Review: Lysistrata – hat ja nur 2 Jahre gedauert (15.12.2022, Bremen)

Full Cirlcle. Für uns waren Lysistrata in Bremen eines der ersten Konzerte, die pandemiebedingt abgesagt werden mussten und nun eines der letzten, das wir nachholen konnten. Ein gebührender Abschluss für das eher merkwürdige Konzertjahr 2022.

Makimono (Foto: Thea Drexhage bs! 2022)

Leider bleibt es an diesem Abend im wundervollen Lagerhaus doch eher luftig – mittlerweile ist das ja kein ungewöhnlicher Anblick mehr, traurig bleibt es jedoch allemal. Schätzungsweise ist der Gastraum nur zu 50% ausgelastet. Für den Supportact ist das vielleicht ganz gut. An den Instrumenten versucht sich das Trio Makimono. Die drei Jungs aus Bremen stehen angeblich erst das zweite Mal zusammen auf einer Bühne, was man, zumindest vom reinen hinhören, nicht merkt. Klanglich geht die Reise in Richtung Post-Rock und wirkt schon ziemlich professionell und ausgeklügelt, das Einzige, was die Band als Neulinge enttarnt, ist dann doch die sichtbare Nervosität und Anspannung. Trotzdem machen sie als Opener einen guten Job und gewinnen die Gunst der Gäste mühelos.

Lysistrata (Foto: Thea Drexhage bs! 2022)

Nach einem knackigen Set und ausgedehnter Umbaupause legen dann endlich Lysistrata los. Ihren Stil beschreibt die recht junge Band als Noiserock, Post-Hardcore, Math-Rock und Post-Rock. Energetisch, raumeinnehmend und ziemlich vertrackt spielen sie sich durch ihre noch recht überschaubare Diskografie. Der Klang: hervorragend. Die Band: hervorragend. Aber so ganz will der Funke einfach nicht überspringen und die Bremer und Bremerinnen bleiben gewohnt verhalten. Während in der ersten Reihe 3-4 Körper wackeln steht der Rest recht starr da und lauscht. Zugegeben: durch unzählige Rhythmuswechsel sind Lysistrata nicht die tanzbarste Band, aber trotzdem ist es gut vorstellbar, dass bei einem volleren Laden doch eine gänzlich andere Stimmung geherrscht hätte.

Lysistrata (Foto: Thea Drexhage bs! 2022)

Lediglich als sich Gitarrist Théo für den letzten Song  „Boot On A Thistle“ ins Publikum begibt, kommt etwas Euphorie in die Masse.  Und dann ist es auch ganz plötzlich vorbei. Nach knapp einer Stunde und 10 Songs ist Schluss. Man sagt zwar Qualität statt Quantität, aber das war doch etwas zu knackig. Die Gefühle nach dem Konzert sind zwiegespalten: zwar spielte die Band wirklich außerordentlich gut bei bestem Sound und Licht, aber irgendetwas hat gefehlt. Vielleicht die Gäste, vielleicht eine Verbindung. Vielleicht wird’s beim nächsten Mal ja besser – sich die Band nochmal anzuschauen kann auf keinen Fall schaden.

Galerien (by Thea Drexhage bs! 2022):

Links:
Lysistrata

Thea Drexhage
Thea Drexhagehttps://www.be-subjective.de
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.

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