Review: Let’s go Schatzis! Flogging Molly in Bremen (01.02.2019, Bremen)

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Frische Seeluft, Kleeblätter, Kobolde und ein kühles Guinness. Dinge, an die wir bei der Musik von Flogging Molly sofort denken müssen – dabei kommen die nicht mal aus Irland. Aber das macht ja nichts.
Am Freitag bietet sich für die BremerInnen eine hervorragende Gelegenheit das grüne St. Patricks Day Shirt zu bügeln und in Richtung Pier2 zu pilgern, ein Guinness für den Weg in der Hand, denn im Pier 2 gibt’s leider nur die bremischen Lokalbiergrößen.
Das mit dem Wegbier muss sich rumgesprochen haben, denn schon lange vor Konzertbeginn wirkt die Menge im gut gefüllten Pier 2 gut angeheitert.

Buster Shuffle (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

FUCK BREXIT.

Buster Shuffle (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Beste Voraussetzungen für Buster Shuffle. Das Londoner Quartett verbreitet auf Anhieb gute Laune und hat mit seinem mitgebrachten Drummer Vom Ritchie, welcher sich sonst hinter den Trommeln bei Die Toten Hosen versteckt, sowieso einen Stein im Brett beim deutschen Publikum. Neben ner Menge eigener Ska-Nummern bedient sich die Gruppe auch gern bei anderen Klassikern. Darunter Chuck Berrys „You never can tell“ – zugegeben, so gut wie in Pulp Fiction tanzt in Bremen kaum jemand, aber es gibt Bewegung. Auch „Out of Space“ und „Bohemian Rhapsody“ bekommen eine Transformation und helfen sichtbar dabei, die Menge für Flogging Molly aufzuheizen.

Buster Shuffle (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Let’s go, Schatzis!

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Als Flogging Molly im Anschluss zu The WHOs „Baba O’Riley“ einlaufen, sind Buster Shuffle schnell vergessen und die eigentlich schon gute Stimmung steigt ins unermessliche. Bierbecher, Crowdsurfer und viele weitere Dinge finden ihren Weg in den Bühnengraben, während die Band beginnt (No More) St. Paddys Lament“ zu schmettern. Aber hinterm Wellenbrecher wird es noch viel ungemütlicher, zumindest für die Tanzfaulen. Circle Pits der Größe von Bremen Gröpelingen öffnen sich und verschlucken alles, was ihnen zu Nahe kommt. Der Fakt, dass „Drunken Lullabies“ bereits an dritter Stelle verbraten wird, macht die Lage nicht besser, oder schlechter. Je nachdem.

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

‚Cause we find ourselves in the same old mess
Singin‘ drunken lullabies

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Und da ein Pit nicht reicht, bilden sich gleich drei oder vier…einige. Diese kommen erst zur vollen Geltung, wenn Mensch sich aus der tobenden Menge auf die oberen Ränge rettet, welche beste Sicht auf das Spektakel ermöglichen. Oben angekommen fällt es auch viel leichter, alles wertzuschätzen, was an diesem Abend passiert. Das reicht vom fantastischen Sound bis zur guten Laune der Musiker. Der unglaublich charismatische Frontmann Dave King sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und schafft es so, ein Konzert mit mehreren tausend Leuten wie einen gemütlichen Abend im überfüllten Pub wirken zu lassen.

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)


Oh, but don’t, no, don’t sink the boat
That you built, you built to keep afloat

Mit über 20 Jahren Bühnenerfahrung und sechs Alben auf dem Buckel wissen Flogging Molly natürlich, dass auch die wildesten Punker mal ein Päuschen brauchen. „Float“ und „Life is good“ appelieren mehr an die folkige als an die punkige Seite der Menge. Schunkeln statt Schubsen. Auch schön.

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)


Anarchy, the scourge of every sea 
The Antichrist aboard a rig 
With us your cutthroat thieves 
The ship went down we all near drowned 
You stood there on the deck 
‚Till the Spanish came and flogged yer arse 
And dragged you from the wreck

“Salty Dog” lädt noch ein allerletztes Mal zum ausgiebigen Schubsen ein und dann war’s das, möchte man meinen, aber die Damen und Herren von Flogging Molly wissen, wie man sich anständig verabschiedet. Auf der Konserve tönt „Always look on the bright side of life” während die Musiker, inklusive Vorband, ausgelassen über die Bühne tanzen. Und wer bis zuletzt im Pit durchgehalten hat, wird schließlich belohnt, denn die Band hat ein paar Dosen des flüssigen, braunen, irischen Glücks dabei!

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)

Sláinte!

Setlist Flogging Molly:

Flogging Molly (Foto: Thea Drexhage bs! 2019)
  1. (No More) St. Paddy’s Lament
  2. The Hand von John L. Sullivan
  3. Drunken Lullabies
  4. The Likes of you Again
  5. Swagger
  6. The Days we’ve yet to meet
  7. Requiem for a dying song
  8. Life in a tenement sqare
  9. Float
  10. The Spoken Wheel/Black Friday Rule
  11. Life is good
  12. Rebels of the sacred heart
  13. Devil’s dance floor
  14. Crushed
  15. What’s left of the flag
  16. The seven deadly sins
  17. If I ever leave this world alive
  18. Salty Dog

Galerien (by Thea Drexhage bs! 2019)

Links:
www.floggingmolly.com
www.bustershufflemusic.com

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Thea Drexhage
Thea Drexhage hat Salma Hayek einiges voraus! 100 mm. Wie die meisten Frauen der Redaktion, Duffy, Beth Ditto, Joan Rivers oder Angus Young kann sie die MusikerInnen aus dem Bühnengraben also völlig problemlos sehen, wenn jemand ihren Hocker trägt, wird aber - das hat sie mit Salma dann doch wieder gemein - dennoch viel zu oft auf Ihre Körpergröße, ihre Mähne und ihre leicht misanthropischen Anflüge reduziert. Damit sie also nicht im nächstbesten Titty Twister von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang Menschenmengen und Bläser mätzelt, halten wir “Aggro-Thea”, die zuvor ganze Landstriche in Mecklenburg Vorpommern ausgerottet hat, halbtags im spießbürgerlichen Oldenburger Exil an der langen Leine. Seither legt sich die scheißpünktliche existentialistische Besserwisserin analog mit Satre, Camus & Kodak an und ja, auch wir müssen neidlos zugestehen, dass der Instagram-Account ihrer beiden Katzen “Salma” und “Hayek” mehr Follower pro Tag hat, als unser webzine im ganzen Jahr.