Review: Das Metall-Facharbeiter -Treffen – U.D.O., Reece und DCR (13.02.2019, Hannover)

U.D.O. (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Menschen die im Metallbau arbeiten stellt man sich gewöhnlich so vor: männlich, muskulös, kräftig, kernig, in der Regel mit Bart. Die Einstellungsvoraussetzungen für eine Metal-Band dürften ähnlich sein: markant männlich, viele Haare am Kinn und noch mehr am Kopf, oftmals bis zum Allerwertesten. Und wenn man(n) dann noch eine Gitarre halten, oder diese optimalerweise sogar spielen kann, ist das von großem Vorteil.

Dead City Ruins (Foto: Michael Lange bs! 2019)
Dead City Ruins (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Die Jungs von DCR erfüllen diese Voraussetzungen par excellence. Zack, Bumm. Eingestellt, und schwupps Mitglied einer Metal-Band.  Wenn eine australische Band sich Dead City Ruins nennt, geht einem als Erstes wohl die Endzeitstimmung a la Mad Max durch den Kopf. Das passt in diesem Fall aber überhaupt nicht, da an den Drums doch eher der Potter-Hagrid sitzt. Sehr cooler Typ, sogar in seinen Ringelsocken. Musikalisch sind DCR so breit aufgestellt wie Frontmann Jake Wiffen beim Posen. Heavy-Metal, Blues- und Southern-Rock bilden einen perfekten Soundteppich für seine erdig-markante Stimme. Black Sabbath hätten ihre Freude an den Aussies. Die 500 Fans im Capitol haben sie auch. Ein sehr gelungenes Warm-Up für den Abend.

Reece (Foto: Michael Lange bs! 2019)
Reece (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Rockbands werden oft nach dem Namen des Frontmannes benannt. Das trifft auf DIO, benannt nach Ronnie James Dio als auch auf Van Halen zu, wo Eddie van Halen Namensgeber war. Auch David Reece gehört zu dieser Spezies. Der Ex-Bonfire, Ex-Accept-Sänger und aktueller Bangalore Choir-Frontmann wollte mal was eigenes machen und hat deshalb Reece  gegründet. Seinem Stil ist er selbstverständlich treu geblieben. Das im November 2018 erschienene Solo-Album „Resilient Heart“ bildet den Grundstein seines Auftritts. Gitarrenlastige Hard-Rock-Riffs paaren sich hier mit melodischem Heavy Metal. Das zusammen mit seinen großartigen Leadvocals machen den unverkennbaren Sound von Reece. Der Mann ist Rock´n´Roller durch und durch.  Das er wie eine Diva daherkommt? Egal Karl. Das sei ihm verziehen und spielt hier im Capitol überhaupt keine Rolle. Die Fans lieben sein „Karma“, wollen selbstredend „Live Before You Die“ und auch der Accept-„Hellhammer“ als Abschluss des Auftritts lässt keine Metal-Wünsche offen.

He’s a tongue reaper

Burns in your throat

Tongue reaper’s alive

He’s a tongue reaper

Tied up and sold

Ripping your tongue out of sight

U.D.O. (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Was Udo Dirkschneider mit David „The Diva“ Reece verbindet ist die Tatsache, daß auch er ein Ex-Accept-Sänger ist. Die Einstellungsvoraussetzungen für eine Mitgliedschaft in einer Rock-Band braucht der 66-jähige nicht mehr erbringen, denn er ist der Boss, der Bestimmer, der Namensgeber, der Napoleon der Band. Frei nach dem Motto „Lasst große Männer um mich sein“, lässt er seine Band für sich „arbeiten“. Den Schnick Schnack von Rudel-Rock, Breitbein-Posen und auf der Bühne hin- und herrennen, hat Rock-Udo nicht (mehr) nötig. Er ist die fleischgewordene Metal-Kugel und das ist durchaus liebenswürdig gemeint. Udo Dirkschneider ist unverwüstlich, ein Schwergewicht des Metal.

U.D.O. (Foto: Michael Lange bs! 2019)

Mit „Steel Factory“ hat er erneut bewiesen, daß er, Verzeihung für das Wortspiel, noch nicht zum alten Eisen gehört. Die neue Scheibe begeistert nicht nur die Kritiker, sondern auch die Fans. Seine Stimme kommt gepresst daher. Es quietscht und knarzt im Stimmgebälk. Lang und schrill seine Schreie. Und immer wieder Udo, Udo-Rufe. Mit ins Band-Boot hat er seinen Sohn Sven Dirkschneider geholt. Dieser thront hoch oben an seinen Drums. Und dieses Schlagwerk hat es in sich. Wäre es ein Auto, dann wäre es definitiv ein Zwölfzylinder Turbo, natürlich mit Nummernschild. Die Initialien D und S stehen auf den Bass-Drums. Der Junior zeigt Flagge. Die Tatsache, dass Dirkschneider  Senior sich Auszeiten nimmt ist kein Problem. Dann übernehmen die Metal-Malocher. Gitarrist Dee Dammers gibt dann mal ein Solo im Flamenco-Style und Bass- und Drum-Solo gehören sowieso zu jedem guten Hardrock-Konzert.  Genauso wie die neuen und alten Songs.

U.D.O. (Foto: Michael Lange bs! 2019)

„Tongue Reaper“ fügt sich geschmeidig ein in die lange Metal-Perlenkette bis hin zu „Man and Machine“ und „They Want War“ im Zugabenteil. Die Steelfactory glüht. Die Metal-Facharbeiter haben abgeliefert. Und jetzt, jetzt ist verdienter Feierabend. Gute Nacht aus Hannover.

Galerien (by Michael Lange bs! 2019):

Setlist Reece:

  1. D-Train (Accept song)
  2. Any Time at All
  3. Karma
  4. Two Coins and a Dead Man
  5. Generation Clash (Accept song)
  6. Perfect Apocalypse
  7. X-T-C (Accept song)
  8. Desire
  9. Live Before You Die
  10. What About Yesterday
  11. Hellhammer (Accept song)

Setlist U.D.O.:

  1. Intro
  2. Tongue Reaper
  3. Make the
  4. 24/7
  5. Mastercutor
  6. A Cry of a Nation
  7. Metal Machine
  8. Independence Day
  9. In the Heat of the Night
  10. Vendetta
  11. Rising High
  12. Guitar Solo
  13. In the Darkness
  14. I Give as Good as I Get
  15. Drum / Bass Solo
  16. Timebomb
  17. Hungry and Angry
  18. Heart of Gold
  19. One Heart One Soul
  20. Holy
  21. Animal House
  22. Man and Machine
  23. They Want War
  24. Outro The Show Must Go On  (Queen song)

Links:
www.udo-online.com