Review: Rock am Ring 2006

Foto: Torsten Volkmer
Foto: Torsten Volkmer

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Pfingsten 2006 – jeder denkt eigentlich sofort an das 15. Wave Gotik Treffen in Leipzig. Doch das es an Pfingsten auch andere interessante Festivals geben kann wurde nach einem Blick auf den Spielplan von Rock am Ring mehr als deutlich. Zum insgesamt 20. Mal wurde auf dem heiligen Gelände des Nürburgrings mächtig gerockt. An den 3 Tagen spielten mehr als 90 Bands verteilt auf 4 Open Air und Zeltbühnen.

Auch das Goth-Zine-Team hat sich dieses Spektakel nicht nehmen lassen und ist mit viel Zeugs für euch angereist um über das weltweit beliebte Festival zu berichten. Marek Lieberberg (Veranstalter) und sein Team hatte es mal wieder geschafft ein absolut unverwechselbares Programm auf die Beine zu stellen. Sie lockten wieder weitaus mehr als 85.000 Besucher in die Eifel. Die Tage vor dem Festival versprachen wettertechnisch alles andere als rosig zu werden. Dicke Klamotten und vor allem wetterfestes Zeug war angesagt – zumindest bis Freitag früh. Denn der Freitag zeigte sich von der für ein Festival besten Seite. Es war sonnig und durchaus T-Shirt-Wetter. Es konnte also starten!

 

Dresden Dolls

Ganz früh am Freitag wartete auch schon ein großes Highlight auf die Festivalbesucher. Die Dresden Dolls standen gegen 14 Uhr auf der Alternastage und verzückten das bunt gemischte Publikum mit ihrer Mischung aus Punktrock und Weimarer Kabarett . Die eigentlich als Party-Gag gedachte Eintagsfliege hält sich nun schon seit mehr als 5 Jahren und zieht mehr und mehr Fans in ihren Bann. „Allein zu zweit“ wussten die Puppen mehr zu begeistern als manche siebenköpfige Band.

Dir En Grey

Foto: Torsten Volkmer

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Ganz anders – aber nicht weniger „anders“ war die nächste Band. Die auf dem Hype des J-Rocks reitenden Dir En Grey boten einen mehr als gewöhnungsbedürftigen Sound. Die 15 Songs klangen live irgendwie alle gleich – und auch nicht sonderlich harmonisch. Schockieren hatten sich die fünf Asiaten auf die Fahnen geschrieben. Denn neben der Musik schockten die Fünf auch mit einer außergewöhnlichen Performance. Sänger Tooru Nishimura hatte sich vor dem Auftritt die Brust aufgeritzt – doch das reicht natürlich nicht. Und so hielt er gegen Ende des Auftritts noch einmal kräftig mit dem Mikro auf seine Nase – Folge dessen war ein recht blutverschmierter Tooru und ein von geschockt bis entsetztes Publikum. Aufgabe erfüllt, Eins. Setzen.

Korn

Foto: Torsten Volkmer

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Als etwas ganz besonderes sollte sich der Auftritt von Korn herausstellen. Korn – eine Institution in der harten Musikwelt hatten sich für Rock am Ring fest vorgenommen den gesamten Platz zum toben zu bringen. Normalerweise auch kein utopisches Ziel – doch diesmal tat sich Jonathan Davis schwer. Zu Recht, denn wie sich einige Tage nach Rock am Ring herausstellen sollte leidet er an einer Blutkrankheit. Im schlimmsten Fall hätte er durch das viele Headbangen eine Hirnblutung erleiden können, was den sofortigen Tod nach sich gezogen hätte. Doch zum Glück kam es nicht dazu, und so präsentierten der angeschlagene Davis und seine Mannen einen Querschnitt durch die mehr als 10-jährige Karriere der Band. Die Fans bekamen angefangen bei „Falling Away From Me“, über „Freak On A Leash“ bis hin zu „Blind“ alle Hits zu hören und dankten es ausgelassenem Hüpfen. Es schien als würden sie die Band kaum von der Bühne lassen wollen. Grandioser Auftritt.

Tool

Tool – eine Band die mit ihren Querdenkersongs eine riesige Fangemeinde anhäufen konnten wurden von den Massen erwartet. Ist es eigentlich eher nicht mein Fall, doch wollte ich mich gern vom Gegenteil überzeugen lassen – denn live können Songs dann doch anders begeistern als auf der womöglich langweiligen CD. Doch das muss wohl auch nicht immer so sein. Maynard Keenan stand das gesamte Konzert am Hinteren Bühnenrand. Selbst für Fans in erster Reihe war er so kaum zu erkennen. Das Verbot an MTV die Show zu filmen nahm den Fans dann auch noch die Chance das Konzert über die vielen Leinwände zu verfolgen. Ungesehen von den Fans zog die Band also ein cleanes Set durch – nicht mehr und nicht weniger.

Opeth

Foto: Torsten Volkmer

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Ein weiteres Highlight sollte der Auftritt von Opeth werden. Kaum auf der Bühne wurden die Schweden auch schon aufs heftigste bejubelt. Nach dem Intro folgte etwas was auf diese Art für mich neu war. Die Band schaffte es in ihren 30 Minuten Stagetime nur noch 3 weitere Stücke zu spielen.

Sie zogen „The Grand Conjuration“, „Closure“ und „Deliverance“ so in die Länge, dass einfach kein Platz für ein weiteres Stück war. Doch das war auch nicht nötig, denn das Publikum zeigte sich auch so super zufrieden mit dem Gig der Schweden.

Cradle Of Filth

Foto: Torsten Volkmer

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Cardle of Filth hatten es nicht leicht bei Rock am Ring. Denn schließlich sind sie ja einfach anders als der Rest der Bands. Seit Jahren spalten sie mit ihren bombastischen Songs die Hörermeute. Immer wieder habe ich mich gefragt wie sie die Stimmung der CD auf die Bühne transportieren wollen. Leider ist das wirklich nicht so einfach, und gelang der Band auch nicht auf Anhieb. Einige Tonprobleme, zu leise Stimmen sollten die ersten Minuten der Performance prägen. Zum Glück verbesserte sich der Sound, sodass man die restlichen Songs genießen konnte. Eine gute Mischung aus symphonischen und brachialen Stücken zeichnete den Auftritt aus. Mir hats sehr gefallen!

Lacuna Coil

Foto: Torsten Volkmer

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Lacuna Coil betraten die Bühne und brachen gleich richtig los. Die Italiener schwimmen derzeit auf einer unglaublich hohen Erfolgswelle. Seit ihrem neuen Album „Karmacode“ wollen alle nur noch Lacuna Coil. Frontfrau und Markenzeichen der Formation ist die charismatische Cristina Scabbia, die sich mit Gegenpart Ferro das ein oder andere Headbangerduell gab. Gerade in Vorbereitung auf das folgende Depeche Mode Konzert am Sonntag Abend war natürlich die neue Single „Enjoy the silence“ ein Publikumsliebling und wurde lautstark mitgesungen. Klasse.

Placebo

Placebo waren für mich die Enttäuschung des Festivals überhaupt. Angefangen von dem absurden Knebelvertrag für die Fotografen (deshalb hier auch keine Fotos) bis hin zur enttäuschenden Performance. Waren Placebo eigentlich dafür bekannt live immer eine überzeugende Show zu liefern, war davon bei Rock am Ring nichts zu spüren. Keine Lust, kein Applaus.

Depeche Mode

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Sonntag Abend – Zeit für den Topact bei Rock am Ring: Depeche Mode! Dieses Abschlusskonzert sollte etwas ganz besonderes für Rock am Ring und Depeche Mode selber werden. Denn zum ersten Mal in der Bandgeschichte wurde ein Konzert live ins Fernsehen übertragen. Zwar ist der Depeche Mode Frontmann ein wenig in die Jahre gekommen, doch hindert ihn das nicht wie ein junger Teufel über die Bühne zu toben. Gut 2 Stunden lang boten DeMo eine überzeugende Show mit allen Hits der Bandgeschichte. Besser hätte man das Festival nicht abschließen können!

 

Konzertfotos:

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