Review: Mera Luna Festival 2014 (09.-10.08.2014, Hildesheim)

Foto: Torsten Volkmer
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Foto: Torsten Volkmer

Heiß, heißer, Mera Luna. Zum 15-jährigen Festival der düsteren Extravaganz hatten sich hochkarätige Musicacts wie Within Temptation, Marilyn Manson, DAF und Das Ich angekündigt. Bereits am Freitag reisten viele Fans schon einige Stunden vor Campingplatzöffnung an. Viele wollten schließlich den Wochenendverkehr auf den Autobahnen umgehen, was soweit auch gut klappte. Allerdings konnte der Campingplatz dieses mal nicht so früh geöffnet werden wie im vergangenen Jahr, was zu einem größeren Stau nach der Abfahrt Drispenstedt führte. Als die Parkplätze geöffnet wurden und die Anreisenden ihre Parkplätze gefunden hatten, ging das Warten weiter.

Die Bändchenausgabe hatte noch geschlossen und die Schlange vor dem Eingang wurde mit jeder Minute länger. Unter der gnadenlosen Hitze der Sonne warteten die ersten Ankömmlinge gut 30-60 Minuten, je nachdem welchen Platz in der Warteschlange man ergattert hatte. Dann ging der Run auf die Zeltplätze los. Doch wie immer verlief alles friedlich und entspannt. Jeder achtete darauf, dass die Campnachbarn auch genug Platz hatten für eventuelle Nachkömmlinge und keiner kam sich dabei in die Quere. Mit Respekt behandelten sich die verschiedenen Camps.

Wie jedes Jahr hatten die Besucher am Freitag wieder die Gelegenheit sich auf dem Mittelaltermarkt zu vergnügen, in der Händlermeile zu shoppen oder im Disco-Hangar mit DJ Team Gothminister und DJTeam Kwoad & Nachtraaf zu feiern und bis in die Morgenstunden zu tanzen.

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Foto: Torsten Volkmer

Wer sich freitags ausgeruht hatte, konnte davon am Samstag provitieren, denn da bäumte sich der Sommer zum vorerst letzten Mal für diese Saison auf und sorgte für heiße Temperaturen und noch heißere Outfits bei den Gästen. Die Sonne versprach guten Umsatz an den Getränkeständen und zehrte an den Kräften der Festivalbesucher. Sehenswerte Outfits gab es nicht nur unter den Besuchern – auch die Modenschau fand dieses Jahr erneut statt und bot den ein oder anderen Augenschmaus.

Spätestens zu Lacrimas Profundere hatte sich ein großer Teil der Festivalbesucher aus den Schlafsäcken geschält und rein in die teilweise sehr aufwändigen Kostüme geschlüpft. Derweil konnten sich die ersten Tänzer im Hangar zu Rabia Sorda aufwärmen. Auch Stahlmann sorgten auf der Hauptbühne an diesem Tag für Stimmung. Besonders herzlich willkommen waren Das Ich. Ich denke es ist nicht selbstverständlich nach verhältnismäßig kurzer Zeit nach einer Genesung von komatösen Hirnblutungen wieder auf der Bühne zu stehen und zu performen wie in alten Zeiten. Das verdient hohe Anerkennung und auch die Fans wussten dies zu schätzen.

Und auch von Paradise Lost, die danach an der Hauptbühne auftraten, hatte man einige Zeit nichts gehört. In einer knappen Stunde Auftrittszeit wusste die Band ihre Zuhörer zu unterhalten und in der Setlist fand so mancher Hit seinen Platz. Ebenso großen Unterhaltungswert hatten – wie immer – Subway To Sally, die ja fast schon zum festen Mobiliar des Mera Luna gehören. Da durften Songs wie „Feuerland“, „Wenn Engel hassen“ und „Veitstanz“ nicht fehlen.

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Foto: Torsten Volkmer

Die meisten Zuschauer des Tages jedoch waren wahrscheinlich wegen Marilyn Manson angereist, das bewies die wachsende Menschenmenge vor der Hauptbühne. Angeblich wurde das Festival im Jahr 2001 aufgrund von Mansons Terminkalender in den September verschoben. Zum Glück war dies 2014 nicht der Fall, denn der Auftritt von Marilyn Manson hätte eine solche Aktion keinesfalls gerechtfertigt.

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Foto: Torsten Volkmer

 

Eher etwas lahm schien Herr Manson auf der Bühne und auch seine stimmlichen Künste ließen sehr zu wünschen übrig. Instrumental gab es nicht viel auszusetzen, doch da es bei Marilyn Manson hauptsächlich um den Künstler an sich geht, verließen wir recht bald das Geschehen und sicherten uns lieber einen Platz im Hangar zu Combichrist. Zu Beginn schien auch die Qualität zu leiden, doch schnell wurde die Soundeinstellung verbessert und Combichrist lieferten einmal mehr ein Elektrofeuerwerk vom Feinsten ab.

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Foto: Torsten Volkmer

Ein weiteres Feuerwerk fand zum Abschluss auf der Hauptbühne statt. Within Temptation legten noch ordentlich einen drauf. Eine aufwändige Bühnenshow und eine stimmgewaltige Frontfrau brachten die Stimmung noch einmal zum kochen. Um Welten besser als beim letzten Mera Luna Auftritt sang sich Sharon Den Adel um Kopf und Kragen. Sympathisch wie man es von den Niederländern gewohnt ist, lieferten sie eine gewaltige Show ab und sorgten für einen perfekten Abschluss des ersten Festivaltages.

Nun ja, Schluss ist nicht das richtige Wort, denn das Mera Luna schläft nie. Die erneute Hangarparty kam bald in die Gänge und auch der Zeltplatz blieb ruhelos… aber nicht so ruhelos als dass man keinen Schlaf gefunden hätte. Wer wollte, der konnte sich getrost mit Oropax in seinen Schlafsack kuscheln – bei jahrelanger Festivalerfahrung kann ich sagen, dass das Mera Luna zu den ruhigsten seiner Art gehört.

 

Auch der zweite Festivaltag begann mit feinstem Wetter. Trotz Regen- und gar Sturmwarnung blieb alles ruhig am Sonntag. Bo Ningen sorgten für einen energiegeladenen Anfang, während sie nahtlos ihre kurze Spielzeit füllten und ein Lied nach dem anderen durchrockten. Bei Heimataerde ging es blutig zu und zu Darkhaus konnte man sich zu ruhigeren, rockigen Klängen ein wenig entspannen. Letzte Instanz genoß großen Jubel und Sänger Holly Loose gab sich ausgelassen dem Stage Diving hin.

Als eines der Highlights des Tages beehrten die Industrialpioniere von Die Krupps den Flughafen Drispenstedt. Ob es nun die jahrelange Erfahrung oder einfach Talent war – diese Band lieferte ein grandioses Konzert ab.

Im Hangar folgten harte Electrobeats von Hocico und setzten die Masse in Bewegung. Derweil während Deine Lakaien würdevoll und gediegen das Publikum vor der Hauptbühne begeisterten.

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Foto: Torsten Volkmer

 

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Foto: Torsten Volkmer

Neu in diesem Jahr war das aufgepeppte Essensangebot. Viel vegetarisch und sogar vegan stand auf dem Speiseplan. Die Preise waren nicht günstig, doch das kennt man ja von Festivals und solange das Essen auch noch von ganz guter Qualität ist bin ich persönlich bereit das zu zahlen. Dass allerdings die Fernsehköche nun die Festivals erobern ist etwas sonderbar. Erst ein Mälzer an Wacken, nun ein Henssler am Mera Luna – doch von den Herren in Person war ncihts zu sehen. Sehr eigenartig. Auch die riesigen Leinwände u.a. vor dem Hangar waren ein großer Mehrwert… in der Hoffnung, dass die Werbespots in der Umbaupause in Zukunft nicht Überhand nehmen werden. Auch das kennt man ja von anderen Festivals, die es damit gerne übertreiben und die entspannte Festivalatmosphäre stören.

Das absolute Highlight dieses Tages boten jedoch In Extremo. Schon lange hatte ich kein Konzert der Berliner mehr gesehen, doch ich war froh an diesem Tag vor der Hauptbühne gewesen zu sein. Pyrotechnik, gute Laune und ein charmanter Patzer in der Ansage eines Songs bewiesen in den ca. 60 Minuten Showzeit, dass In Extremo es einfach drauf haben. Eine gemischte Songauswahl und einwandfreier Sound ließen das Konzert zu einem großen Erlebnis werden und die Menge vor der Bühne sang, klatschte und feierte gebührlich mit.

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Foto: Torsten Volkmer
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Foto: Torsten Volkmer

Während im Hangar Covenant die Tanzwütigen zum heißlaufen brachte, kam das Abschlusskonzert des Mera Luna 2014 von And One. Eigentlich wollten letztere sich aufgelöst haben, doch dieses Vorhaben wurde zum Glück für die Festivalbesucher vorerst ad acta gelegt. So hatten Musiker als auch Fans ganze 75 Minuten Zeit alles zu geben. Ein professionelles und schweißtreibendes Set ließ kaum einen Wunsch offen und hinterließ nur glückliche Gesichter.

So neigte sich das Mera Luna auch in diesem Jahr wieder seinem Ende zu. Der Disco-Hangar blieb in dieser Nacht wieder geschlossen. Viele hatten bereits Zelte und Pavillions abgebaut und waren abgereist. Ob das an den vorangegangenen Unwetterwarnungen lag, war nicht zu sagen.

Alles in allem verlief das Festival einmal mehr sehr friedlich und harmonisch. Auch die Zeltplätze wurden ziemlich sauber verlassen – so sauber wie ich es an noch keinem Festival erlebt habe. Natürlich geht immer mehr und Ausnahmen sind immer dabei, aber die Festivalbesucher können stolz auf sich sein, denn so ein vorbildliches Benehmen ist (leider) auch keine Selbstverständlichkeit. Ein Punkt mehr, weshalb das Mera Luna mein Lieblingsfestival ist und auch bleibt… auch wenn die bisher bestätigten Bands für 2015 noch nicht ganz meinen Geschmack trifft, ich werde 2015 wieder vor Ort sein, alleine schon der Atmosphäre und Entspannung wegen.

 

Festivalhomepage: www.meraluna.de

VeranstalterFKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH