Es gibt Konzertabende, die sind gut. Und es gibt Konzertabende, bei denen man schon nach den ersten Minuten weiß, dass man noch lange davon erzählen wird. Der 16. März 2026 in Erfurt gehörte definitiv zur zweiten Kategorie. Als Kraftklub an diesem Abend die Bühne betraten, lag eine elektrisierende Mischung aus Erwartung, Vorfreude und purer Energie in der Luft – und sie sollte sich im Laufe des Abends immer weiter steigern.
Ein junger Voract mit beeindruckendem Start
Den Auftakt übernahm Yung Pepp aus Leipzig – und allein seine Geschichte ist bemerkenswert. Gerade einmal 17 Jahre alt, stand er in Erfurt vor einer großen Halle. Seine musikalische Reise begann allerdings schon früh: Bereits mit 13 Jahren nahm er seine ersten Songs auf.
Mit dieser Mischung aus jugendlicher Energie, Selbstbewusstsein und ehrlicher Begeisterung gelang es ihm schnell, das Publikum mitzunehmen. Die ersten Reihen bewegten sich früh im Takt, Hände gingen hoch und die Stimmung begann sich langsam aufzubauen – genau die richtige Atmosphäre für den Hauptact.

Ein Einstieg mit Gänsehautmoment
Als sich später das Licht in der Halle dimmte, wurde es schlagartig laut. Jubel verbreitete sich, während die Bühne zunächst im Dunkeln blieb. Dann tauchte ein intensives rotes Licht die Bühne in eine dramatische Atmosphäre. Nebel zog über den Bühnenboden, und im Hintergrund erschien langsam der riesige KRAFTKLUB-Schriftzug, der die Bühne dominierte.
Der erste Song des Abends: „Marlboro Mann“.

Der Song begann zunächst zurückhaltend, fast spannungsgeladen. Wie man es von diesem Stück kennt, baute er sich Stück für Stück auf – Gitarren, Rhythmus, Stimme, alles steigerte sich langsam. Man konnte spüren, wie die Energie im Raum immer dichter wurde.
Und genau im letzten Drittel des Songs kam der Moment, auf den alle unbewusst gewartet hatten: Die Konfetti-Kanonen schossen los. Gleichzeitig setzten starke Windmaschinen ein und wirbelten die bunten Papierstreifen durch die gesamte Halle. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich der Raum in ein wirbelndes Meer aus Konfetti. Spätestens jetzt war klar: Die Stimmung ist da – und sie würde den ganzen Abend bleiben.
Ein Bühnenbild, das den Raum einnimmt.

Die Bühne selbst war ein visuelles Statement. In tiefes Rot getaucht und dominiert von dem riesigen leuchtenden Bandnamen wirkte sie fast monumental. Große LED-Flächen, Lichtinstallationen und visuelle Projektionen sorgten dafür, dass sich das Bühnenbild ständig wandelte.
Immer wieder wurden außerdem Szenen aus dem Publikum auf die großen Screens übertragen – singende Fans, lachende Gesichter, spontane Umarmungen. So wurde schnell klar: Dieses Konzert gehört nicht nur der Band, sondern allen Menschen in dieser Halle.
Eine Liveband in Höchstform.

Dass Kraftklub zu den stärksten Livebands Deutschlands gehören, bestätigte sich auch in Erfurt wieder eindrucksvoll. Jeder Song traf direkt ins Publikum, jeder Refrain wurde laut mitgesungen.
Frontmann Felix führte mit viel Charme, Humor und Energie durch das Set. Gleichzeitig hatte er das Publikum immer im Blick. Wann immer irgendwo Gedränge entstand oder jemand Hilfe brauchte, reagierte er sofort und machte von der Bühne darauf aufmerksam.
Felix unterwegs in der Halle
Einer der ungewöhnlichsten Momente des Abends entstand, als Felix plötzlich die Bühne verließ und während des Konzertes durch die Halle lief. Statt einfach nur durch die Menge zu gehen, bewegte er sich quer durch verschiedene Bereiche der Arena – sogar bis zu den Ständen mit Getränken und Popcorn.
Während vorne die Band weiterspielte, tauchte Felix plötzlich mitten in der Halle auf und kommentierte das Geschehen humorvoll. Dann performte er vom Tonpult „Halts Maul und Spiel“ und bewegte sich zurück zur Bühne.
Überraschungen und besondere Momente.

Der Abend war voller kleiner Highlights. Besonders spektakulär war der Moment, als während „Schief in jedem Chor“ ein Bengalo gezündet wurde und die Bühne in intensives rotes Licht tauchte. Oder auch als eine große Diskokugel das Licht durch die Halle schickte und der gesamte Raum plötzlich in tausenden kleinen Lichtreflexen funkelte. Ein weiterer Höhepunkt war als Felix und Till für den Song „500K“ plötzlich oben auf dem Rang auftauchten. Während der Rest der Band unten auf der Bühne spielte, performten die beiden hoch über dem Publikum. Die Halle drehte sich in diesem Moment gefühlt einmal komplett um, weil plötzlich alle versuchten zu entdecken, wo genau sie standen.
Und gab es noch eine Überraschung, mit der wirklich niemand gerechnet hatte: Yung Pepp kehrte noch einmal auf die Bühne zurück. Gemeinsam mit der Band performte er einen Song der Band Echt – ein nostalgischer Moment, den so keiner erwartet hätte der aber vom Publikum begeistert gefeiert wurde.
Klare Haltung und klare Kante
Ein weiterer Moment, der zu einem Kraftklub-Konzert fast selbstverständlich dazugehört, ist die klare politische Haltung der Band. Auch in Erfurt nutzten sie ihre Bühne nicht nur für Musik, sondern auch für eine klare Botschaft. Felix richtete sich direkt ans Publikum und rief dazu auf, sich gesellschaftlich einzubringen und Haltung zu zeigen. Konkret ging es an diesem Abend um den anstehenden Parteitag der in der Stadt – die Band ermutigte die Fans, die geplanten Gegendemonstrationen zu unterstützen und sich für eine offene und solidarische Gesellschaft einzusetzen. Diese Mischung aus Musik, Haltung und klarer Kante gehört seit Jahren zur Identität von – und wurde auch an diesem Abend von der Menge mit lautem Applaus aufgenommen.
Chemnitz, Karl-Marx-Stadt und ein persönlicher Moment.
Der aktuelle Albumtitel „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ verweist auf den früheren Namen von Chemnitz – der Heimatstadt der Band. Auch Blond , die für den Song „So schön“ mit auf der Bühne standen, stammen aus Chemnitz. Kleiner Sidefact die Mädels von Blond sind die Schwestern von Felix und Till.

Für mich als Autorin hatte dieser Moment eine ganz eigene Bedeutung. Ich selbst bin noch in Karl-Marx-Stadt geboren und lebe heute immer noch in Chemnitz. Dass Bands aus meiner Heimatstadt diesen Abend so prägen und ich dieses Konzert dann in Erfurt erlebe, hatte eine schöne Ironie – als würde ein Stück Karl-Marx-Stadt überall sein.
Ein Abend, bei dem alles stimmte.
Was diesen Abend zusätzlich besonders machte, war der reibungslose Ablauf der gesamten Veranstaltung. Vom Einlass bis zur Organisation während des Konzerts funktionierte alles hervorragend. Der Veranstalter, die Crew und alle Mitarbeitenden vor Ort leisteten großartige Arbeit, sodass sich das Publikum ganz auf das konzentrieren konnte, worum es an diesem Abend ging: Musik, Gemeinschaft und Euphorie.
Euphorie bis zum letzten Song
Als am Ende noch einmal Konfetti durch die Luft flog und tausende Stimmen gemeinsam die letzten Refrains sangen, wurde klar: Dieser Abend war mehr als nur ein Konzert. Er war ein kollektiver Moment voller Energie, Überraschungen und Begeisterung. Und genau dafür stehen Kraftklub.
Galerien (by Lydia Weise bs! 2026):
Setlist:
- Intro
- Marlboro Mann
- Ein letztes Mal
- Teil dieser Band
- Ich will nicht nach Berlin
- Fahr mit mir
- So schön (feat. Blond)
- Kippenautomat
- Unsterblich sein
- Halt’s Maul und spiel –
- Koversong (feat. Yung Pepp)
- Wie ich
- Zeit aus dem Fenster
- Kein Liebeslied
- Schief in jedem Chor
- Chemie
- Blaues Licht
- Blau
- Fallen in Liebe
- Schüsse in die Luft
- Randale
- 500K
- Wenn ich tot bin
- Ein Song reicht
- Songs für Liam
Links:
www.kraftklub.to
www.yungpepp.de
Veranstalter:
www.landstreicher-konzerte.de


