Es gibt Konzertorte, die beeindrucken schon, bevor der erste Ton erklingt. Die Festung Königstein gehört zweifellos dazu. Hoch über der Elbe, mit Blick auf die Sächsische Schweiz und eingerahmt von historischen Sandsteinmauern, bietet der Kasemattenhof eine Kulisse, die ihresgleichen sucht. Am Donnerstagabend gastieren dort Royal Republic – und schnell wird klar: Schwedischer Rock’n’Roll und mittelalterliche Festungsmauern passen erstaunlich gut zusammen.
Bereits vor Konzertbeginn herrscht entspannte Sommerstimmung. Wer sein Ticket im Vorverkauf gekauft hat, darf die Festung schon tagsüber erkunden und ganz nebenbei einen Blick auf Soundcheck und Bühnenaufbau werfen. Die Anreise funktioniert unkompliziert – egal ob mit der S-Bahn, deren Nutzung bereits im Ticket enthalten ist, oder mit dem Fahrstuhl hinauf zur Festung. Wer lieber zu Fuß kommt, sammelt ganz nebenbei noch ein paar ordentliche Höhenmeter.

Bei knapp 30 Grad ist der Schatten im Kasemattenhof Gold wert. Während draußen die Sonne die Sandsteinfelsen der Sächsischen Schweiz in warmes Licht taucht, wartet das Publikum entspannt mit kühlen Getränken, Bratwurst und bester Aussicht auf den Konzertabend.
Den Auftakt übernehmen Headjet aus Berlin. Die junge Band liefert ein energiegeladenes Set zwischen Alternative Rock und Punk, bleibt dabei politisch, laut und angenehm unbequem. Nicht jede Ansage trifft den Geschmack aller Besucher, doch die große Mehrheit geht mit. Spätestens beim kleinen Moshpit gegen Ende ihres Auftritts ist klar: Der Abend ist erfolgreich eröffnet.

Nach einer kurzen Umbaupause betreten Royal Republic die Bühne – und der Kasemattenhof explodiert förmlich vor guter Laune.
Festung Königstein ist „My House“

Die Bühne ist erstaunlich niedrig. Zwischen Band und Publikum liegt kaum Abstand. Statt großer Arena-Distanz entsteht fast das Gefühl eines überdimensionierten Wohnzimmerkonzerts. Kaum erklingen die ersten Takte von „My House“ und „Lovecop“, springt der Funke über. Mit „Getting Along“ und später „Back From The Dead“ wird aus begeistertem Mitwippen ausgelassenes Feiern.

Spätestens bei „Full Steam Spacemachine“ gibt es kein Halten mehr. Der gesamte Innenhof scheint gleichzeitig zu springen, zu tanzen und zu singen. Moshpits öffnen sich, Crowdsurfer schweben über die Menge und selbst die historischen Mauern dürften an diesem Abend ordentlich mitgewippt haben.

Dass Royal Republic nicht nur musikalisch überzeugen, sondern auch fantastische Entertainer sind, beweist Frontmann Adam Grahn immer wieder. Mitten im Konzert verschwindet er kurzerhand von der Bühne und steht plötzlich zwischen den Fans. Dort organisiert er sich zunächst einen knallpinken Fächer aus dem Publikum, um der schwedischen Lederjacken-Disziplin bei 30 Grad etwas Erleichterung zu verschaffen. Kurz darauf bestellt er per Zuruf am Bratwurststand gleich zwei Bratwürste. Dann fällt ihm auf, dass etwas Entscheidendes fehlt.
„My beer!“

Ein Crewmitglied reicht ihm das Getränk nach. Natürlich nicht, ohne dass Adam augenzwinkernd darauf hinweist, das Bier bitte nur einer verantwortungsvollen Person anzuvertrauen. Und überhaupt – das sei schließlich nicht das erste Bier des Tages.
Genau dieser Humor zieht sich durch den gesamten Abend.
Als wäre das noch nicht genug, drückt Adam einem Fan kurzerhand einen kleinen Percussion-Block samt Drumstick in die Hand. Während die Band auf der Bühne weiterspielt, übernimmt der Zuschauer kurzerhand den Rhythmus. Solche Momente lassen sich nicht planen – und genau deshalb bleiben sie im Gedächtnis. Royal Republic wirken nie wie unnahbare Rockstars. Vielmehr hat man das Gefühl, vier Freunde dabei zu beobachten, wie sie gemeinsam den Spaß ihres Lebens haben.
Dieser Eindruck zieht sich durch den gesamten Abend. Immer wieder wird deutlich, wie eng die Band miteinander verbunden ist. Adam erzählt, dass sie sich bereits in der Schulzeit kennengelernt haben und seit vielen Jahren gemeinsam Musik machen. Bereut habe er davon keine einzige Sekunde. Man glaubt ihm jedes Wort.
Die Akustikgitarre – eine sehr gefährliche Waffe…

Mit „Boomerang“ wird es zwischenzeitlich etwas ruhiger. Adam erklärt schmunzelnd, eine Akustikgitarre sei wohl die gefährlichste „Sexual Weapon“ überhaupt. Das Publikum lacht, singt mit und genießt den kleinen Kontrast, bevor es wenig später wieder laut wird.
Für eine weitere Überraschung sorgt die Band mit „Venus“, ihrer Version des Shocking-Blue-Klassikers von der aktuellen Cover-EP The Blastbeaters. Auch hier beweisen Royal Republic, dass sie bekannte Songs mühelos in ihren eigenen Sound verwandeln können.
Als die Dämmerung endgültig über der Festung liegt und die Bühne in tiefes Rot getaucht wird, entfaltet „Lazerlove“ eine ganz besondere Atmosphäre. Für einen kurzen Moment tritt die wilde Party in den Hintergrund. Der Blick schweift über die alten Mauern, während hunderte Stimmen gemeinsam mitsingen.

Lange hält die Ruhe allerdings nicht an. Adam erzählt, dass er ursprünglich am liebsten eine richtige Metalband gegründet hätte. Wirklich begeistert davon seien allerdings nur er und Bandkollege Jonas Almén gewesen. Also bleibt es beim augenzwinkernden Ausflug in die härteren Gefilde. Mit Metallicas „Battery“ lassen die beiden ihre innere Metal-Seele für ein paar Minuten völlig ungehemmt heraus. Schnell, laut und herrlich kompromisslos.
Den endgültigen Abriss liefert schließlich „RATA-TATA“. Noch einmal fliegen Crowdsurfer über die Menge, noch einmal springt der gesamte Kasemattenhof im Takt. Den Abschluss bildet überraschend Karl Dahls Kultsong „Heute schütte ich mich zu“, den die Schweden mit bemerkenswert gutem Deutsch und jeder Menge Augenzwinkern präsentieren.

Als die letzten Töne verklungen sind, möchte eigentlich niemand so richtig nach Hause. Die Band bleibt noch einen Moment auf der Bühne, das Publikum applaudiert unermüdlich und genießt die letzten Minuten dieses außergewöhnlichen Sommerabends. Erst langsam leert sich der Innenhof. Einige stöbern noch am Merchandise-Stand, andere holen sich ein letztes Getränk, bevor es entspannt zurück zur S-Bahn oder ins Parkhaus geht.

Royal Republic beweisen an diesem Abend eindrucksvoll, dass große Konzerte keine riesigen Stadien brauchen. Eine historische Festung, ein lauer Sommerabend, vier hervorragend aufgelegte Schweden und ein Publikum, das vom ersten bis zum letzten Song alles gibt – manchmal braucht es einfach nicht mehr.

Galerien (by Kristin Hofmann bs! 2026)
Headjet (16.07.2026, Königstein)
Royal Republic (16.07.2026, Königstein)
Setlist Royal Republic
- My House
- LoveCop
- Getting Along
- Baby
- Boots
- Stop Movin’
- Back from the Dead
- Full Steam Spacemachine
- Boomerang
- Venus (Shocking Blue Cover)
- Fireman & Dancer
- Tommy-Gun
- Lazerlove
- Battery (Metallica Cover)
- RATA-TATA
- Heute schütte ich mich zu (Karl Dall Cover)


