Iron Maiden: Senjutsu (2021) Book Cover Iron Maiden: Senjutsu (2021)
Heavy Metal
Parlophone/Warner Music
03.09.2021
www.ironmaiden.com

Tracklist:

  1. Senjutsu
  2. Stratego
  3. The Writing On The Wall
  4. Lost In A Lost World
  5. Days Of The Future Past
  6. The Time Machine
  7. Darkest Hour
  8. Death Of The Celts
  9. The Parchment
  10. Hell On Earth

 

 

Ist „The Book Of Souls“ tatsächlich schon wieder sechs Jahre her? Unglaublich, aber wahr! Und natürlich ist die (Vor)Freude groß, wenn die Eisernen Jungfrauen ein wenig aus dem Nichts ein neues Album ankündigen.

Aber seien wir ehrlich: Ist die Freude darüber auch noch wirklich gerechtfertigt? Denn genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen der Iron Maiden-Fans. Die Die-Hard-Fans freuts natürlich und auch die jüngeren Fans, die seit der Reunion mit „Brave New World“ (2000) mit an Bord sind wird es sicherlich freuen. Aber es gibt auch viele Alt-Fans die mit den heutigen „Eisernen“ nicht mehr viel abgewinnen können oder schon komplett den Rücken gekehrt haben. Wieso? Viele sind mit den vielen progressiveren Elementen und den „typischen“ Steve Harris-Epen unzufrieden, da man sich unnötig wiederholt. Diese Kritik kann ich durchaus nachvollziehen, denn obwohl ich seit über 20 Jahren Iron Maiden-Fan bin, weiß ich ganz genau, dass man von den Briten im Normalfall ein gutes Album bekommen wird, aber keinen Klassiker mehr. Die ersten sieben Werke sind nun mal absolutes Heiligtum (nicht nur für Fans, sondern für die gesamte Heavy Metal-Musikgeschichte!) und es würde viel mehr überraschen, wenn Steve Harris es „zulassen“ würde, dass wieder mehr aufs Gaspedal gedrückt wird und Duo Dickinson/Smith vermehrt kürzere und knackigere Songs schreiben dürfte. Vereinzelt kam dies bei den letzten Alben auch vor, aber eine komplette Sammlung wäre ein Ausrufezeichen. Vielleicht hebt man die sich aber auch für Bruces Solo-Scheiben auf…

„Senjutsu“ (cooles Cover!) ist zwar leider kein großes Ausrufezeichen, aber doch immerhin ein kleines. Ich hatte ein wenig damit gerechnet, dass Iron Maiden nach einem guten Album wieder ein etwas schwächeres abliefern würden („Brave New World“, „A Matter Of Life And Death“ und „The Book Of Souls“ waren gut. „Dance Of Death“ und „The Final Frontier“ die dazwischen erschienen, waren schwächer). Zu großer Freude muss man sagen, dass „Senjustu“ auch wieder eine gute Platte geworden ist und im Moment die Nase gegenüber seinem Vorgänger vorne hat. Ob das so bleiben wird, wird natürlich erst der „Test Of Time“ zeigen. Es bleibt im Endergebnis schon etwas mehr hängen als beim Vorgänger (und das trotz der progressiveren Epen!). Vor allem der Dreierpack „Stratego“, „The Writing On The Wall“ und „Lost In A Lost World“ haben sich relativ zeitnah im Kopf eingenistet und ploppen mit ihren Refrains im Gedächtnis immer wieder auf. Das restliche Album benötigt dagegen drei, vier Durchläufe bis sich die (teils) versteckten Qualität offenbaren. Allein der titeltrackgebende Opener wirkt zwar ein wenig schwermütig, aber kann immer mehr überzeugen nach jedem Anhören. Ob es eine kluge Entscheidung war, drei Epen an Ende des Albums zu setzen („Death Of The Celts“, „The Parchment“ und „Hell On Earth“), die vom Aufbau her sich auch ein wenig ähneln, sei mal Steve Harris überlassen. Allein die „Zweite Seite“ (vier Songs mit 41 Minuten Spielzeit – damit füllen einige Bands ganze Alben) wirkt beim ersten Betrachten ein wenig ermüdend, aber dies lockert sich nach einigen Durchläufen glücklicherweise (wovon „Darkest Hour“ der stärkste Track ist, aber der Rest dahinter auch seine Momente hat). Speziell „Death Of The Celts“ erinnert ein wenig an „The Clansman“ und „The Parchment“ hat die guten, aber typisch bekannten „Maiden-Dudel-Parts“.

„Senjutsu“ ist ein Album, das man Zeit geben muss und man auch die Lust darauf haben muss darin einzutauchen. Tut man dies nicht, erkennt man auch seine Qualitäten (nicht an). Es ist ein weiteres (gutes) Iron Maiden-Spätwerk, dass nicht die allergrößten Überraschungen parat hat, aber es ist definitiv wert, es sich ins Regal zu stellen. Und sehen wir der traurigen Wahrheit ins Gesicht: Es wird nicht mehr ganz so viele neue Iron Maiden-Studioalben geben, die man sich freudig in seine Sammlung stellen kann.