Was für eine Ankündigung: High Vis und Militarie Gun spielen eine Co-Headline Show im Tower – einer, von nur zwei Deutschlandterminen. Klar, dass das `ne ausverkaufte Nummer wird. Zu Recht, es sollte eine dieser Shows werden, von denen man noch lange sprechen wird. Schon vor Einlassbeginn versammelt sich eine Schlange Vans tragender, volltätowierter Leute an den verschlossenen Toren des Towers mit Bandshirts von Converge, Angel Du$t und Co. Könnte also wild werden.


Als Militarie Gun überpünktlich kurz vor 20 Uhr die kleine Bühne betreten, ist der Tower schon gut voll, doch während des Sets stellt sich schnell heraus, dass der Großteil der Gäste für High Vis gekommen sein dürfte. In den ersten 2-3 Reihen gibt es ein paar textsichere Fans, doch insgesamt bleibt es im Zuschauerraum sehr verhalten. An der dargebotenen Show liegt dies allerdings nicht. Die Band aus Los Angeles, die sich seit 2020 in der Punk- und Hardcoreszene umhertreibt, spielt ein kurzweiliges, energiegeladenes Set. Ganz nach dem Motto Do it faster. Die halten sich die Ansagen kurz:
„Have we been here before?“

fragt Sänger Ian Shelton. „No one ever comes here“, hallt es aus dem Publikum zurück. Natürlich kommen immer mal wieder hochkarätige Gäste nach Bremen, aber diese zwei Bands im Tower, das ist in der Tat etwas Besonderes. An eine Begebenheit aus Deutschland erinnert sich Shelton dann doch. So wurde ihm einst lob für seine lyrischen Fährigkeiten im Song I Thought you were waving ausgesprochen. Dieser ist es auch, der das erste Mal etwas mehr Energie im Publikum auslöst, die sich auch bei Kick und B A D I D E A halten kann. Aber dann ist es schon vorbei. 15 Songs in gefühlt 15 Min, darunter mit World’s Always Burning auch eine neue Nummer, die einen Tag später samt Feature von Mannequin Pussy veröffentlicht werden sollte.


Nach knackiger Umbaupause finden sich die britischen High Vis auf der Bühne ein, die bereits im vergangenen Jahr eine Tour mit Militarie Gun canceln mussten, den Grund dafür erzählt Frontmann Graham Sayle im Laufe des Abends. Bereits mit dem ersten Song Drop Me Out verändert sich die Energie im Saal. Statt der gutgelaunten Kalifornier steht dort nun ein grimmig starrender Mann hinter dem Mikrofon, für welchen die Bühne des Ladens sichtlich zu klein ist. Wie ein eingesperrtes Tier im Zoo stampft er von rechts nach links immer und immer wieder, und hält zwischendurch nur an, um mit einer wahnsinnigen Enerigie ins Mikrofon zu schreien. Bei großen Festivalshows und als Support von Turnstile konnte sich die Band in der jüngsten Vergangenheit einen Namen in Deutschland erspielen. So eröffnet sich bereits zum zweiten Song Walking Wires ein Moshpit. Mit der Energie halten es die Bremer*innen wie die nahegelegene Nordsee: Ebbe und Flut. Bei einigen Nummern kracht es richtig, bei anderen zieht man sich zurück.

Das kennt die Band definitiv anders, schaut man sich Aufnahmen aus der jüngsten Konzerthistorie an. Sayles und seine Kollegen geben hingegen die gesamte Zeit 100%. Die Setlist rast durch alle erfolgreichen Nummern der Band und beinhaltet auch einen neuen, scheinbar unbetitelten Song. Zwischen den Liedern zeigt er sich der Frontmann dankbar für das zahlreiche erscheinen der Leute, die es ihm erlauben, genau das zu machen, was er liebt. Dass er es nicht immer leicht hatte, erfährt man nicht nur durch die Songs. Sayles spricht offen und absolut ungeschönt über seine Kämpfe mit Drogen, Depressionen und Suizidversuche, einer davon erst im letzten Jahr. Zum letzten Song Trauma Bonds entledigt er sich seines T-Shirts und zeigt die großen Narben auf seinem Oberkörper. Heftig. Wirkungsvoll.

Ohne großes Zugabengehabe ist dann Schluss und das Publikum wird mit diesem schweren letzten Eindruck nach Hause entlassen. Graham Sayles findet sich indes in Sekundenschnelle am Merch ein, lässt Shirts über den Tresen wandern und findet für jeden Fan ein offenes Ohr. Ob es noch einmal so die Möglichkeit geben wird, High Vis in so einem intimen Setting zu erleben? Vermutlich nicht.
Galerien (by Thea Drexhage bs! 2026)
Setlist Militarie Gun
- Fill Me With Paint
- Maybe I’ll Burn My Life Down
- Think Less
- Pressure Cooker
- (Dazy cover)
- Do It Faster
- Very High
- Will Logic
- God Owes Me Money
- Wake Up and Smile
- Throw Me Away
- Ain’t No Flowers
- World’s Always Burning
- Thought You Were Waving
- Kick
- B A D I D E A
Setlist High Vis
- Drop Me Out
- Walking Wires
- Talk for Hours
- Altitude
- Out Cold
- Farringdon
- Mob DLA
- Forgot to Grow
- Guided Tour
- 0151
- Fever Dream
- A Fist for When You’re Down
- (Unknown) (New song)
- The Bastard Inside
- Choose to Lose
- Mind’s a Lie
- Trauma Bonds


