Review: Negative, Day Eleven (15.09.2007, Dresden)

Foto: Kristin Hofmann
Foto: Kristin Hofmann

Foto: Kristin Hofmann

Es war kurz nach 19Uhr an einem angenehmen Abend im Dresdner Industriegelände. Vor den Toren der Reithalle hat sich eine mittelgroße Menge, bestehend aus überwiegend weiblichen Wesen, gehüllt in fast ausschließlich schwarz und pink, angesammelt und sie schauten gierig aufs Tor, welches sich dann endlich 19.30 Uhr öffnete. Und es ging schnurstracks durch die Eingangstür, um sich einen guten Platz zu sichern, wenn die schnuckeligen Schnuckels von Negative heute Abend die Bühne betreten.

Auffällig war der ruhige Einlass: Es gab keine Kratz- oder Schubsattacken, kein großes Geschreie, kein Gedränge. Vorbei wars mit den unzivilisierten Einlässen zu Negative Konzerten, wie man sie noch vor ein oder zwei Jahren kannte. Leicht gesunken war auch die Zuschauerzahl. Laut Veranstalter „nur“ 458 Gäste, was vielleicht für ein NGT Konzert wenig sein mag, was der Stimmung an diesem Abend aber keinen Abbruch tun sollte. Die Halle war gut zur Hälfte gefüllt, in den vorderen Reihen war das Gequetschte dennoch groß und so gab es kaum ein Durchdringen, wenn man als kleine Fotografin zum Graben wollte.

Gespannt war ich auch schon auf die Vorgruppe Day Eleven, deren Namen ich schon öfters bei Myspace gelesen hatte und so war die Neugier um so größer, wie diese Band denn nun klingen mag. Um 20.30 Uhr hatte das Warten dann endlich ein Ende und die Jungs eröffneten den Abend. Von Anfang an wippte das Publikum mit, manchmal mehr, manchmal weniger. Auch gingen Hände ab und zu in die Luft und für eine Klatscheinlage sind sich die Dresdner ja sowieso nie zu schade.

Foto: Kristin Hofmann

Foto: Kristin Hofmann

Musikalisch gesehen sind Day Eleven nicht gerade das, was man in erster Linie mit typischen Finnenrock verbindet. Rockig ja, melancholisch nein. Auch hatte das Ohr Mühe, etwas Besonderes in ihrem Stil heraus zu hören. So waren Jann Wilde & The Rose Avenue im Vorjahr der eindeutig markantere Support Act, die in jedem Fall ihre eigene Note hatten. Die Musik war dennoch in jedem Fall hörbar und nicht schlecht, aber eben nicht besonders. Der Applaus war auch nett, das Licht eher bescheiden, ab und zu gab es ein paar Klatscheinlagen. Nach 30 Minuten war Schluss und ich denke wir sind uns einig, dass sich doch alle auf Negative mehr gefreut haben als auf Day Eleven.

Foto: Kristin Hofmann

Foto: Kristin Hofmann

Und die Freude wurde dann um 21.27 Uhr zum lautstarken Gekreische. Die Bühne war wie letztes Jahr dekoriert: zwei ska-bemusterte Podeste an den Seiten, BHs und Höschen an Mikrofonständern und das Vorderteil einer Lokomotive am Schlagzeug. Das Licht verdunkelte sich, die Scheinwerfer der „Lok“ schienen vernebelt in die jubelnde Menge als das lustige Zirkusintro durch die Boxen tönte. Gut gelaunt enterten die sechs Finnen, top gestylt wie immer, die Bühne in der Reithalle. Bereits beim ersten Song „Sinners Night/Misty Morning“ gab es kein Halten, beim Popogewackel von Sänger Jonne kein nicht lüstern schauendes Gesicht in der Menge mehr. Und so verwandelte sich die Reithalle in eine Glam Rock Party vom Feinsten. Wo Negative noch beim letzten Album eher melodiös „ruhig“ waren, gibt’s auf dem aktuellen Album „Anorectic“ jede Menge krachende Rock Songs für die müden Beine. So ist auch mit dem Vorurteil Schluss, dass Negative nur etwas für Mädchen wären.

Und so spielte sich die Sechserkombo geschickt durch ihre drei Alben, wobei das Publikum natürlich bei jedem Song textsicher nach vorne schauen konnte. Negative vermochten es, ruhigeren Liedern wie „Frozen To Lose It All“ oder auch „The Moment Of Our Love“ live eine ordentliche Portion Pfeffer zu geben und so gab es bis auf „A Song For The Broken Hearted“ kaum ruhige Passagen während des Konzerts. Allmählich stieg die Luftfeuchte in den vorderen eng gequetschen Reihen rapide an, wogegen in den hinteren Teilen ausgelassen und großzügig getanzt wurde. Toll arrangierte Piano Soli wie bei „Naive“ luden dazu ein.

Ein Höhepunkt des Konzertes war definitiv „One Last Shot“ .So haut der Song schon mächtig auf den Putz, aber hier haben sich Negative noch etwas Besonderes ausgedacht. Während des ruhigen Mittelparts war ein herzschlagartiger Rhythmus zu hören, der später in „We will we will rock you“ ausartete. Beim erneuten Einsetzen der Musik war Jonne mit Hut zurück auf der Bühne und sogleich fiel der Bandbanner im Hintergrund und eine riesige Wand aus hunderten von kleinen Lichtern kam zum Vorschein. Dann hieß es „Dresden are you ready or nohohoooot?“ und „Planet Of The Sun“ erhellte die Stimmbänder aller Anwesenden, die gleichzeitig wie besessen durch die Luft sprangen. Nach „In Memoriam“ gab es noch zwei Zugaben, nach denen Negative umjubelt von ihrem Publikum verabschiedet wurden. Natürlich gehen die schönsten Konzerte einmal zu Ende, aber die kommende Live DVD wird da wohl ein kleiner Trost sein.

Setlist Negative

  1. Foto: Kristin Hofmann

    Foto: Kristin Hofmann

    Intro

  2. Sinners Night/Misty Morning
  3. My My/Hey Hey
  4. After All
  5. Frozen To Lose It All
  6. Glory Of The Shame
  7. Naive
  8. Swans
  9. A Song For The Broken Hearted
  10. One Last Shot
  11. Planet Of The Sun
  12. The Moment Of Our Love
  13. Until You Are Mine
  14. In Memoriam
  15. Reflections
  16. In My Heaven

Konzertfotos:
Negative (14.02.2006)
Negative @ Amphi Festival 2006
Negative @ Mera Luna Festival 2005