Cradle of Filth: Darkly, Darkly, Venus Aversa (2010) Book Cover Cradle of Filth: Darkly, Darkly, Venus Aversa (2010)
Peaceville
29.10.2010

Tracklist:

  1. The Cult Of Venus Aversa
  2. One Foul Step From The Abyss
  3. The Nun With The Astral Habit
  4. Retreat Of The Sacred Heart
  5. The Persecution Song
  6. Deceiving Eyes
  7. Lilith Immaculate
  8. The Spawn Of Love And War
  9. Harlot On A Pedestal
  10. Forgive Me Father (I Have Sinned)
  11. Beyond Eleventh Hour

Wenn man Kontroversität in der Metal-Szene sucht, sind Cradle of Filth definitiv nicht weit. Bei kaum einer anderen Band dieses Genres ist die Kluft zwischen Sympathien und Aversionen unter den Heavy Metal Fans so weit und unüberbrückbar. Mit ihrem neunten Studioalbum "Darkly, Darkly, Venus Aversa", das am 27.10.2010 veröffentlicht wurde, schüren die Extrem-Metaller aus England erneut das Feuer der gespaltenen Gemüter.

"Darkly, Darkly, Venus Aversa" ist ein Konzeptalbum, das sich ganz um das Thema Lilith dreht, Dämonin und in der Bibel die erste Frau Adams (ihm ebenbürtig von Gott zur gleichen Zeit und aus der gleichen Erde geformt). In einem Metal-Hammer Interview (September 2010) bezeichnete Dani Filth das Album als "weiblicher Gefährte" zum 2008 erschienenen maskulinen "Godspeed On The Devil's Thunder", das sich inhaltlich auf den französischen Serienmörder Gilles De Rais konzentrierte. "Darkly, Darkly, Venus Aversa" ist darüber hinaus das erste CoF-Album, das keinerlei instrumentale Tracks enthält.

Musikalisch grenzt sich die neue Scheibe wie schon der Vorgänger "Godspeed On The Devil's Thunder" vom eher seichteren "Thornography"-Album (2006) entschieden ab. Drummer Martin Skaroupka knüpft nahtlos an den kraftvoll-schnellen und brutal-hämmernden Sound an, mit dem er auch schon der letzten Platte Tempo und Dramatik verliehen hatte.

Ashley Ellyllon leistet am Keyboard ganze Arbeit, und trägt entscheidend zur Gesamtatmosphäre des Albums bei. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Tatsache, dass Sarah Jezebel Deva, die sanft-süße weibliche Gegenstimme zu Dani Filths rauen Vocals nicht mehr mit von der Partie ist.

Ersetzt wurde sie durch Lucy Atkins, die sich zwar alle Mühe gibt, ihren Part zu meistern, aber Deva nicht das Wasser reichen kann. Um den Part einer Dämonin auf einem CoF-Album überzeugend zu singen, bedarf es neben einer guten Stimme auch der Fähigkeit, die entsprechenden Emotionen überzeugend rüberzubringen. Deva hätte damit keine Probleme gehabt, Atkins hingegen leider schon.

Stimmlich immer noch stark präsentiert sich Frontman Dani, überwiegend im Mittelregister und schon legendärem Kreischen; letzteres allerdings etwas zurückhaltender als gewohnt, was aber auch eine Taktik sein kann, später auf Tour besser durchhalten zu können. In alter CoF-Manier ist Filth's Stimme auch auf diesem Album überwiegend doppelt eingespielt worden, mit dem eigentlichen Gesang im Vordergrund, und typischer Kreischuntermalung im Hintergrund. Auch nach zwanzigjährigem Bandbestehen hat Dani Filth nichts an Stimmgewalt eingebüßt.

Hört man sich das Album im Ganzen an, hat man streckenweise das Gefühl, dass es an Abwechslung fehlt, wird dann aber meistens gerade im richtigen Moment wieder durch kreative Aufrüttler in Songs wie "The Spawn of Love and War" davor bewahrt, beim Zuhören abzudriften.
Die Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch alle elf Tracks, wodurch es der Band gelingt, einerseits ein gut funktionierendes, kompaktes Konzeptalbum abzuliefern. Andererseits jedoch bieten Konzeptalben normalerweise sehr wenig Möglichkeit für herausragende, alleinstehende Songs, was sehr bedauerlich ist.

Danis Texte funktionieren zumindest, und wie immer bekommt man davon jede Menge zum Preis von einem. Obwohl das Album wie schon der Vorgänger "Godspeed On The Devil's Thunder" ein deutlicher Schritt zurück ist zum alten CoF-Sound, wie man ihn von den Alben "V Empire" bis "Midian" gewohnt war, kann "Darkly, Darkly" den alten Klassikern noch lange nicht das Wasser reichen.

Empfehlenswert für CoF-Fans und solche, die es werden wollen – obwohl letztere vielleicht gut daran täten, sich zunächst einige ältere Werke anzuhören, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Diejenigen, die von Cradle of Filth bisher wenig überzeugt haben, werden auch mit diesem Album nicht bekehrt werden. Cradle of Filth sind eben einfach eine Band der Extreme – entweder man hasst sie, oder man liebt sie. Grauzonen dazwischen gibt es nicht.