Review: Leprous letztes Mal auf Aphelion-Tour (28.02.2024, Bremen)

Ein langer Mittwochabend im Kulturzentrum Schlachthof. Die Veranstalter des Hellseatic Festivals luden ein, sich von gleich drei Bands nochmal ordentlich zur Wochenmitte ins Gesicht brüllen zu lassen, damit man die letzte Strecke bis zum Wochenende auch noch schafft. Headliner die mächtigen Leprous aus Norwegen, die ihr jüngstes Album Aphelion noch einmal auf Welttournee bringen, bevor es Zeit für etwas Neues wird.

Fight The Fight (Foto: Thea Drexhage bs! 2024)

Es eröffnen Fight The Fight, ebenfalls aus Norwegen. Die Band um den äußerst selbstbewussten Sänger Lars Vegas (höhö) schmettert den Gästen gehörigen Metal um die Ohren und bietet kurzweilige Unterhaltung. Das Publikum, wie in Bremen durchaus üblich, zeigt sich verhalten und bleibt eher gelassen auf den Stufen der Kesselhalle sitzen, statt sich aktiv im Moshpit zu bewegen. Die Band erledigt ihren Job ganz ordentlich, macht aber auch nix, dass tatsächlich langfristig im Gedächtnis hängen bleibt.

The Hirsch Effekt (Foto: Thea Drexhage bs! 2024)

Ganz anders sieht es da bei The Hirsch Effekt aus, das freundliche Trio aus der Fast-Nachbar-Stadt-Hannover legt eine überwältigende Show hin. Licht, Performance und Sound lassen keinerlei Wünsche übrig, aber so richtig Getose gibt’s im Saal trotzdem nicht. Gut durchkalkulierter Artcore, abwechslungsreich, spannend und perfekt atmosphärisch untermalt hätte durchaus größere Begeisterungsstürme verdient.

Aber bei Leprous dann?

Auch nicht wirklich. Klar, der Jubel ist groß, als die Norweger gegen 21 Uhr die Bühne entern, aber auf den Treppen wird weiter gemütlich gesessen. Ist das bei einer Show dieses Kalibers wirklich angemessen? Ich dachte eigentlich, dass wir die Sitzkonzerte seit Corona hinter uns gelassen hätten.

Leprous (Foto: Thea Drexhage bs! 2024)

Auch Leprous wissen es geschickt, ihre Musik durch passendes Licht in Szene zu setzen. Der Sound gut, aber minimal zu laut, was bei Einar Solbergs stetigem und hervorragenden Falsettgesang doch mal im Trommelfell stechen kann. Leprous sind Live-Profis, das merkt man sofort. Jeder Ton sitzt und wenn die Technik nicht mitspielt, dann wird improvisiert. So wird der Publikumswunsch Restless vom 2012er Album Bilateral spontan unter tosendem Applaus umgesetzt.

„Please don’d record this.“

Leprous (Foto: Thea Drexhage bs! 2024)

, scherzt ein scheinbar unsicherer Solberg. Grundlos. Die Nummer sitzt (wie Teile des Publikums, noch immer) und kracht schon etwas mehr als das Aphelion-Material. Als Sahnehäubchen getoppt von einem beeindruckenden Schlagzeugsolo, bevor es planmäßig weitergeht.
Zwar erzählt die Band, das neues Material in Arbeit ist, zu hören gibt es davon aber noch nichts. Also heißt’s warten bis zum nächsten Gig in Bremen. Dann hoffentlich ohne Sitzplätze.

Galerien (by Thea Drexhage bs! 2024)

Fight The Fight
The Hirsch Effekt
Leprous

Fight The Fight (Foto: Thea Drexhage bs! 2024)

Setlist Fight The Fight:

  1. Serpent Of The Sand
  2. Ascent
  3. Monarch
  4. Shining
  5. A.I.
  6. Alien
  7. 12800
  8. In Memory

Setlist Leprous:

Leprous (Foto: Thea Drexhage bs! 2024)
  1. Have You Ever?
  2. The Price
  3. Illuminate
  4. The Valley
  5. On Hold
  6. Castaway Angels
  7. From The Flame
  8. Alleviate
  9. Out Of Here
  10. Restless + Drum Solo
  11. Slave
  12. Forced Entry
  13. Below
  14. Nighttime Disguise
  15. The Sky Is Red

Links:
Fight The Fight
The Hirsch Effekt
Leprous

Thea Drexhage
Thea Drexhagehttps://www.be-subjective.de
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 10 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Sartre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.

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