The Project Hate: Bleeding The New Apocalypse (2011) Book Cover The Project Hate: Bleeding The New Apocalypse (2011)
Season of Mist
18.02.2011

Tracklist:

  1. Iesus Nazarenus, Servus Mei
  2. The Shall All Be Witnesses
  3. A Revelation Of Desecrated Heavens
  4. Summoning Majestic War
  5. The Serpent Crowning Ritual
  6. Bring Forth Purgatory

Seit dem 18.02.2011 ist nach zweijähriger Tour- und Schaffenszeit das brandneue Album von The Project Hate MCMXCIX auf dem Markt. Nach dem Erfolg ihrer letzten Scheibe "The Lustrate Process" (2009) stellte sich natürlich jeder die Frage, ob die Schweden auf der gleichen Schiene weiterfahren würden, zumal sich die Bandbesetzung 2010 drastisch verändert hatte. Würde die Band mit neuer Vokalistin und neuem Drummer ein ähnlich fantastisches Album wie das letzte abliefern und dem Qualitätsanspruch der jetzt verwöhnten Fans gerecht werden können? Würden sie sich weiterhin in ihrer selbstgeschaffenen Nische aus Death, Melodischem und Industriellem Metal verwirklichen können, oder sich mehr auf die Mainstream-Ebene verlagern?

Immerhin war eines schon mal gleich geblieben: Wie auch schon viele ihrer früheren Alben hat "Bleeding The New Apocalypse" weniger als zehn Tracks. Insgesamt sechs Songs sind eingespielt worden, die aber insgesamt bei 66 Minuten Laufzeit fast schon jeder für sich ein Mini-Epos sind.

Aber auch musikalisch steht die Platte ihrem Vorgänger "The Lustrate Process" in nichts nach: Schon der erste Song, "Iesus Nazarenus, Servus Mei" ist als Einstiegsnummer bombastisch und energiegeladen: Krachende Gitarrenriffs, gepaart mit industriellen Synthesizern, perfekt abgerundet durch den Kontrast zwischen Sandströms brutalen Vocals und Ruby Roques femininem, aber kräftigem Sopran. Die Nummer ist so komplex und vielseitig wie die Band selbst und endet überraschend abrupt, doch auf Fortsetzung muss man nicht lange warten. Mit dem darauffolgenden "They Shall Be Witness" macht die Band genau dort weiter, wo sie aufgehört hat, und setzt mit einem fast schon an Power Metal anmutenden Gitarrenriff und einer sphärischen Synthesizer-Bridge noch eins drauf.

“A Revelation Of Desecrated Heavens” beginnt mit einem melodischen Mix aus Keyboard- und Synthesizerklängen, wird aber schon nach kurzer Zeit mit dröhnend-verzerrten Bässen und kreischenden Gitarren und hämmernden Drums in andere, musikalisch kompaktere Ebenen transportiert. Spätestens bei diesem Track kann man sich nicht nur aufgrund der Stimmgewalten, sondern auch der Dramatik der Songs der Assoziation nicht erwehren, dass es sich hier nicht um ein halbes Dutzend epischer Songs, sondern vielmehr um eine Death-Metal-Oper handelt. Und gerade deshalb ist es nahezu unmöglich sich die Nummern einzeln zu geben, auch wenn jeder Song allein faszinierenderweise mehr Variationsreichtum bietet als dies auf kompletten Alben anderer Bands der Fall ist. Auch empfiehlt es sich nicht, nur nebenher in die Platte reinzuhören, während man noch andere Dinge tut. "Bleeding The New Apocalypse" ist, wie auch andere Projekt Hate-Werke zuvor, ein Album, das man in seiner gesamten Komplexität mehr als nur einmal und mit voller Aufmerksamkeit anhören sollte, um sich ein wirkliches Urteil bilden zu können.

Bedauernswert ist bei The Project Hate MCMXCIX oft die Tatsache, dass sich heutzutage selten jemand die Zeit nimmt, das kreative und musikalische Potential der Band wirklich zu entdecken – sofern er (noch) nicht zu den Fans gehört. "Bleeding The Apocalypse" ist das achte Studioalbum und von der ersten bis zur letzten Minute ein weiteres düster-brillantes Meisterwerk der fünf Schweden, aber die Chancen stehen gering, dass ihnen die Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie sich eigentlich verdient haben. Zehnminütige Songs haben leider kein Radio- oder Hitpotential, und keiner von den Tracks hebt sich nach komplettem Durchhören des Albums als Einzelnummer von den anderen ab. Das Gesamterlebnis beeindruckt jedoch zutiefst. Wer mit der Band bisher noch nicht oder nur wenig vertraut ist, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, "Bleeding The Apocalypse" nicht nur anzuhören, sondern zu erleben.