Review: Purple Pictures proudly presents – Ian Paice feat. Purpendicular (06.02.2020, Hannover)

Ian Paice (Foto: Michael Lange bs! 2020)

Wenn dieses Konzert ein Film wäre, würde dieser definitiv ein Historienfilm sein. Denn die Musik ist alt, sehr alt. Zumindest für den Rockbereich. Der Film könnte im Mittelalter angesiedelt sein. „King Ian und die Rocker der Tafelrunde“. Passt ganz gut, aber eigentlich sind diese Jungs ja Rock-Dinos. Na gut, dann halt noch weiter zurück. Wie wäre es mit „Jurassic Paice“? Ne, so alt sind die dann doch nicht. Es müsste irgendwas so ganz am Anfang einer Ära sein. Da kann es nur einen geben. Nein, nicht den Highlander.

Purple Pictures proudly presents: Das Leben des (Br)Ian

Das trifft es haargenau. In den Hauptrollen spielen ROBERT THOMAS WALSH (Vocals) als Ian Gilan, MALTE FREDERIK BURKERT (Bass) als Roger Glover, ERNESTO GHEZZI (Hammond/Keys) als Jon Lord, FRANK PANÈ (Gitarre) als Steve Morse und IAN PAICE (Drums) als himself.

Ian Paice, der legendäre Schlagzeuger der englischen Hardrockband Deep Purple hat alte Haudegen um sich versammelt, um Abzurocken. Das heißt, er will nicht nur ab und zu rocken, sondern er will auf Tour, die Purple-Klassiker raushauen. Nach eigenen Angaben wird er schon nervös, wenn er mal sechs Monate zu Hause ist. Dann kribbelts in den Händen und es wird Zeit mal wieder auf die Drums zu hauen.

Ian Paice (Foto: Michael Lange bs! 2020)

Knapp 500 Fans, darunter auch eine Schlagzeug-Azubine und ein schon altgedienter Drums-Geselle, haben sich an diesem Abend im Capitol Hannover eingefunden, um den Schlagzeug-Meister zu sehen. 498, das ist jetzt nicht so viel. Na gut, das ist Musik aus einem anderen Jahrhundert. Nicht aktuell in den Charts. Nicht dies, nicht das. Aber nur knapp 500 Fans? Das grenzt ja fast schon an Majestätsbeleidigung. Aber Paice und seinen Mannen ist das schnurz. Sie sind eine Purple-Tribute-Band mit Original- und Gründungsmitglied. Besser geht das geht das gar nicht. Deep Purple, das sind markante Riffs, treibender Rhythmus und dieser besondere Sound der Hammond-Orgel. All das liefern Purpendicular in Perfektion. Los geht’s mit den Krachern „Highway Star“ und dem „Fireball“. Schon ist mensch drin in den frühen 70er-Jahren. Purpendicular beschränken sich auf das Nötigste. Kein SchnickSchnack auf der Bühne, nur die Boxen und etwas Lightshow. Welche Farbe herrscht hier wohl vor? Genau diese.

Sweet child in time
You’ll see the line
The line that’s drawn between
Good and bad

Die Band funzt einwandfrei, perfekter Sound und Gesang, alles top. Bis, ja bis Enesto Ghezzi´s Keyboard, sagen wir mal, ins Stottern gerät. Ausgerechnet bei „Child in Time“ gibt das Instrument seinen Geist auf. Ist das ein italienisches Fabrikat, anfällig wie ein altes Fiat-Modell? Fehler in allen Teilen? Der eilig herbeigerufene Techniker versucht alles, doch trotz gemeinsamen Tüftelns, da geht nix mehr. Abtransport. Trotzdem gerät hier keiner in Panik. Wird halt mehr improvisiert. Die Bandmitglieder frotzeln erstmal über ihren italienischen Kollegen. Das Publikum hat Spaß. Siehste Junge, hättest du mal die gute alte Hammond genommen.

Ian Paice (Foto: Michael Lange bs! 2020)

Auch die Vorstellung der Band ist witzig. An der Gitarre Mister,,, am Bass Mister…, an den Keys Mister.. Ja wo ist denn der Herr Ghezzi? Hinter der Bühne steckt er. Sein Instrument ist heute der Schraubendreher. Und dann, man glaubt es nicht, pünktlich zu „Hush“ geschieht ein Wunder. An den Keys Mister Ernesto Ghezzo. Tosender Applaus. Der Mann kommt genau richtig. Es geht rein ins letzte Drittel mit dem wohl markantesten und selbst für Gitarren-Azubis einfachstem Riff der Musikgeschichte: „Smoke on the Water“. Danach kommt nur noch der „Stormbringer“ und dann spricht der Meister zum Volk. Für Ian Paice sind nur 4 Dinge wichtig: Schlagzeug spielen, Fußball, Bier – und seine Frau. „That’s all“.

Galerien (by Michael Lange bs! 2020):

Ian Paice (Foto: Michael Lange bs! 2020)

Setlist:

  1. Highway Star (Deep Purple cover)
  2. Fireball (Deep Purple cover)
  3. Somebody Done It
  4. Lazy (Deep Purple cover)
  5. Child in Time (Deep Purple cover)
  6. Space Truckin‘ (Deep Purple cover)
  7. Mistreated (Deep Purple cover) (With „The Thrill Is Gone“… more )
  8. Black Night (Deep Purple cover) (with „Sweet Home Chicago“ by… more )
  9. Hush (Joe South cover)
  10. Pictured Within (Jon Lord cover)
  11. Perfect Strangers (Deep Purple cover
  12. Smoke on the Water (Deep Purple cover
    Encore:
  13. Stormbringer

Links:
www.purpendicular.eu