The Prodigy: The Day Is My Enemy (2015) Book Cover The Prodigy: The Day Is My Enemy (2015)
Vertigo Berlin
27.03.2015

 

Tracklist:

  1. The Day Is My Enemy
  2. Nasty
  3. Rebel Radio
  4. Ibiza [feat. Sleaford Mods]
  5. Destroy
  6. Wild Frontier
  7. Rok-Weiler
  8. Beyond The Deathray
  9. Rhythm Bomb
  10. Roadblox
  11. Get Your Fight On
  12. Medicine
  13. Invisible Sun
  14. Wall Of Death

Die Helden der elektronischen Klänge sind zurück. Bereits in meinen Teenagerjahren vergötterte ich The Prodigy – sie waren anders und schafften es als erste elektronische Band aus überraschend unterschiedlichen Musikszenen Fans für sich zu gewinnen. So treten The Prodigy unter anderem auch bei Rockfestivals oder haben in den Gothicclubs ihren Stammplatz in der Playlist.

Und es hört sich fast so an, als hätten sich diese Fangruppen auf die neue Scheibe ausgewirkt. Düster und hart erscheint das aktuelle Album „The Day Is My Enemy“. Bereits der gleichnamige Opener beginnt ziemlich dunkel mit starken Drums und passend düsterer Aussage. Auf Dauer wirkt der Song allerdings ein wenig eintönig und so ist man froh, dass „Nasty“ ein wenig schneller loslegt. Coole Gitarrenriffs und Lyrics mit dem typisch britischen Akzent brennen sich in die Gehörgänge. Fast fühlt man sich aus der Reserve gelockt und möchte die Tanzfläche erobern, aber der letzte Funke will nicht ganz überspringen. Ein toller Song, aber so ganz zündet er dann leider doch nicht, so wie es Songs wie „Omen“ oder „Firestarter“ in der Vergangenheit geschafft haben und jetzt immer noch schaffen.

Zu „Ibiza“ werden dann alle möglichen Soundeffekts aufgedreht, so dass man sich fast vorkommt wie in einer Spielhölle in der links und rechts nur Spielautomaten klingen und dröhnen – ziemlich anstrengend. Auch die Vocals von Sleaford Mods machen es nicht besser. Diesen Song zu Ende zu hören ist fast schon eine Herausforderung. Doch „Rebel Radio“ beginnt wieder sehr vielversprechend, aber auch hier folgt über den restlichen Song leider nichts, das einen umhaut. Es plätschert so dahin und die Konzentration beim Zuhören lässt schnell nach. Darauf folgend jedoch lässt ein starker Beat bei „Destroy“ aufhorchen. Dieser Song stellt ein Lichtblick dar. Auch wenn die anderen Titel bislang nicht schlecht waren und eine solide The Prodigy Qualität besitzen, ist „Destroy“ einer der Highlights auf dem Album. Und auch „Wild Frontier“, zu dem übrigens ein tolles sehr sehenswertes Musikvideo produziert wurde, verschafft einen Lichtblick. Leichtere Melodien und ein wenig Drum n Bass sorgen für Abwechslung. Weiter geht’s mit „Rok-Weiler“ der auch wieder auf die Tanzmuskeln setzt. Hart und gnadenlos mitreißende Melodien, Gitarren und Drums lassen keine Verschnaufpause, bevor es bei „Beyond The Deathray“ wieder abflaut. Hier passiert nichts Spektakuläres mehr. Ein nettes instrumentales Zwischenspiel, das den Hörer wieder ein wenig runter holt und entspannen lässt.

„Rhythm Bomb“ legt – wie der Name schon verspricht – wieder gut los. In einer Zusammenarbeit mit Flux Pavilion entstand ein vielfältiger Song mit einem großartigen Zusammenspiel verschiedener Stile. Zwar nicht der absolute Oberhammer aber der Song geht ganz gut in die Ohren. „Roadblox“ baut wieder mehr Druck und Geschwindigkeit auf. Fast schon ein wenig hektisch prescht der Song daher, doch von The Prodigy ist man sowieso keine wirklichen Ruhepausen gewohnt. Der Titelname „Get Your Fight On“ ist Programm. Dieser Titel hätte genauso gut auf das Vorgängeralbum „Invaders Must Die“ gepasst. Wütend rotzt Keith Flint die Vocals entgegen und inspirative melodiöse Einspieler geben dem Song den letzten Schliff. Das rockt und bringt wieder etwas mehr Spirit in die Scheibe. Leider herrscht danach wieder Flaute. Die orientalisch anmutenden Töne in „Medicine“ sind ziemliche Geschmackssache – mein Fall ist es ganz und gar nicht und nervt gewaltig. Ebenso – passend zum Song zwar, jedoch total abtörnend sind die Vocals. Das ruhige, schleppende „Invisible Sun“ ist nun wieder besser und besitzt zwar tolle Gitarrenspuren und Gesangsparts und bringt große Abwechslung in das Album, ist auf Dauer aber doch etwas öde und man ist gezwungen weiter zu switchen. Auch bei „Wall Of Death“ ist der Titelname Programm. Aggressiv, hart und schnell… aber leider auch wieder nicht ganz ausgegoren wie so einige Songs auf „The Day Is My Enemy“. Immer wieder fehlt das gewisse Etwas, eine letzte Zutat, die The Prodigy sonst oft gekonnt einsetzen und damit einmalige Songs zusammenbrauen.

Das Album präsentiert eine solide Prodigy Arbeit. Typische Beats und Melodien. Die bekannten und geschätzten Vocals, Wut, Aggressionen und Energie vereinen sich einmal mehr zu mitreißenden Songs. Leider haben die Londoner in der Vergangenheit einiges Besseres geleistet. Das Album macht Spaß zu hören, jedoch wird es bei mir nicht in Dauerschleife laufen und wahrscheinlich bald ganz im Regal verstauben. Auch wenn die Band nach wie vor außergewöhnlich ist und in meinem Musikerolymp stehen bleiben wird, so ist dieses Werk nicht gerade ihr Glanzstück. Es ist okay aber zu eintönig, die Songs bleiben zum Großteil nicht hängen – es fehlt das Überraschungsmoment und das Neue, das nicht alle aber doch viele der alten Alben ausmacht. Dann doch lieber noch einmal auf „Invader Must Die“ zurückgreifen.

Anspieltipp: Destroy, Wild Frontier