The Project Hate MCMXCIX: The Cadaverous Retaliation Agenda (2012) Book Cover The Project Hate MCMXCIX: The Cadaverous Retaliation Agenda (2012)
own production
12.12.2012
www.theprojecthate.net

Tracklist:

  1. DCLXI
  2. I feed you THE flesh of your poisonous Christ
  3. DCLXII 
  4. We watch in silence as the earth turns to blood
  5. DCLXIII 
  6. Conquering the throne of the CADAVEROUS 
  7. DCLXIV 
  8. The great RETALIATION is upon them
  9. DCLXV 
  10. Carving out the tongues which speak of salvation
  11. DCLXVI 
  12. Welcome the Judas Agenda

 

Diejenigen, die mit The Project Hate MCMXCIX vertraut sind, wissen, was sie erwartet.

Alle anderen wissen nicht, was ihnen entgeht. Schwere, umwerfende Gitarrensounds kombiniert mit kreativen Riffs, Synthesizer-Effekten, einem Bass, der nicht nur als Hintergrundinstrument fungiert. Düstere Industrial- oder Technobeats, gekrönt von orchestralen Elementen, die meisterhaft mit schwedischem Death Metal verwoben sind. Und nicht zu vergessen, der krasse, und doch irgendwie harmonische Kontrast zwischen brutal herausgegrölten Texten und reinem Gesang.

TPH sind Meister ihres Genres; im radiotauglichen Mainstream aber nicht zu finden, und daher größtenteils nur Kennern ein Begriff. Seit 2003 gibt es auch keine Liveauftritte mehr, denn die Songs sind so aufwendig arrangiert, dass eine Liveumsetzung kosten- und organisationstechnisch schlichtweg zu schwierig wäre.

"The Cadaverous Retaliation Agenda" ist schon von der Entstehungsgeschichte her ein interessantes Album. In erster Linie für und von TPH's treuesten Fans realisiert, die im Voraus für die Kosten der Aufnahmen gespendet haben, wurde es auch zunächst nur dieser kleinen Zielgruppe als digitaler Online-Download zugänglich gemacht.

Die Songs sind noch teilweise noch länger, als sie es früher ohnehin schon waren (manche dauern sogar fast eine satte Viertelstunde).

Doch jetzt zur Musik: Vokalistin Ruby Roque ist seit TPH's letztem Album "Bleeding The New Apocalypse" mit von der Partie. Ihre Stimme hat mir schon damals gut gefallen, aber sie hat sich inzwischen noch verbessert. Sie kann ihre Stimme variabler einsetzen, und gerade die sanften Passagen viel gefühlvoller intonieren, als das noch auf dem Vorgängeralbum der Fall war. Diese Frau ist jetzt nicht mehr nur die "neue Stimme" nach ihren Vorgängerinnen Mia Ståhl und Jonna Enckell, sondern als festes Mitglied ein wichtiger Bestandteil der Band. Zwar mögen die Ansichten darüber auseinandergehen, aber meiner Meinung nach ist sie bisher sogar das beste Match für Frontman Jörgen Sandströms rohen Gegenpart.

Sessions-Schlagzeuger Dirk Verbeuren gibt alles, was er nur geben kann. Als Meister an Tempo, Akkuratheit und Technik liefert er den Grundbeat des neuen Werkes. Man kann nur hoffen, dass er der Band auch bei zukünftigen Projekten erhalten bleibt.

Jörgen Sandström, die Stimme von TPH, was bisher auf jedem Album außer "Deadmarch" mit dabei. Seine Vocals sind wie immer beeindruckend, und sogar noch brutaler als sonst. Sein fast schon infernalisches Grabesgebrüll geht unter die Haut, wie ich es bei noch keinem anderen Death Metal Album erlebt habe.

Um dem ganzen noch das buchstäbliche Sahnehäubchen aufzusetzen, muss natürlich Lord K Philipson erwähnt werden, der als führender und kreativer Kopf der Band für Gitarre, Bass und Effekte zuständig ist. Die meisten Stücke stammen aus seiner Feder, und obwohl schon die Vorgängeralben an absoluten Perfektionismus grenzten, gibt es erstaunlicherweise immer noch eine Steigerung.  "The Cadaverous Retaliation Agenda" ist bisher das Beste, was Lord K Philipson komponiert hat.

Die Gitarrenriffs gehen sofort ins Ohr; manchmal melodisch, manchmal scheinbar aus den dunkelsten Black Metal-Tiefen hervorgeholt. Einfach umwerfend sind die Basspassagen: Noch nie habe ich einen derart satten, kraftvollen Bass gehört, der die Musik nicht nur im Hintergrund trägt, sondern Gänsehaut verschafft.

Überhaupt ist das ganze Arrangement ein Meisterwerk; bei dem die Riesenbandbreite der Instrumente und Effekte perfekt herausgearbeitet und abgemischt wurden. Vom textlichen Aspekt her hat sich bei The Project Hate wenig geändert. Aussagekräftig und angereichert mit der nötigen Portion an Wut und Aggressionen, ausdrucksvoll intoniert von zwei beeindruckenden Vokalisten, die stimmlich gegensätzlicher nicht sein könnten. Das ist genau das, was hervorragenden Death Metal ausmacht.

Alles in allem kann man einfach nur sagen, ein fantastisches Album. Wer schon von den Vorgängern begeistert war, wird "The Cadaverous Retaliation Agenda" so schnell nicht wieder aus der Hand legen, denn diesmal haben sich TPH selbst übertroffen.