Review: Alice Cooper, Benedictum (13.07.2008, Osnabrück)

Foto: Torsten Volkmer

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Neben Bad Arolsen wählte Vincent Furnier alias Alice Cooper ausgerechnet Osnabrück als zunächst einzigen Schauplatz in Deutschland für seine Psychodrama-Tour, die ihn insgesamt durch acht verschiedene Länder Europas führt. So kam es, dass lokal ziemlich viel Wirbel um dieses Konzert gemacht wurde. Zeitungen widmeten dem mittlerweile 60 jährigen Hardrocker ganze Seiten mit Interviews und Berichten und Plakate in jeder Ecke der Stadt machten auf das Ereignis aufmerksam. Letztendlich trafen auch über 1000 Fans am Abend des Geschehens an der Osnabrücker Halle Gartlage ein, um Zeuge einer spektakulären Alice-Cooper-Bühnenshow zu werden und vergangene HardRock-Zeiten neu aufleben zu lassen.

 

Den leicht verzögerten Auftakt des Abends bildeten Benedictum, bei denen es im Vorfeld einige Keyboardprobleme gegeben hatte. Ob diese im Endeffekt nun wirklich gelöst wurden, blieb unklar, denn aus dem dröhnenden und etwas schwerfälligen Heavy Metal konnte man das Keyboard zumindest nicht mehr heraus hören. Auch konnte der etwa 40minütige Auftritt der amerikanischen Schwermetaller aus San Diego nur wenig Begeisterung im Publikum erwecken. So viel Mühe sich Frontfrau "The V" auch gab die Menge zu motivieren, mehr als ein müdes Klatschen konnte Benedictum den erwartungsvollen, auf Alice Cooper fixierten Besuchern nicht abgewinnen und so waren letztendlich alle froh, als die Band sich verneigte und die Bühne verließ.

Foto: Torsten Volkmer

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Es folgten weitere 40 Minuten Wartezeit, die die Geduld des schon eifrigen Publikums auf die Probe stellte. Doch dann folgte eine letzte Ansage, das Rauchen im Interesse des Künstlers einzustellen und schon bald darauf begann die Show – mit einem spektakulären Bühnenmord an einem Alice Cooper Doppelgänger. So wurde der erste Song "No More Mr. Nice Guy" eingeleitet, dessen Refrain von dem, recht buntgemischten Publikum aus Jung- und Altrockern kräftig mitgesungen wurde.  Es folgten weitere Hits, wie "Feed My Frankenstein" und "I`m Eighteen", die die Stimmung nach oben trieben. Den Mittelpunkt stellte allerdings die beeindruckende Bühnenshow in der Mitte des Auftritts dar. So wurde Alice Cooper beispielsweise von einer bewaffneten Tänzerin von der Bühne geführt, schlug sich mit Zombies, mordete ein Zombiebaby, endete in einer Zwangsjacke und wurde am Ende sogar hingerichtet. Mit diesem Teil des Auftritts in Musicaldimension  wurde neben einer Vielzahl alter und neuer Songs auch eine beachtliche Menge Kunstblut mit eingebunden.

Foto: Torsten Volkmer

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All das wäre aber bestimmt nicht so eindrucksvoll gewesen, hätte er nicht die musikalische Unterstützung seiner Band gehabt, die durchweg mit einem kompetenten Auftritt überzeugen konnte. Mit einem besseren Klang als er noch bei Benedictum war, sorgten sie für die musikalische Untermalung des Spektakels auf der Bühne. Zwar war Furnier in guter Form und lebte sein Alter Ego Alice Cooper auf der Bühne vollends aus, dennoch schien seine Stimme nicht mehr so kräftig wie früher zu sein, da sie zeitweise im Klang der Instrumente untergehen zu drohte.  Auch verschwand er auffällig regelmäßig hinter der Bühne, entweder um sich neu einzukleiden oder auch zu verschnaufen. Dies waren die Momente der Jungs an den Instrumenten. Mit akustischen Gitarreneinlagen, E-Gitarren- und Schlagzeugsoli hielten sie die Stimmung oben, sodass man die kurzweilige Abwesenheit des Topstars gut verkraften konnte, bis er wieder mit neuem stilgetreuen Outfit, wie z.B. Hemd und Lederhose, oder auch mit weißem Anzug  zurückkehrte. Sein Outfit wurde mit einem stets wechselnden Accessoire ergänzt. So betrat er die Bühne mal mit einer Krücke, oder erschien mit einem merkwürdigen Leuchtstock, oder fuchtelte mit Messer und Degen herum. Dem Publikum gegenüber zeigte er sich dabei stets recht spendabel. Während des Songs "Dirty Diamonds" warf er Perlenketten in die Menge und verteilte Dollarnoten während "Million Dollar Baby".

Foto: Torsten Volkmer

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Der Schluss wurde wieder von berühmten Songs gebildet. So gipfelte die Stimmung in dem weitbekannten Klassikern "Poison" und "School`s Out", in denen mit Konfetti gefüllte überdimensionale Luftballons in die Menge geschleudert und von Alice Cooper schließlich mit einem gezielten Degenstoß zum Platzen gebracht wurden.  Und so verabschiedete sich Alice Cooper nach einer gut zweistündigen Show und einem Zugabenblock von drei Songs von seinen Fans, bedankte sich bei seiner Band und den Statisten, verließ die Bühne aber nicht ohne dem Publikum vorher noch eine Kunstblutdusche mit auf den Weg gegeben zu haben.

Links:
http://www.alicecooper.com/
http://www.benedictum.net/
http://www.carlos-konzerte.de/ (herzlichen Dank an Carlo für seinen speziellen Support!)