Review: Die Ärzte, Beatplanet (11.12.2007, Hannover)

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Zum rasend nahenden Ende des Jahres 2007 gewann Hannover den Wettlauf mit der Zeit und konnte noch eine Premiere für sich verzeichnen. In der TUI Arena traten zum 11.12. zum ersten Mal nicht nur in der Geschichte der Arena an sich, sondern in der gesamten Geschichte Hannovers „die beste Band der Welt“ – die Ärzte – auf. Ganz klar was das im Vorfeld bedeutete: schnell Karten sichern, denn ausverkaufte Hallen sind heutzutage fast schon an der Tagesordnung der Ärzte.

So auch in Hannover. Rund 12.000 Zuschauer warteten begeistert im Innenraum und auf den Tribünen. Allerdings war an diesem Tag nicht nur Pünktlichkeit von Vorteil. Wurde überall im Internet der Beginn des Konzertes auf 20 Uhr kommuniziert, erwartete kurz vor knapp Eintreffende eine böse Überraschung. Das Konzert wurde einfach mal um eine geschlagene Stunde vorverlegt und somit kamen nur die Überpünktlichen in die Aufwärmarbeit des Supportacts Beatplanet. Es war ja nicht das erste mal, dass ein Konzert früher als ausgewiesen begann, doch ist es immer wieder aufs Neue ärgerlich wenn man als arbeitstätige Person nicht schon um 12 Uhr (wie die ersten Fans) vor der Halle auf die Türöffnung warten kann.

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Die Vorband hatten ein paar Zuschauer wohl verpasst, doch schienen diese gute Arbeit geleistet zu haben. Bereits beim Betreten der Halle konnte man die herrschende Spannung und Vorfreude förmlich spüren. Der riesige Banner der Ärzte prangte bereits im Hintergrund und alsbald betrat die Band unter unglaublichem Jubel die Bühne. Begannen die Drei „aus Berlin“ ihr Programm mit dem neueren Stück „Himmelblau“ konnte sich der Besucher auf eine bunt gemischte Setlist freuen. Ein Schwank aus dem Leben der Ärzte von früher bis heute. Kritik wurde auch fleißig geübt, so animierte Farin auch das sitzende Volk auf den Tribünen sich zu erheben. Die Worte „Bei uns steht sogar der Schlagzeuger!“ schienen dann doch zu wirken. Ein kurzes Tribut an die in Hannover heimischen Scorpions wurde auch eingelegt. Doch fand dies nicht wirklich Anklang und alsbald folgte ein wildes Medley über Blumen essende Ägypter – oder zumindest so ähnlich.

 

Image

Foto: Torsten Volkmer

Foto: Torsten Volkmer

Doch wer nun behauptet Die Ärzte fabrizierten zu 90% Nonsens der liegt falsch. Das Publikum lernte an diesem Abend die unterschiedlichen Arten des Applaus kennen.Im Grundkurs ging es von höflichem Applaudieren bis hin zu enthusiastischem Applaussturm – das Publikum zeigte eine hohe Lernbereitschaft. Zwar neigte es im Laufe des Konzertes hin und wieder dazu das Gelernte zu vergessen, doch konnte Farin mit mal mehr mal weniger dezenten Anmerkungen das Erlernte wieder aus den Gedächtnissen der Zuschauer hervorkitzeln.

Bei Hits wie „Ich Bin Reich“ oder „Westerland“ brauchten Die Ärzte allerdings keinerlei Atem für Animationen verschwenden – da brüllte die Menge von A bis Z mit, was die Lungen hergaben. Bela B. entführte die Menschen dann wiederum in das mysteriöse „Mysteryland“ und… ach, viel zuviel um alles aufzuzählen. Die Stimmung jedoch, dass sollte noch gesagt sein, war atemberaubend! Was früher Konzerte vor 2000 Menschen waren, füllte nun Hallen mit 12000 Leuten. Eine unglaubliche Entwicklung von einer mittelgroßen Band zur besten Band der Welt. Wir würden uns freuen wenn Die Ärzte Hannover bald wieder besuchen kämen, damit die Hannoveraner vorweisen können, was sie im „Grundkurs: Applaudieren“ gelernt (und nicht wieder vergessen) haben.

Konzertfotos: