Review: Legend in Town! Alice Cooper zu Gast in der Jungen Garde (02.07.2024, Dresden)

Ui ui ui. Das Jahr 2024 wird das Jahr der Legenden! Nachdem AC/DC den „klassischen“ Rock’n’Roll in der sächsischen Landeshauptstadt eingeläutet haben, geht’s knallhart weiter. Niemand geringeres als The Man Behind The Mask…Mr. Alice Cooper befindet sich gerade auf großer Tour quer durch Europa und gastiert beim besten Gruselwetter in der Jungen Garde in Dresden.

Hitze und Sonne hätten sich sowieso nicht in die Nähe des amerikanischen Musikers getraut, der im wahren Leben Vincent Damon Furnier heißt und privat keinen Kajal trägt. Die Kunstfigur Alice Cooper verkörpert er alleine bereits seit 1974.

Gekommen, um zu schocken

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)

Live inszeniert sich Alice Cooper seit Eh und Je als ein üppiges Bühnenspektakel. Auffallen, provozieren, schockieren um jeden Preis. Er verkörpert das Böse auf der Bühne und stirbt am Ende selbst, nur um später mit weißem Frack geläutert aufzuerstehen. Morality Play vom Feinsten.

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)

Und genau dieses Spektakel wollen sich heute die Dresdner anschauen. Ganz ausverkauft ist die Garde heute nicht, doch erfreulich wie viele tausende Menschen immer noch Bock auf den guten alten Rock haben. Das Publikum besteht nicht nur aus Coopers Generation, sondern die hat bereits für frischen Nachwuchs gesorgt, der sich euphorisch in Alice Cooper Kluft inklusive Make-Up geworfen hat.

4 Äxte für ein Halleluja

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)

Auch wenn das Publikum heute eine leichte Sommerdepression hat, erwacht die Garde zum Leben als pünktlich 20 Uhr Mr. Cooper auf die Bühne schreitet. Hinter einem Zeitungsbanner mit der großen Aufschrift „Wanted in Germany“ – stakst Alice Cooper in Frack, mit Hut und Stock hindurch auf seine Bühne. Alice Cooper beherrscht die Bühne im Schlaf, er posiert, er verzieht gekonnt sein Gesicht, gestikuliert, posiert wieder, hält inne. Dieser Mann weiß einfach wie der Showhase läuft. Seine Band scheint ihm dabei genauso wichtig wie das Spektakel selbst. So wirken Alice Cooper und seine Band nicht nur wie ein gut eingespieltes Team, jeder bekommt seine Moments Of Glory während der Show und das auch nicht zu kurz. Schon allein die drei Gitarristen Nita Strauss, Tommy Henriksen und Ryan Roxie veranstalten ein Saitenspektakel. Vor allem wenn Nita Strauss an den vorderen Bühnenrand kommt, kann sich sogar der Schüchternste nicht mehr zurückhalten. Und da drei Gitarren noch nicht reichen, gibts freilich noch einen, der für die tiefen Töne verantwortlich ist: Chuc Garric am Bass. 4 Äxte für Mr. Cooper, das ist angemessen. Glen Sobel am Schlagzeug kann nur vom Hintergrund aus mithacken, erhält dafür aber auch ein besonders langes Drumsolo, bei dem er beweist, was er drauf hat.

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)

Doch zum Spektakel selbst. Alice Cooper holt das Böse auf die Bühne und zieht alle Register: Dunkle Gestalten mit Umhängen, Pestmasken, fiesen Grinsegesichtern. He’s Back (The Man Behind the Mask) fordert sogar einen Mord auf der Bühne. Bei Hey Stoopid muss der Paparazzi auf der Bühne dran glauben und wird verprügelt. Auch für Cold Ethyl sieht es nicht gut aus. Die Puppe wird von Alice Cooper quer über die Bühne geschleudert und guckt ganz schön doof aus der Wäsche. Schaurig lustiger Höhepunkt ist sicherlich die übergroße Frankenstein Figur, die es fast mit Gozilla aufnehmen könnte. Kaum vorstellbar was passiert, wenn Alice sie noch mehr füttert!

You′re poison running through my veins

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)

Ein Highlight ist definitiv das Cooper Lied, das alle kennen: Poison. Ach, schön & giftig zugleich. Das 1989 erschienen Lied hat Kultstatus und was ist es für ein verdammt geiles Gefühl, solche Klassiker live zu erleben? Gesungen vom Künstler selbst? Alice Cooper setzt nicht nur auf Requisiten, sondern auch auf Klamotte. Fast zu jedem Lied hat er ein neues Teilchen an. Hut, Schirm, Stock, Jacke. Alles passt und ist aufeinander abgestimmt.

Well, well, Dresden, Alice Cooper finally speaks to you

Ansagen und Danksagungen zwischen den Lieder gehören dagegen nicht zum Programm. Zum einen weil sie das Spektakel eher unterbrechen als untermalen würden. Doch lässt es sich Alice Cooper trotzdem nicht nehmen, am Ende charmant und witzig zu seinem Publikum zu sprechen. Wichtig ist ihm dabei vor allem eins: seine Band vorstellen.

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)

Zum Schluss erfolgt die Erlösung vom Bösen nach missglückter Behandlung in der weißen Zwangsjacke. Durch die Hand seiner eignen Tochter stirbt der böse Alice Cooper den Bühnentod, um mit reiner Weste und weißem Frack fürs große Finale zurückzukehren. „School’s Out“ und Auszüge von „Another Brick In The Wall“ bilden das Finale des großen Cooper Spektakels. Auch wenn der jüngere Teil des Publikums sicherlich noch 30 Minuten Show vertragen hätte, ist der Großteil mit 90 Minuten erstklassiger Unterhaltung absolut zufrieden. Bleibt zu hoffen, dass großartige Künstler wie Alice Cooper und auch AC/DC der Welt noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

Galerie (by Kristin Hofmann bs! 2024):

Setlist Alice Cooper:

Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
Alice Cooper (Foto: Kristin Hofmann bs! 2024)
  1. Lock Me Up
  2. Welcome to the Show
  3. No More Mr. Nice Guy
  4. I’m Eighteen
  5. Under My Wheels
  6. Bed of Nails
  7. Billion Dollar Babies
  8. He’s Back (The Man Behind the Mask)
  9. Be My Lover
  10. Lost in America
  11. Hey Stoopid
  12. Welcome to My Nightmare
  13. Cold Ethyl
  14. Poison
  15. Feed My Frankenstein
  16. Black Widow Jam
  17. Ballad of Dwight Fry
  18. I Love the Dead
  19. Elected
  20. School’s Out

Links:
https://alicecooper.com/
Junge Garde Dresden
Aust Konzerte (Veranstalter)

Kristin Hofmann
Kristin Hofmannhttp://www.fotokatz.de/
Kristin Hofmann, das schnurrende Fotokatzl, ist uns von den Elbwiesen zwischen Nightwish und Lacrimas Profundere im Fotograben irgendwie zugelaufen. Das „Spätzchen“ fährt in der Regel nicht die Krallen aus, voll auf weißblaue Vierräder ab und hat die anderen sechs Nerdzwerge zwischen Datenkraken, Mediendschungel und Hexadezimal im Blinzelwettbewerb längst platt gemacht. Schnurrbart steht ihr übrigens nicht so gut wie DocMartens, aber irgendwas is’ ja immer. Bitte nicht füttern!

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