Nachtmahr: Mädchen in Uniform (2010) Book Cover Nachtmahr: Mädchen in Uniform (2010)
Trisol
29.01.2010
www.nachtmahr.net

Tracklist:

  1. Mädchen in Unform
  2. Mädchen in Unform (Faderhead Remix)
  3. Titanic
  4. El Chupacabra
  5. Tanzdiktator
  6. Tanzdiktator (Modulate Remix
  7. Tanzdiktator (Revolution By Night Remix)
  8. Tanzdiktator (Skinjob Remix)
  9. Tanzdiktator (Yade Remix)
  10. Mörder
  11. Mörder (Feindflug Remix)
  12. Mörder (C/A/T Remix)
  13. Mörder (Symb10te Remix)

Nachtmahr, das ist das Nebenprojekt von Thomas Rainer, der männliche Part des österreichischen Duos L'Âme Immortelle. Bislang feiert er damit große Erfolge. Doch trotzdem sind die Meinungen über seinen musikalischen Seitensprung sehr stark geteilt. Was steckt dahinter?

Die neue Scheibe „Mädchen in Uniform“ beginnt auch sogleich mit der Ode an uniformierte Frauen. Es ist kein Geheimnis, dass viele der schwarzen Szene zugewandten Seelen, dem Uniform-Fetisch frönen. Und bei Nachtmahr wird genau dies gehuldigt und besungen. Treibender Elektrosound, gepaart mit zur Uniform passenem harschen Gesang lässt die Mädels sogleich marschieren. Leider dämmt der Refrain das Gesamtbild wieder ein. Denn das Gegröhle an dieser Stelle erinnert mehr an Betrunkene denn an eine Truppe Soldaten (die es offensichtlich darstellen soll). Der eine ist hier amüsiert, dem anderen stellen sich - erinnert an einen Ballermann der dunklen Szene - die Haare. Tanzbar ist es jedenfalls und nach dem folgenden Feaderhead Remix des Songs bleiben die Beine zu einer Coverversion von Falco’s “Titanic” weiterhin in Bewegung. Überraschend gut passen die harten Klänge Nachtmahrs zu dem Song der 80er.  So erweist Nachtmahr seinem verstorbenen Landsmann die EBM-Ehre und muss sich dabei nicht verstecken. Die wichtigsten Elemente des Originals blieben erhalten und wurden mit den Nachtmahr Einflüssen angereichert und neu interpretiert.

Düster und hart kommt „El Chupacabra“ daher. Größtenteils instrumental, lediglich mit ein paar wenigen reingemischten spanischen Ausrufen. Das Lied über ein lateinamerikanisches Fabelwesen schreitet ein wenig schneller voran als die bisherigen und stellt ebenso wie das folgende „Tanzdikatator“ das von dem Album „Alle Lust Will Ewigkeit“ bekannt ist. Davon bekommt der Hörer neben der Originalversion gleich vier Remixes verschiedener Künstler um die Ohren geblasen. Diese variieren stark, sind jedoch alle eher im Technobereich denn Industrial oder EBM angesiedelt – wie das gesamte Nachtmahr Werk. Alles klingt recht ähnlich trotz der vielen Varianten. Irgendwann gelangt man an den Punkt, bei dem man nicht mehr weiß bei welchem Track des Albums man sich gerade befindet. Auch ein Remix des Songs “Mörder” von Feindflug kann an diesem Punkt nichts mehr reißen. Irgenwann rummst und scheppert es einfach nur noch, auch wenn sämtliche Songs gut tanzbar sind und man sie sich gut als Tanzflächenfüller vorstellen könnte. Doch in der Masse erschlägt es den Hörer fast.

Hinzu gesellt sich das provokante Auftreten Nachtmahrs. Fast schon langweilig und unabsichtlich albern fasst sich eine militärisch gekleidete Nymphe an den Busen und leckt dabei eine Knarre. Auch die übrigen Promofotos in absichtlich provokanten Posen und einem Nachtmahr Logo an der Armbinde, das an Ungutes erinnert. Einen Otto Normalverbraucher und Sarah Connor Hörer scheint dies noch zu schocken, doch in der Szene ist diese übertriebene Darstellung mittlerweile etwas abgedroschen möchte man meinen. Qualitativ gibt es allerdings nichts zu bemängeln. Promoshots als auch musikalisch ist alles hochwertig erstellt und kommt auch genauso rüber.

Freunde von Nachtmahr und auch Agonoize etc. mag auch dieses Album eine Freude bereiten. Wer jedoch nach ursprünglichem EBM oder Industrial sucht, kann hiervon schnell enttäuscht sein.