Linn Koch-Emmery: Being the Girl (2021) Book Cover Linn Koch-Emmery: Being the Girl (2021)
Indierock
Boys Tears AB
07.05.2021
https://www.facebook.com/linnkochemmery/

Tracklist:

  1. (teething)
  2. Hologram Love
  3. No Place for You
  4. Linn RIP
  5. Dirty Words
  6. Wake Up
  7. (The Globe In Morning Lane, June 4th)
  8. Blow My Mind
  9. Paralyzed
  10. Hard to Love
  11. Lasershot

Es war 2017 bei einem Konzert von Johnossi in Bielefeld wo mir Linn Koch-Emmery, die an diesem Abend den Support spielte, zum ersten Mal begegnete. Weder ich noch meine Kollegen vor Ort hatten zuvor so recht auf dem Schirm gehabt wen wir da als Support Act zu erwarten hatten aber was soll ich sagen, am Ende war es Liebe auf den ersten Blick beziehungsweise Akkord. Auch wenn Linns Set damals lediglich knapp 20 Minuten dauerte da sie erst kurz zuvor ihre allererste EP Boys veröffentlicht hatte und ihr Repertoire dementsprechend noch nicht mehr her gab und sie on Stage auch noch etwas zurückhaltend wirkte war ich von ihrem Auftritt, den Songs und dem Sound richtig angetan. Wie auch immer, seit dem bin ich ein Fan.

Mehr als drei Jahre und eine weitere EP (Waves, 2018) später ist es endlich soweit und Linn Koch-Emmery veröffentlichte am 7. Mai ihr langersehntes Debütalbum mit dem Titel Being The Girl. Und dieses Album hält was man anhand der Vorabsingles Hologram Love, Linn RIP, Blow My Mind und Hard to Love erwarten konnte .Zu diesen vier Tracks gesellen sich übrigens fünf weitere neue Songs sowie zwei gut 20 Sekunden lange Interludes / Intro die das Gesamtwerk komplettieren.

Nach dem Intro startet Being The Girl mit Hologram Love, der ersten Single und auch einem unserer Videos der Woche. Vom Aufbau und Sound her kommen bei mir direkt Erinnerungen an Songs wie Don’t Sleep on My Luv von der EP Waves. Musikalisch ist sich Linn also treu geblieben, was die Produktion angeht ist aber schon nach wenigen Sekunden klar dass hier eine deutliche Entwicklung stattgefunden hat. Der Sound ist deutlich ausgefeilter ohne überproduziert zu sein und damit den Charakter und Charme vorangegangener Songs zu verlieren. So kommen beispielsweise der Bass und die Kick nun mit ordentlichem aber keinesfalls zu viel Druck daher und geben dem Instrumental Part mehr Dynamik und Tiefe. Gleichzeitig erhalten die Vocals von Linn etwas mehr Raum, sind cleaner als noch bei den Songs der EPs und in ihrer Lautstärke auch etwas deutlicher von der Musik abgesetzt.

Ein Auftakt nach Maß und hatte Hologram Love noch den, ich nenne es mal, Linn typischen melodischen Touch geht es mit dem nächsten und ersten neuen Song No Place for You in bester Indierock Manier richtig nach vorn. Zwar finden sich auch hier einige melodische Synth Elemente nur dienen diese vorallem der Untermalung und sind weniger prägender Hauptbestandteil. Für mich eines der Highlights des Albums.

Mit dem zweiten vorab veröffentlichten Song Linn RIP (Video der Woche) sowie Dirty Words und Wake Up geht Linn Koch-Emmery dann nach diesem furiosen Beginn langsam aber stetig etwas vom Gas und wieder mehr in die melodischere Richtung und endet schließlich im zweiten Interlude. Gerade Wake Up mag hier vielleicht etwas untergehen aber dieser Song zeigt sehr schön die Vielseitigkeit von Linn, lebt Wake Up doch besonders von Linns leicht rauchig kratziger Stimme und dem Zusammenspiel mit den gerade im Verse sehr dezent aber perfekt eingesetzten Piano welches dann in der Bridge wie auch im Chorus in den Mittelpunkt gerückt wird.

Auf ins letzte Drittel. Mit Blow My Mind nimmt Being The Girl wider etwas an Fahrt auf. Vom Schema her sind klar Parallelen zum Opening Track Hologam Love zu erkennen jedoch ist der ganze Vibe von Blow My Mind um einiges euphorischer. Mit Paralyzed bekommen wir noch mal einen ruhigen Song zu hören. Anfangs nur von Gitarren begleitet geht es gegen Ende in einen experimentelleren Instrumentalteil über wo Reverb, Delay und diverse Sound Spielereien dominieren. Es folgen Hard to Love und der letzte Song des Albums Lasershot und hier findet sich ein wirkliches schönes Detail. Den ganzen Song hinweg und besonders im Chorus haben wir als Theme die Meldoie aus dem Intro. So schließt sich der Kreis und Being The Girl endet so wie es begonnen hat.

Abschließend lässt sich sagen dass Being The Girl ein überaus gelungenes Debütalbum ist. Erwachsener, zielstrebiger und cleaner in der Produktion als die EPs Boys und Waves ohne jedoch nur einen Hauch von dem Einzubüßen was diese ausgemacht haben und dafür sorgen dürfte das Linn Koch-Emmery auch außerhalb Schwedens für ihre Musik endlich die Aufmerksamkeit erhält die sie verdient. Für mich kann ich sagen dass ich gerne die gut zweieinhalb Jahre seit Waves gewartet habe, ich wurde nicht enttäuscht und kann Being The Girl von Linn Koch-Emmery nur empfehlen.