Kommentar: Unesco City of Bullshit – Béi Chéz Heinz

Kettenfett im BCH (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Hannover feiert sich seit 2014 als in den Olymp der Musikkultur erhoben, als  Unesco „City of Music“ und hat neben einer weltweit renommierten Musikhochschule, subventionierten Kulturzentren und Pipapo auch eine blühende Musikszene. Nicht wegen, sondern trotz den EntscheiderInnen aus der Politik und Wirtschaft.

Béi Chéz Heinz (Foto: Isabelle Hannemann)

Die Realität: Überteuerte Proberaum-Mieten bei desolaten Sanitär- und oft fehlenden Heizungsanlagen, zunehmende Auflagen für Outdoorveranstaltungen, die selbst das Fährmanns- oder Maschseefest tangieren und für kleine Musikprojekte wegen horrender Standmieten unbezahlbar sind, sodass MusikerInnen in der Regel nicht einmal entlohnt oder mit lächerlichen Honoraren dafür abspeist werden, dass sie ihre eigenen Instrumente und Anlagen für 15 Minuten Spielzeit im Schatten der Kröpcke-Uhr aufstellen un natürlich selbst transportieren dürfen (siehe „Fête de la Musique“ & Co.).

Und als wäre das nicht genug verabschieden sich immer mehr Alternative Clubs und Musikkneipen aus dem kulturellen Stadtbild. So erging es der Pupille in der List 20121, aber auch die Galerie Lunar in Linden-Nord2 oder der Gut e.V. wurden wegen Ruhestörung geschlossen, teurer vermietet oder was man sich so einredet. Jetzt ist die Negativbilanz perfekt, denn in den Kommentarspalten der Hannoverschen KünstlerInnenszene macht sich die Empörung über die Nachricht, dass das BCH endgültig weichen soll, breit.

Hintergrund: Seit Monaten werden – im Zusammenhang mit der Sanierung/des Neubaus des Fössebades – die unmittelbaren Auswirkungen auf das Béi Chéz Heinz diskutiert. Allerdings nicht oder nur halbherzig von den Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung, während MusikerInnen, Bands und KünstlerInnen der Stadt um einen Raum fürchten, der so nicht ohne weiteres seinesgleichen findet, versetzbar oder gar ersetzbar ist.

„Liebe Freundinnen und Freunde des Béi Chéz Heinz,
jetzt wird es ernst. Ohne mit uns gesprochen zu haben, erfahren wir aus der Presse (08. April2017), dass wir weichen müssen. Das Béi Chéz Heinz, bekommt keine städtischen Subventionen, wie vergleichbare Einrichtungen in der Stadt. Seit 1995 (22 Jahre) hat das Béi Chéz Heinz mit seiner Pacht dazu beigetragen, dass das privat geführte Fössebad, mit zu finanzieren.
Die Stadt Hannover hat dadurch viel Geld gespart und Gewerbesteuer eingenommen.
Als Dank, wird das Béi Chéz Heinz abserviert.
Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass das Béi Chéz Heinz an der jetzigen Stelle am besten aufgehoben ist. Jede Form der Umsiedlung kann oder soll zur Folge haben, dass das Béi Chéz Heinz stirbt.
Wir haben einen Architekten und Statiker beauflagt, die zu dem Ergebnis gekommen sind, dass ein Teil des alten Gebäudes mit dem Bei Chéz Heinz im Keller erhalten werden kann.
Das würde bedeuten, es kann ein Ort für Kultur kostenneutral erhalten werden.“ (BCH)3

„Klar ist inzwischen auch, dass sich der Musikclub Béi Chéz Heinz im Keller des Fössebads neue Räume suchen muss. Das Kulturdezernat hat allerdings angekündigt, bei der Suche nach einer Lösung behilflich zu sein.“4

Ob C. Stein Schneider (Wohnraumhelden / Fury in the Slaughterhouse), Fat Belly, Spielvereinigung Linden Nord, Jan Egge Sedelies, BUM Bier u.v.m. Die Empörung hat gerade erst Anlauf genommen. Oder um es mit den Worten der Göttin der Musik zu sagen:

Wieviel Millionen Steuern haben wir hannöverschen Musiker dieser Stadt ins Steuersäckel getan? dieses Pack schmückt sich mit dem Titel „city of music“. …
Ich kann nicht soviel essen wie ich kotzen könnte.

Kettenfett (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Sicher ist, dass sich Das Béi Chéz Heinz nicht so einfach in einem Halbsatz abschaffen lassen wird. Die Solidarität mit KünstlerInnen, der Ruf des Clubs und Verankerung im Stadtteil sind den MacherInnen hier gewiss.

So widmen die MacherInnen dem Thema gleich ein Festival: Das traditionelle 11. große Béi Chéz Heinz April Coverfestival trägt in diesem Jahren den Namen Time to say good Heinz. 25 Bands unterschiedlichen Genres teilen sich zwei Tage lang die Bühne im Keller Eures Vertrauens und covern drei zugeloste Songs. Eröffnet wird das Festival am 28. April 2017 um Punkt 20:00 Uhr von den galaktischen Straighters of the Universe eröffnet. Mit dabei außerdem: The Voices Of Sodom, Shot Dog, Zinker, Cella´Door, SpVgg Linden-Nord, Guacamole Aqui, 17 Seconds, Lady Crank, Monomaster, Fat Belly, Beatbar, Fakt!, Einraumkneipe, Betrayed By A Seahorse, Macclesfield, The Heinz, Candy Trip Down, Dukeblox, The Daisies, Almost Frank, No More Heroes, Aeonyzhar, Werner Strong, Pfefferade.

Eben ein typischer City of Music Moment.

Die Dates:

  • 28.04.2017 Hannover, Béi Chéz Heinz Time to say good Heinz 
  • 29.04.2017 Hannover, Béi Chéz Heinz Time to say good Heinz 

Links:
www.facebook.com/Heinzmussbleiben
www.beichezheinz.de
www.facebook.com/AprilCoverFestival

Beschwerden:
www.hannover.de/UNESCO-City-of-Music/Geschäftsstelle
www.hannover.de/UNESCO-City-of-Music

Stefan Schostok (Oberbürgermeister Landeshauptstadt Hannover)
SpVgg Linden Nord (Foto: Isabelle Hannemann bs!)

Anmerkungen:

1 HAZ online | Musikkneipe Pupille droht das Aus | haz.de 25.03.2012 [Zugriff 09.04.17]
2  HAZ online | Galeria Lunar muss schließen | hat.de 10.03.2015 [Zugriff 09.04.17]
3 www.facebook.com/Heinzmussbleiben [Zugriff 09.04.17]
4 HAZ online |40 Millionen Euro für zwei neue Hallenbäder | haz.de 08.04.2017 [Zugriff 09.04.17]