von Darrin Huss an Marc Almond von Soft Cell. Das mag allerdings Ansichtssache sein. Psyche gaben sich große Mühe das Publikum für Diary of Dreams in Stimmung zu bringen, was ihnen jedoch nur teilweise gelang.

Endlich 22 Uhr! Zeit für Diary Of Dreams!
Nach nur 15 Minuten Bühnenumbau (da sollten sich manch andere Bands mal ne Scheibe abschneiden) war es soweit. Finstere Klänge hallten durch die Moritzbastei, schon jetzt fing das Publikum an total auszuflippen. Die Bandmitglieder, düster geschminkt als kämen sie eben aus einem Schacht, machten sich auf zu ihren Instrumenten. Als letztes betrat Adrian Hates die Bühne. Langer Mantel, Haare streng nach hinten gebunden und im Gegenteil zu den anderen überhaupt nicht weiter geschminkt. Allerdings diesmal mit einer Gitarre über der Schulter, so präsentierte er sich kühl und distanziert seinen Fans. Die Leute waren nun nicht mehr zu bremsen und feierten Diary of Dreams vom ersten Moment an. "Menschfeind" , der Titeltrack der zuletzt veröffentlichten EP, war der erste Song des Abends. Ein gut gewählter Opener, wie ich meine. Natürlich wurden überwiegend Songs aus dem aktuellen Album "Nigredo" und der EP "Menschfeind" gespielt, aber auch ältere Stücke wie "The Curse" oder "End of Flowers" wurden vom Publikum applaudierend aufgenommen. Das Set war im allgemeinen ziemlich Gitarrenlastig, was ich von den CDs her gar nicht so vermutete.

Obwohl die Jungs nun schon mehr als 20 Konzerte der laufenden Tour hinter sich hatten, war ihnen die Freude am spielen nicht vergangen. Wie auch bei solchen Fans … in Leipzig lebt doch jede Band wieder neu auf ;). Aber im Ernst, die Band lieferte eine tolle Show, die Stimmung auf der Bühne war sichtlich gut, und davor kein bisschen weniger. Diary of Dreams versetzte sein Publikum immer mehr in Ekstase, und die weiblichen Fans schienen schier davon zu schweben. Vor allem als Adrian bei "Soulstripper" so ganz zufällig seine Haarespracht entbändigte. Ja ja … dieser Mann weiß zu begeistern ;).

Nach etwas über einer Stunde Spielzeit kündigte Adrian nun den letzten Song an. Allerdings sollte es nicht lange dauern, bis die tobende Menge mit Zugabe – Rufen und Applaus die Jungs zurück auf die Bühne holte. Zwei weitere Songs wurden gespielt, es war einfach nur phantastisch. Mit "Traumtänzer", ein wunderschöner Song, zog DoD die Menge noch einmal ganz und gar in seinen Bann. Aber noch immer wollten die Fans mehr hören, also gab man sich zum dritten mal die Ehre. Jedoch diesmal kamen nur der Keyboarder und Adrian zurück auf die Bühne. Der Abschluss des Abends sollte eine einzigartige Pianoversion des Songs "AmoK" sein. Es ließ einen das Blut in den Adern gefrieren. Danach war nun aber leider entgültig Schluss. Die Band bedankte sich anständig, sich verneigend, beim Publikum, und war sichtlich über so viel stürmischen Applaus erfreut.

Ein fantastischer Abend mit einer zwei tollen Bands ging zuende, für die sich der Weg nach Leipzig auf jeden Fall wieder einmal gelohnt hatte. Ich wurde in keiner Weise enttäuscht.

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Torsten Volkmer
Volkmr, der Gründer des ehemaligen Goth-Zine.de, verdingt sich „selbst und ständig“ als Linsenputzer bei volkmr fotografie ihm seine Knipsklitsche, hat sich als Chefredakteur 2.0 selbst recycelt, die Metalfriese abgeschüttelt und kämpft mit be subjective! erfolgreich gegen hausgemachte Langeweile, Schubladendenken und seine Profilneurose an. Manchmal darf er auch die RedakteurInnen rumfahren oder Wassereis abstauben.