Review: Ein anregendes Konzert mit Jason Bartsch (06.02.2020, Bielefeld)

Jason Bartsch (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Eine Idee für das Klappen aller Dinge. Im Movie präsentiert: Der wahrscheinlich einzige ehemalige Poetryslammer, dem seine Vergangenheit nicht peinlich ist. Jason Bartsch geht nah ans Herz, trotz ostwestfälischem Sicherheitsabstand. Aber das sollte er ja mindestens aus Gütersloh vergangenen Monat gewöhnt sein.

Einfrauvorband

Aylin Celik (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Wenn der Bass so richtig scheppert, ist der Sound richtig eingestellt. Aylin Celik löst mit einem unbeabsichtigten Bankeinbruch im Schlafanzug Polizeieinsätze aus. Eine Stimme, ähnlich kraftvoll wie Sirenen, aber hunderte Mal schöner. Mal in Englisch, mal in Deutsch. Und so viel Amore. Was nen Start.

Gib ihnen niemals die Möglichkeit zu fliehen!

Ostwestfalen-Einsteigerkurs, Lektion 1: Gib ihnen niemals die Möglichkeit zu fliehen! Ein Schritt nach vorne ist nicht drin, das ostwestfälische U würde zerstört werden. Ein Schritt nach hinten klappt umso besser, der Aufforderung wird sofort stattgegeben. Upps.

Jetzt ist mein Leben eher so 2+ 

Tollpatschig? Keineswegs! Nur eher ganz besonders zwischen Rentnern, Marie und Katzen. Hauptsache Homebronx Bochum. Umrandet von studierten Jazzmusikern und dem eigentlichen Star, dem Bassverstärker von Helge Schneider bleibt nur eins festzustellen: Was für ein anregendes Konzert 😉 Rhetorische Frage zwischendurch: Was kann der eigentlich nicht? Singen, drei Akkorde auf dem Keyboard spielen, etwa sieben auf der Gitarre, spontan dem Dadaismus huldigen. Und welche Geräusche macht eigentlich eine Schnecke? 

Jason Bartsch (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

In Bielefeld ist nichts weit – nur alles andere. 

Die eine alte Kneipe an der Ecke (ach die!), die Schücoarena, in der Bochum nur spielt, um zu verlieren. Der Bahnhof (vorne und hinten!) und der eine Hörsaal der Uni. Ortskenntnisse werden geprüft und bewiesen, Mut zur Lücke ist auch eine Form von mutig. Was ist denn jetzt die Sparrenburg? – Alt. –Achso.

Mehr Bass – mehr Spaß

Das Lumpenpack würde sagen, sie haben einen pfiffigen Rocksong gemacht. Aufm Fahrrad eher Reggae und wenn schon Katzen, dann Gangsterrap. Dreieinhalb Minuten bis zur nächsten 180° Wendung. U-Turn von Spaß zu Ernst zu Spaß. Donuts drehen, Spuren hinterlassen. Mit quietschenden Sohlen auf bebenden Dielen. Ostwestfälischer Safespace, vereint in der Geilheit der Chöre. Warum von der Bühne gehen, wenn man direkt die Zugaben spielen kann? 

Jason Bartsch (Foto: Daphne Dlugai bs! 2020)

Und kaum noch einmal gedreht, sind 2 1/2 Stunden schon wieder vorbei. 

Galerien (by Daphne Dlugai bs! 2020):

Links:
https://www.jasonbartsch.com
http://www.aylincelik.de
http://www.vibra-agency.de