
Die Kaisermania ist in Dresden längst keine gewöhnliche Konzertreihe mehr. Sie ist eine eigene Jahreszeit. Ein Zustand. Ein Wochenende, an dem plötzlich überall Blumenkränze leuchten, Menschen mit Picknickkörben Richtung Elbe ziehen und selbst diejenigen, die mit deutschem Schlager sonst wenig anfangen können, spätestens bei „Santa Maria“ erstaunlich textsicher werden.
Am 31. Juli 2026 beginnt am Dresdner Elbufer die erste von vier ausverkauften Kaisermania-Nächten. Rund 12.000 Menschen feiern auf dem Gelände der Filmnächte ihren Roland Kaiser, während sich draußen auf den Elbwiesen noch einmal Tausende auf Decken, Campingstühlen und unter kleinen Schirmen eingerichtet haben.
Kaisermania ist eben keine reine Veranstaltung auf einem abgesperrten Konzertgelände. Die ganze Stadt macht mit.
Erst Gewitterwarnung, dann kaiserliches Sommerwetter

Die meteorologischen Vorzeichen könnten besser sein. Für Sachsen sind heftige Gewitter, Sturmböen und Starkregen angekündigt. In der Sächsischen Schweiz richten die Unwetter tatsächlich erheblichen Schäden an. Dresden dagegen wird wieder einmal auf bemerkenswerte Weise umkurvt.
Kein Regen. Kein Hagel. Stattdessen Hitze, sommerliche Temperaturen von mehr als 30 Grad und später ein klarer Nachthimmel, wie bestellt für das große Abschlussfeuerwerk.
Schon seit dem Mittag sind die Elbwiesen in Beschlag genommen. Liegestühle werden aufgestellt, Picknickdecken ausgebreitet, Getränke gekühlt und die ersten leuchtenden Blumenkränze aufgesetzt. Wer kein Ticket bekommen hat, macht es sich eben außerhalb des Geländes gemütlich.
Beim Einlass kommt es allerdings zu einer Verzögerung. Wegen eines medizinischen Notfalls muss der Zugang an der Augustusbrücke zeitweise geschlossen werden. Für einige Besucher bedeutet das nach langem Warten einen zusätzlichen Weg zum anderen Eingang. Gemault wird trotzdem kaum. Ein medizinischer Notfall ist ein medizinischer Notfall. Die Menschen ziehen friedlich weiter – schließlich wartet der Kaiser.
Wenn sich die Tür öffnet…

Eine Vorband gibt es in diesem Jahr nicht. Pünktlich um 20 Uhr beginnt die Show.
Die Bühne präsentiert sich erneut in einem anderen Gewand als im Vorjahr. Große LED-Flächen bestimmen das Bild, flankiert von zwei weiteren Leinwänden, auf denen Roland Kaiser und seine Band auch aus größerer Entfernung gut zu sehen sind.
In der Mitte öffnet sich schließlich die bekannte Tür…
… und dann kommt er.
Fast ein wenig zurückhaltend tritt Roland Kaiser auf die Bühne, bevor ihn der Jubel von 12.000 Menschen empfängt. Für einen Moment wirkt selbst dieser Mann, der seit mehr als fünf Jahrzehnten auf Bühnen steht, sprachlos. Während der ersten Songs glänzen seine Augen verdächtig. Das Publikum, die Altstadtkulisse auf der anderen Elbseite und diese besondere Dresdner Begrüßung scheinen auch an ihm nicht spurlos vorbeizugehen.
Mit 74 Jahren steht Roland Kaiser anschließend rund zweieinhalb Stunden auf der Bühne, als wäre das alles ein ausgedehnter Abendspaziergang. Kein sichtbares Schnaufen. Kein zerknittertes Hemd. Kein Anzeichen dafür, dass unter Weste und Bühnenlicht möglicherweise auch ein Roland Kaiser schwitzen könnte. Der Mann ist einfach immer gekämmt.
Gegen die Liebe kommt Dresden nicht an

Der erste Song liefert direkt die passende Erkenntnis für den gesamten Abend: „Gegen die Liebe kommt man nicht an“. Schon gar nicht, wenn Roland Kaiser sie besingt.
Mit „Sieben Fässer Wein“ geht es danach in einen beschwingten, beinahe mediterranen Konzertabend. Es folgen „Südlich von mir“ und „Mein Kompliment“ – und spätestens jetzt sind alle Anwesenden weichgekocht.
Roland Kaiser beherrscht diese Mischung aus Eleganz, Gefühl und gepflegter Anzüglichkeit wie kaum ein anderer. Er kann von Dreiecksgeschichten, riskanten Affären und Sehnsuchtsnächten singen, bei denen andere Männer vermutlich erst einmal ein ausführliches klärendes Gespräch führen müssten. Bei ihm klingt es charmant, verschmitzt und beinahe gesellschaftsfähig. Vielleicht liegt es am Schlagertakt. Vielleicht an der Weste. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass er Roland Kaiser ist.
Blumenkränze und weiße Fahnen

Das Publikum ist so vielfältig wie die jahrzehntelange Karriere des Sängers. Menschen, die seine Musik seit den Siebzigern begleiten, stehen neben jüngeren Fans, Familien und ganzen Freundinnengruppen. Was viele von ihnen verbindet, ist ihre Liebe zu auffälligem Kopfschmuck.
Blumenkränze leuchten, kleine Kronen glitzern, Hüte blinken. Selbst draußen auf den Elbwiesen werden noch passende Accessoires verkauft. Wer zur Kaisermania kommt, darf ruhig zeigen, auf wessen Seite er steht.
Bei „Liebe kann uns retten“ gehen schließlich Tausende weiße Tücher in die Luft. Sie wehen über dem Publikum, während auch draußen auf den Wiesen mitgesungen und geschunkelt wird. Von dort aus ist die Bühne zwar nur eingeschränkt zu sehen, doch das hält niemanden vom Feiern ab. Auf Picknickdecken wird getanzt, Wein eingeschenkt und jede bekannte Zeile laut Richtung Elbe gesungen.
Kaisermania ist nicht nur das, was vor der Bühne passiert. Sie reicht bis auf die Wiesen, auf die Brücken und auf die gegenüberliegende Elbseite.
Dresden übernimmt „Santa Maria“

Bei „Santa Maria“ müsste Roland Kaiser eigentlich kaum noch selbst singen. Dresden weiß sofort, was zu tun ist, und übernimmt geschlossen. Der Song verfolgt einen schließlich seit Jahrzehnten – unabhängig davon, ob man sich bewusst für ihn entschieden hat oder nicht. Man kennt ihn, man singt ihn. Und plötzlich steht man zwischen Tausenden Menschen am Elbufer und ruft „Santa Maria“, als hätte man nie etwas anderes getan.
Auch bei „Schachmatt“, „Extreme“ und „Mein Geheimnis“ bleibt das Publikum auf höchster Betriebstemperatur. Es wird geklatscht, getanzt und gejubelt. Zwischen den Liedern ertönen immer wieder lange „Oh-oh-oh“-Gesänge, auf die Roland Kaiser teilweise nur noch mit einem gerührten Blick reagieren kann.
Bei „Mein Geheimnis“ entwickelt sich eine regelrechte Klatschparade. Der Kaiser lächelt. Dresden klatscht weiter. Man versteht sich.
Leidenschaft und eine eingespielte Band

Roland Kaiser spricht an diesem Abend immer wieder über Liebe und Leidenschaft. Musik sei seine Leidenschaft, erklärt er vor „Die Gefühle sind frei“. Dass diese Konzerte nicht allein von ihm getragen werden, macht er ebenfalls deutlich. Im Verlauf des Abends stellt er seine große Band vor, in der langjährige Weggefährten neben neuen Gesichtern stehen.
Die langjährige Backgroundsängerin Christiane Eiben kann die Sommertour krankheitsbedingt nur vereinzelt begleiten. Ihre Parts werden an diesem Abend von einer Kollegin übernommen. Gemeinsam mit der zweiten Sängerin sorgt sie dafür, dass auch die Duette ihren festen Platz im Programm behalten. Bei „Du, deine Freundin und ich“ wird es schließlich wieder ausgesprochen kaiserlich. Sagen wir es, wie es ist: Roland Kaiser singt hier nicht über einen gemeinsamen Besuch im Baumarkt. Dresden nimmt die Einladung zur musikalischen Dreiecksgeschichte trotzdem begeistert an.
Warum Dresden nicht Nein sagt

Der erwartbare Höhepunkt folgt mit „Warum hast du nicht nein gesagt“. Teile der Band ziehen sich zurück, während Roland Kaiser und seine Duettpartnerin den Song gemeinsam präsentieren. Als sich die beiden auf der Bühne näherkommen, steigt der Geräuschpegel am Elbufer noch einmal deutlich an. Dresden liebt offenbar kaiserliche Neckigkeiten.
Das Publikum singt den Refrain so laut, dass Roland Kaiser sich theoretisch problemlos einen Stuhl holen und für einige Minuten zuhören könnte. Vermutlich könnte Dresden große Teile der Kaisermania inzwischen vollständig allein aufführen. Texte sitzen. Einsätze sitzen. Selbst die passenden Armbewegungen sind vorhanden. Die Stimmung ist nicht einfach gut. Sie ist euphorisch, dankbar und vom ersten bis zum letzten Song bei mindestens 120 Prozent.
Ein rockiges „Es geht schon wieder los“

Für „Ich glaub, es geht schon wieder los“ bekommt der bekannte Klassiker ein überraschend düsteres Cello-Intro. Der Song klingt plötzlich größer, dramatischer und ein wenig rockiger, bevor er in seine vertraute Form übergeht. Genau solche Arrangements bewahren die alten Hits davor, zu reinen Pflichtübungen zu werden. Die Melodie bleibt, das Gewand verändert sich.
Mit „Sweet Caroline“ taucht außerdem ein englischsprachiger Klassiker im Programm auf, den erst wenige Wochen zuvor Sportfreunde Stiller in der Jungen Garde angestimmt haben. Sie hätten eigentlich direkt vorbeikommen können. Roland schafft es allerdings auch allein. Dresden beherrscht das obligatorische „So good, so good, so good“ schließlich ebenfalls ohne besondere Vorbereitung.
Joana, Liebe und das fünfte Element

Für den Zugabenblock kehrt Roland Kaiser mit „Joana“ zurück. Spätestens jetzt existieren im Publikum kaum noch Menschen, die sich nicht bewegen. „Im 5. Element“ und „Dich zu lieben“ führen weiter durch die großen Gefühle, bevor „Bis zum nächsten Mal“ den passenden Abschluss bildet. In diesem Fall ist das nächste Mal sogar ziemlich konkret. Bereits am folgenden Abend steht Roland Kaiser wieder an derselben Stelle. Eine Woche später folgen zwei weitere ausverkaufte Konzerte.
Bevor sich die erste Kaisermania 2026 endgültig verabschiedet, erleuchtet ein großes Feuerwerk den Nachthimmel hinter der Bühne. Die Dresdner Altstadt liegt gegenüber im Dunkeln, darüber explodieren Farben, während die letzten Töne über die Elbe ziehen. Kein Gewitter. Kein Regen. Nur Feuerwerk.
Eine Stadt liegt ihrem Kaiser zu Füßen

Man muss Roland Kaiser nicht mögen, um anzuerkennen, was die Kaisermania für Dresden bedeutet. Sie bringt Menschen aus allen Himmelsrichtungen in die Stadt, füllt Hotels und Restaurants und verwandelt das Elbufer an vier Sommerabenden in eine große gemeinsame Feier. Drinnen stehen 12.000 Menschen, draußen feiern weitere Tausende mit. Generationen singen dieselben Lieder und tragen blinkende Blumenkränze, als wäre das vollkommen normal. Und vielleicht ist es das in Dresden inzwischen auch.
Roland Kaiser liefert dafür nicht nur ein routiniert abgespultes Hitprogramm. Er wirkt berührt, präsent und ehrlich dankbar. Gleichzeitig steht er mit einer Leichtigkeit und Sicherheit auf der Bühne, die vergessen lässt, wie viel Kraft hinter zweieinhalb Stunden Musik, Moderation und Bewegung steckt. Natürlich gibt es Feuerwerk, Ballons, große Leinwände und eine aufwendige Produktion.
Der eigentliche Kern der Kaisermania bleibt aber die Verbindung zwischen einem Sänger und einer Stadt, die ihn vor vielen Jahren zu ihrem Kaiser gemacht hat.
Gegen diese Liebe kommt man wirklich nicht an.
Bis zum nächsten Mal, Roland.
Galerie (Fotos by Kristin Hofmann bs! 2026)
Roland Kaiser – Kaisermania (31.07.2026, Dresden)
Setlist Kaisermania 2026
- Gegen die Liebe kommt man nicht an
- Sieben Fässer Wein
- Südlich von mir
- Mein Kompliment
- Stark
- Liebe kann uns retten
- Manchmal möchte ich schon mit dir
- Alles was du willst
- Lasst uns reden
- Santa Maria
- Lieb mich ein letztes Mal
- Haut an Haut / Hier fing alles an / Flieg mit mir zu den Sternen / Wohin gehst Du / Amore mio
- Schach matt
- Extreme
- Mein Geheimnis
- Die Gefühle sind frei
- Midnight Lady (Chris-Norman-Cover)
- Sag ihm, dass ich dich liebe (Riccardo-Fogli-Cover)
- Kurios
- Du, deine Freundin und ich
- Warum hast du nicht nein gesagt
- Ich glaub, es geht schon wieder los
- Sweet Caroline (Neil-Diamond-Cover)
Zugabe:
- Joana
- Im 5. Element
- Dich zu lieben
- Bis zum nächsten Mal
Links:
Kaisermania:
https://www.kaiser-mania.de
Roland Kaiser:
https://www.roland-kaiser.de


